Chemie u. Behörde wissen seit 1980 von Deponie-Verschmutzung

Seit 1980 geht man im Kanton Basel-Land
(BL) davon aus, dass der Chemiemüll in den Muttenzer Deponien das
Trinkwasser belastet, zeigt eine neue Studie. In den
Trinkwasserbrunnen hat Ciba-Geigy bereits vor 27 Jahren zahlreiche
Chemikalien nachgewiesen. Diese Erkenntnisse ignorierten Behörden
und Chemie bei ihren heutigen Deponie-Untersuchungen weitgehend.
Das Kantonale Laboratorium BL lässt bis heute belastetes Wasser
trinken.

Basel.  Seit 1980 besteht im Kanton BL eine
Auflistung der Trinkwasserbrunnen, die durch den Chemiemüll in den
Muttenzer Deponien gefährdet sind. Sie zeigt, dass die
Trinkwasserbrunnen im Umfeld der Chemiemülldeponien in Muttenz
schon damals mit zahlreichen Chemikalien belastet waren. Sie belegt
ausserdem, dass die Baselbieter Behörden seit mindestens 27 Jahren
davon ausgehen, dass die Muttenzer Chemiemülldeponien das
Trinkwasser verschmutzen. Diese Erkenntnis über die
Trinkwasserverschmutzung und die dazugehörigen Analyseergebnisse
von 1980 wurden in der jetzigen Deponie-Untersuchung (historische
Untersuchung 2002 und technische Untersuchung 2005) entgegen der
Darstellungen der Regierung BL vom Juli 2006 nicht berücksichtigt.
Diese Fehler und Unterlassungen setzen sich in den heutigen
Untersuchungen fort.

Dies sind die erschreckenden Resultate einer akribisch
recherchierten Studie von Altlastenexperte Dr. Martin Forter im
Auftrag von Greenpeace und dem Forum besorgter
TrinkwasserkonsumentInnen (FbTK). Die Studie wurde heute anlässlich
einer Pressekonferenz in Basel veröffentlicht.

Käthi Aellen-Rumo vom FbTK: «Als Trinkwasserkonsumentin bin ich
entrüstet. Jahrzehntelang haben wir Wasser mit Chemikalien aus den
Deponien getrunken – und die Behörden haben es gewusst! Wie lange
noch tischt man uns belastetes Trinkwasser auf?» Matthias Wüthrich
von Greenpeace meint mit Verweis auf die aktuellste Baselbieter
Regierungsantwort vom 30.1.07 zu Trinkwasser, welche vom
zuständigen Kantonalen Laboratorium verfasst wurde: «Anstatt zum
Schutz der 200’000 Wasserkonsumenten zu handeln, will sich die
Trinkwasserbehörde auch heute noch hinter dem Amtsgeheimnis
verstecken. Doch jetzt wissen wir, was sich hinter dem
Amtsgeheimnis verbirgt: die jahrzehntelange Mitwisserschaft, dass
Deponien das Basler Trinkwasser verschmutzen».

Das FbTK und Greenpeace fordern Sofortmassnahmen zum
Trinkwasserschutz: Trinkwasserbehandlung (z.B. Aktivkohlefilter),
systematische Untersuchung des Trinkwassers (inkl. der 1980 als
gefährdet eingestuften Trinkwasserbrunnen), Untersuchung der
gesundheitlichen Langzeitauswirkung von chemisch belastetem
Trinkwasser, Offenlegung aller noch nicht öffentlichen
Trinkwasser-Daten sowie umgehend die Totalsanierungen auf Kosten
der Verursacher Novartis, Ciba, Clariant und Syngenta.

Kontakt:

Martin Forter, Altlastenexperte und Autor der Studie +41 79 304
55 89

Käthi Aellen-Rumo, Präsidentin FbTK +41 77 405 67 76

Matthias Wüthrich, Chemiekampagne Greenpeace (vor Ort) +41 44
447 41 31