Eine falsch konzipierte und schlecht funktionierende Photovoltaikanlage – das „Testzentrum“ auf dem Mont Soleil – dienen den Bernischen Kraftwerke (BKW) als Argument, an der Kernenergie festzuhalten. Das Solarkraftwerk ob St. Imier liefert nicht das Erwartete. Wie am Grimsel setzen die BKW auch auf dem Mont Soleil Stromproduktion mit Landzerstörung gleich.

Zürich. Die Gesellschaft Mont-Soleil, der Verband Schweizerischer Elektrizitätswerke und das Eidgenössische Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement laden zu einer „Standortbestimmung“ der Photovoltaik ein – ausgerechnet ins „internationale Testzentrum Mont Soleil“. Dieses Solarkraftwerk auf der grünen Wiese ist nur zu etwas gut: Es zeigt, wie Solarstrom gerade nicht gewonnen werden soll. Die Vermutung drängt sich auf, dass die Anlage schlecht konzipiert wurde: Die ABB als Lieferantin des Inverters hat kaum Erfahrungen mit dieser Technik. Pro installierte Kilowatt (Peak) liefert die Anlage nur etwa 950 Kilowattstunden jährlich. Im Vergleich: Die Module an der Lärmschutzwand der N13 bei Domat/Ems kommen trotz vergleichsweise ungünstiger Lage und Ausrichtung auf 1031 kWh/kWp. Der Standort auf der grünen Wiese, massive Betonfundamente und Stahlkonstruktionen machen die Anlage zudem ungewöhnlich teuer: Mont-Soleil hat 8,4 Millionen Franken gekostet – das sind 16’800 Fr. pro Kilowatt. Die heutigen Marktpreise liegen zwischen 12’000 und 14’000 Franken. Offensichtlich geht es den Mont-Soleil-Betreibern gar nicht darum, möglichst effiziente Solartechnik zu erproben. Den Bernischen Kraftwerken dient das misslungene Werk als „Beweis“, dass erneuerbare Energien (ausser Wasserkraft) keine nennenswerte Rolle spielen können. Dies ist auch gelegentlich so aus BKW-internen Kreisen zu hören. Im ihrem Bericht zur künftigen Strombeschaffung vom Mai dieses Jahres nennen die BKW für die Photovoltaik Gestehungskosten von 20’000 Fr. pro Kilowatt (Peak). Das ist massiv überzogen: Die Schweizerische Bankgesellschaft beispielweise rechnet für ihr Projekt „Suglio“ im Tessin nur noch mit 10’000 Fr./kWp. Um das AKW Mühleberg zu 10% zur ersetzen, brauche es 500 Mont-Soleil-Anlagen oder die Fläche von 10 Quadratkilometern (1500 Fussballfelder), behaupten die BKW. Was sie verschweigen: Auf Dachflächen montiert, und davon gibt es in der Schweiz rund 400 km2, würden 2,2 km2 genügen. Solarzellen werden mit Vorteil auf Dächer montiert, nicht auf die grüne Wiese: Um 10 Prozent des schweizerischen Strombedarfs solar zu erzeugen, braucht es lediglich 5,8 Quadratmeter Solarzellen pro Kopf, das sind lediglich 1,5% der heute bebauten Siedlungsfläche. In Japan soll die installierte Photovoltaik-Leistung bis 2010 vertausendfacht (!) werden, auf eine Nennleistung von 4600 MW, was 13 AKW Mühleberg entspricht.

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David Stickelberger, Koordinator der Energiekampagne 01 / 447 41 41