Sofortige Trinkwasser-Reinigung und Totalsanierungen gefordert

Erst die FbTK/Greenpeace-Auswertung der
offiziellen Untersuchungsresultate zu den Deponien und zum
Trinkwasser bringt es ans Licht: Mindestens 29 Deponie-Chemikalien
verschmutzen die Trinkwasserbrunnen in der Muttenzer Hard. Brisant:
Das offizielle Untersuchungsgremium und die Trinkwasserbehörde
haben es bisher versäumt, ihre Deponie- und Trinkwasserdaten
miteinander abzugleichen.

» Hintergründe und Karte der
gefundenen chemischen Substanzen

Basel. Über 200’000 Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus der
Muttenzer Hard – die berüchtigten Chemiemülldeponien liegen wenige
hundert Meter davon entfernt. Vor zwei Wochen stellte das Gremium
«Untersuchung Deponien Muttenz» seine Schlussberichte über die
Chemiemüll-Deponien in Muttenz vor. Das Gremium untersuchte die
Deponien und die Hardwasser AG unter Oberaufsicht des Kantonalen
Laboratoriums BL das Trinkwasser. Ihre Resultate aber tauschten sie
nicht aus. So wusste in Muttenz die eine Hand nicht, was die andere
tat – die zentrale Frage nach dem Einfluss der Deponien auf das
Trinkwasser blieb ausser acht. Greenpeace und das Forum besorgter
TrinkwasserkonsumentInnen haben das Versäumte nachgeholt und die
Resultate der Trinkwasser- und Deponie-Untersuchungen
zusammengeführt.

Die Erkenntnisse sind brisant: 32 teils
hochgiftige Chemikalien hat man im Trinkwasser gemessen – 29 davon
findet man in und um die Deponien, neun mittels Feststoffanalyse
sogar direkt im Chemiemüll selber. Die Trinkwasserbrunnen wurden
sehr selten untersucht. Trotzdem zeigen die wenigen, dafür
systematischen Screening-Analysen: Je genauer man hinschaut, desto
offensichtlicher ist die Verschmutzung durch Deponie-Chemikalien.
Beispiel Hexachlorbutadien, Hexachlorethan und
N-Butylbenzolsulfonamid: In Chemiemüllproben aus den Deponien
wurden hohe Konzentrationen nachgewiesen, ebenso im Grundwasser um
die Deponien, und verdünnt auch um Trinkwasser. Der Verlauf ins
Trinkwasser untermauert, dass die Chemikalien aus den Deponien
stammen.

Greenpeace und FbTK machen die Basler Chemiefirmen als
Problemverursacher und das Kantonale Laboratorium Basel-Land als
Trinkwasserbehörde dafür verantwortlich, dass den
TrinkwasserkonsumentInnen wohl seit Jahrzehnten mit
Deponie-Chemikalien angereichertes Trinkwasser verkauft wird. Wir
fordern die Baselbieter Regierung eindringlich auf, die richtigen
Schlüsse aus den Berichten zu ziehen und endlich zu handeln. Wir
verlangen:

•Trinkwasser-Reinigung: Das Wasser aus der Hard muss wegen der
Chemikalienbelastung gereinigt werden, bevor es als Trinkwasser
verkauft wird.

•Totalsanierungen der Muttenzer Deponien Feldreben, Margelacker,
Rothausstrasse: gefährlicher Chemiemüll muss umgehend ausgegraben
werden.

•Verursacherprinzip: Novartis, Syngenta, Clariant und Ciba als
Verursacher müssen die Totalsanierungen, die Trinkwasser-Reinigung
und Laboranalysen bezahlen und das Geld in einer unabhängigen
Sanierungs-Stiftung bereitstellen.

Kontakt:

Martin Forter, Altlastenexperte    +41 79 304 55 89

Käthi Aellen-Rumo, Präsidentin FbTK     +41 77 405 67 76

Matthias Wüthrich, Chemiekampagne Greenpeace (vor Ort)    +41 44
447 41 31