Trotz begrüssenswerter Fortschritte, zum Beispiel bei der Unfallprävention, überwiegen im vorliegenden Sanierungsprojekt der BCI für Bonfol gravierende technische Mängel und Widersprüche. Das BCI-Sanierungsprojekt birgt noch immer grosse Gefahren für Mensch und Umwelt und hält teilweise Schweizerische Umweltgesetze nicht ein. Das Collectif Bonfol (CB) erachtet das technisch machbare Sanierungsprojekt als in dieser Form nicht bewilligbar und weist es an die Jurassische Regierung zur zwingenden Nachbesserung zurück.

Basel. Dies sind die Schlüsse, die das
Collectif Bonfol (CB: Greenpeace, Pro Natura, Unia, WWF, Les Verts
France) aus einem Gutachten zieht, das es heute an einer
Pressekonferenz in Delémont vorgestellt hat. Die beiden vom CB
beauftragten Altlasten-Experten Martin Forter und Jean-Louis
Walther halten in ihrer Studie fest, dass die BCI entgegen
behördlicher Auflagen keine bzw. wenig Anstrengungen unternommen
hat, die in der Deponie Bonfol liegenden Chemikalien historisch
abzuklären. Begründung der BCI: die meisten ihrer Archive seien
vernichtet worden, was gemäss Novartis aber nicht stimmt. «Höchste
Sicherheitsstandards» verspricht die BCI in den Hallen anzuwenden,
da angesichts der unzähligen, weitgehend unbekannten Chemikalien
«mit allen chemischen Risiken» zu rechnen sei.

Im Gegensatz dazu stehen die wenigen Substanzen, die gemäss BCI
die Hallen-Abluft belasten. Weil man diese wenigen Substanzen
kenne, könne ein niedriger Standard angewendet werden und die
Hallen-Abluft teils sogar unbehandelt in die Umwelt abgelassen
werden. Doch: Die CB-Experten wiesen nach, dass auch der Stoffmix
in der Abluft entgegen den Angaben der BCI unberechenbar ist:
Mindestens 49 Substanzen, deren Emission die
Luftreinhalteverordnung (LRV) beschränkt, hat die BCI in ihrem
Abluftmodell nicht berücksichtigt.

Auch Krebs fördernde Substanzen gemäss Suva sowie Pestizide und
Medikamente hat die BCI nicht beachtet. Für die CB-Experten ist
klar: Um gefährliche Emissionen zu verhindern, braucht es zwingend
eine hochwirksame Abluftreinigung (Abluftverbrennung).

Ein weiteres Beispiel für die skandalösen Unterlassungen der
Basler Chemie: Die CB-Experten konnten nachweisen, dass die BCI
seit 20 Jahren weiss, dass sogar der 1.8 Kilometer von der Deponie
entfernte Dorfbrunnen von Pfetterhouse (F) durch vertikale
Schadstoff-Emissionen aus der Deponie Bonfol verschmutzt wird und
somit auch das Trinkwasser von Pfetterhouse gefährdet ist. Angaben
zu den vertikalen Schadstoffaustritten aus der Deponie und somit
zum regionalen Quellwasserschutz findet man im BCI-Projekt aber
praktisch keine. Die Arbeitssicherheit ist immer noch mangelhaft
und beim Bodenschutz (inkl. Sandpartien) fehlen schlüssige
Qualitätskriterien, so dass zu befürchten ist, dass die
Bonfol-Grube auch nach der Sanierung eine Altlast bleibt!

Generell wurde im Vergleich zum Planungsstand vor 3 Jahren wenig
verbessert – nach wie vor will die BCI viele Antworten auf später
verschieben. Dies ist nicht zu verantworten. Deshalb braucht es
jetzt ein robustes Qualitätssicherungssystem und eine Überwachung
durch einen neu zu schaffenden unabhängigen Expertenrat.

Seit der Besetzung der maroden Chemiemülldeponie und dem
erreichten Sanierungsentscheid vor über sechs Jahren setzt sich das
Collectif Bonfol qualifiziert und konstruktiv für eine saubere,
sichere und möglichst schnelle Totalsanierung ein. Alain Fousseret,
Sprecher des Collectif Bonfols, meint: «Das Collectif Bonfol
fordert die Behörden auf, das eingereichte Projekt zurückzuweisen.
Keinesfalls darf der Kanton Jura dem in dieser Form hochriskanten
BCI-Sanierungsprojekt eine Bewilligung erteilen.» Im Hinblick auf
die möglichen verheerenden Auswirkungen warnt Corrado Pardini von
der Gewerkschaft Unia: «Wenn die Jurassische Regierung diese
Anforderungen ignoriert, übernimmt sie in Kenntnis dieser Mängel
die volle Verantwortung und riskiert schädliche Einfüsse auf
Arbeiter, Bevölkerung und Umwelt – das könnte in finanzieller,
sozialer und ökologischer Hinsicht negative Folgen für die
Bewilligungsbehörde haben.»

Download Studie (Französisch, 3.6
MB)

Kontakt:

Matthias Wüthrich, Greenpeace Chemie-Kampagne +41 44 447 41
31

Martin Forter, Expert CB +41 79 304 55 89

Jean-Louis Walther, Expert CB +41 79 240 42 60