Greenpeace fordert den Verzicht auf das geplante Wasserkraftwerk Grimsel-West und die sofortige Stillegung des AKW Mühleberg, das heute nach der Revision und fragwürdigen Reparaturen wieder an das Netz ging. Der alte Reaktor ist mit all seinen Sicherheits- und Alterungsproblemen ein nicht mehr tragbares Risiko und für ein Langzeitexperiment viel zu gefährlich. Mühleberg könnte – auch ohne den Bau von Grimsel-West – sofort stillgelegt werden.

Zürich. Die dem Atomkraftwerk Mühleberg von der Hauptabteilung für die Sicherheit von Kernanlagen (HSK) gesprochene Bewilligung zur Wieder-Inbetriebnahme stösst bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf absolutes Unverständnis. Das umstrittene Atomkraftwerk war während der vergangenen 6 Wochen für die reguläre Revision sowie für zusätzliche Reparaturarbeiten abgestellt. Das ohnehin veraltete und nicht genügend abgesicherte Atomkraftwerk hat mit etlichen Sicherheits- und Alterungsproblemen zu kämpfen, die sich zu einem nicht mehr verantwortbaren Risiko akkumuliert haben. Deshalb fordert Greenpeace die sofortige Stillegung des maroden Reaktors. Im Kernmantel, einem Stahlzylinder innerhalb des Reaktordruckgefässes, wachsen seit 1990 Risse. Deren Ursache und weiterer Entwicklungsverlauf sind nach wie vor nicht mit Sicherheit bekannt. Mit Zugankern wurden diese Risse nun zusammengeklemmt; damit soll deren weiters Wachstum gestoppt werden. Es gibt aber keinen Sicherheitsnachweis dafür, dass dieses Experiment gelingt. „Ähnliche Probleme haben in Deutschland zur Stillegung des AKW Würgassen geführt; in der Schweiz hingegen wird herumgeflickt. Würde an einem Auto so gebastelt wie am Atomkraftwerk Mühleberg, erhielte dieses wohl kaum mehr eine Strassenzulassung“, vergleicht Wendel Hilti, Atomexperte bei Greenpeace Schweiz. Greenpeace hatte vor einer Woche mit rund 50 AktivistInnen während 16 Stunden die Eingänge des AKW besetzt und dessen sofortige Stillegung gefordert. Mühleberg, das zur Zeit wie alle anderen Schweizer Atomkraftwerke nur für den Export Strom produziert, k��nnte ohne Schwierigkeiten endgültig abgeschaltet werden. „Mühleberg hat mit seiner erhöhten Leistung sowieso kaum mehr Sicherheitsreserven. Angesichts des Gefahrenpotentials eines solchen Atomkraftwerkes ist es fahrlässig, daraus wegen Profitinteressen einen Langzeitversuch zu machen. Die Schweiz kann das Risiko einer atomaren Katastrophe vermeiden: Die Technik für den Ausstieg aus der Atomenergie und für eine nachhaltige Energieproduktion ist – auch ohne Grimsel-West – vorhanden. Alles, was es dazu noch braucht, ist der politische Wille“, sagt Hilti.

Kontakt:
Wendel Hilti, Koordinator der Atomkampagne 01 / 447 41 41