Zürich, 9. September 2010 – In Schweizer Atomkraftwerken wird Uran aus der berüchtigten russischen Wiederaufarbeitungsanlage Majak eingesetzt. Dies haben in der gestrigen Ausgabe der „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens Vertreter der AKW Gösgen und Beznau zum ersten Mal öffentlich zugegeben. Das Geständnis bestätigt Recherchen von Greenpeace Schweiz, wonach der „saubere“ Schweizer Atomstrom aus überaus dreckigen Quellen stammt. Greenpeace fordert die Schweizer Atomindustrie auf, aus ihren zweifelhaften Uran-Geschäften mit Russland auszusteigen und ihre unlautere Werbekampagne für Atomstrom abzubrechen.

Jahrelang haben die Betreiber der Schweizer AKW die Herkunft  ihres Brennmaterials verschleiert. In der gestrigen „Rundschau“ nun gaben  AKW-Betreiber erstmals zu: Die Schweizer Atomindustrie setzt in den AKW Gösgen und Beznau Brennstoff ein, der in Majak aus verbrauchtem nuklearem Brennstoff von russischen U-Booten und Eisbrechern wiederaufgearbeitet wird. Damit steht die von der Atomindustrie so gerne gerühmte „saubere“ Atomenergie“ in  einem sehr dunklen Licht.

Majak ist eine tickende Zeitbombe

Majak gilt neben Tschernobyl, wo 1986 ein Reaktor explodierte, als verstrahltester Ort der Welt. Einerseits, weil in den Fünzigerjahren ein Tank mit hoch radioaktivem Plutonium explodierte, andererseits, weil auch heute noch im laufenden Betrieb radioaktive Abwässer direkt in den Fluss Tetscha geleitet werden. Radioaktive Flüssigkeiten lagern kaum gesichert unter freiem Himmel und gefährden Wasserläufe bis hin zur arktischen See.

Die Auswirkungen der Anlage für die ansässige Bevölkerung sind verheerend: Die Krebsrate ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Der Leiter den Anlage, Vitali Sadovnikov, wurde zwar 2006 wegen Einleitung von Millionen von Kubikmetern radioaktiver Flüssigabfälle in einen Fluss, der Trinkwasser für die Anrainer liefert, verhaftet, kam aber dank einer Generalamnestie wieder frei.

Mitschuld an Umweltzerstörung und menschlichem Leid

Die  Schweizer AKW-Betreiber reden nur höchst ungern darüber, dass ihre „sicheren und sauberen“ Atomkraftwerke ohne ausländische Lieferanten und „Wiederverwerter“ nicht betriebsfähig wären. Denn der „einheimische“ Strom wird mit ausländischem Uran, französischer Technologie und russischen Helfern produziert. «Ohne die Einbindung in die internationale Atomindustrie könnten die hiesigen Atommeiler keine einzige Kilowattstunde Strom liefern», sagt Stefan Füglister, Atomexperte und Autor der Greenpeace-Studie „Recycling von Wiederaufbereitungsuran?“. «Dass die verheerendsten Umweltverbrechen an entlegenen Orten wie Majak stattfinden, entbindet die Schweizer AKW-Betreiber nicht von ihrer Verantwortung. Wer mit Partnern Handel treibt, denen schwere Umweltvergehen angelastet werden, macht sich mitschuldig.»

Nach dem jetzt vorliegenden Eingeständnis fordert Greenpeace die Schweizer AKW-Betreiber  auf, sämtliche Geschäftsbeziehungen mit den russischen Staatsbetrieben zu sistieren und ihre unlautere Werbekampagne für so genannt „sauberen Atomstrom“ aufzugeben.

Rundschau-Beitrag vom 8.9.2010

Kontakt

Stefan Füglister, Atomexperte für Greenpeace Schweiz, Tel. 079 773 19 31

Franziska Rosenmund, Medienbeauftragte Klima und Energie Greenpeace Schweiz, Tel. 044 447 41 54

 

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