In der schottischen Wiederaufarbeitungsanlage Dounreay ist es bei Bauarbeiten zu einem totalen Ausfall der Stromversorgung gekommen. Auch die Notsysteme versagten. Trotz der offensichtlichen Sicherheitsmängel setzt die Energiebranche weiter auf die Atomkraft. Weltweit stieg die Zahl der AKW 1997 auf 437 an.

Hamburg. In der Nacht zum Freitag brach das gesamte Energiesystem des atomaren Komplexes Dounreay in Schottland zusammen. Arbeiter hatten bei Erdarbeiten ein Kabel der zentralen Stromversorgung gekappt. Dabei trat ein grundsätzlicher Konstruktionsfehler zutage. Die Notstromversorgung konnte nicht in Aktion treten, da sie dasselbe Stromnetz wie die Hauptversorgung nutzt. Als Folge fiel auch das Ventilationssystem der Wiederaufarbeitungsanlage aus. Es gelang den Betreibern noch, die WAA stabil herunterzufahren. Die beiden Schnellen Brüter, die sich ebenfalls auf dem Gelände befinden, sind bereits seit geraumer Zeit aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Es stellt sich die Frage, was passiert wäre, wenn die beiden Atomreaktoren in Betrieb gewesen wären. Auch ist bislang unklar, ob die Lagerbecken für radioaktive Materialien weiterhin ständig gekühlt werden können. Erst Anfang dieser Woche hatte die schottische Umweltschutzbehörde SEPA die United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA) aufgefordert, das Radioaktivitäts-Messprogramm für ihre WAA Dounreay auf Vordermann zu bringen. SEPA monierte, die von der UKAEA im April vorgelegten Werte für gasförmige radioaktive Emissionen der schottischen WAA seien falsch berechnet worden. Zuvor war Ende April der Sicherheitschef der UKAEA, Anthony Pointer, zurückgetreten. Pointer begründete seinen Rücktritt damit, dass er wegen Personalmangels nicht mehr für die Sicherheit der Anlagen garantieren könne. Greenpeace warnt vor den unkalkulierbaren Risiken der Wiederaufarbeitung. Die weltweiten Lagerbestände an waffenfähigem Plutonium nehmen dramatisch zu. Allein in den zwei europäischen Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague sind seit Beginn dieses Jahres 2.000 kg Plutonium hergestellt worden. Fünf Kilogramm des radioaktiven Materials reichen für die Produktion einer Atombombe aus. Trotzdem wird weiter auf die Energiegewinnung aus Atomanlagen gesetzt. Nach Angaben der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) in Wien wurden im vergangenen Jahr drei Reaktoren in Frankreich und Südkorea fertiggestellt, weltweit sind jetzt 437 AKW in Betrieb. 36 Kernkraftwerke in 14 Ländern seien im Bau, teilte die Behörde am Freitag in ihrer Jahresbilanz mit. Die meisten Reaktoren entstehen den Angaben zufolge in Südkorea, China, Indien, Rußland und der Slowakei.

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