Tauben aus der Umgebung der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield sind erheblich mit Plutonium belastet. Das ergaben Laboranalysen der Universität Bremen. Im Fleisch sezierter Tauben aus Sellafield fanden die Wissenschaftler rund 30 Becquerel Plutonium pro Kilogramm, im Gefieder sogar rund 26 000 Becquerel pro Kilogramm.

Hamburg. Neben Plutonium wurde in den Tauben aus Sellafield auch radioaktives Caesium-137 sowie Americium-241 nachgewiesen, im Gefieder bis zu rund 300.000 Becquerel pro Kilogramm. Besitz oder Transport von mehr als vier solcher Tauben wäre nach deutschem Strahlenschutzrecht anzeigepflichtig. Im Umkreis der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield gibt es Hunderte dieser radioaktiven Tauben. Wahrscheinlich kommen sie innerhalb der Anlage u.a. auch mit Plutonium in Kontakt, fliegen in die Umgebung und verbreiten die hochgiftigen radioaktiven Belastungen weiträumig und unkontrolliert. Eine Übertragung radioaktiver Nuklide in die Umgebung durch andere Vögel und Tierarten, durch Staub, Wind und Regenwasser ist zu erwarten. Plutonium ist das gefährlichste Gift, das Menschen je hergestellt haben. Es entsteht in Atomreaktoren und wird zur Atombombenproduktion verwendet. Ein Millionstel Gramm kann Lungenkrebs hervorrufen. Die Halbwertzeit des häufigsten Plutonium-Isotops PU 239 beträgt ca. 25 000 Jahre. Greenpeace-Atomexperte Michael Kuehn: „Die Tauben werden auch von deutschem Atommüll radioaktiv verseucht. In der Umgebung von Sellafield ist der Strand verstrahlt, das Meerwasser belastet, Fische, Krebse und Tauben sind kontaminiert, bei Kindern ist die Blutkrebsrate erhöht. Bundesumweltministerin Merkel und die Atomkraftwerksbetreiber verharmlosen jedoch diese Tatsachen. Die gefährliche, teure und überflüssige Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken im Ausland muss sofort eingestellt werden.“ Deutschland ist zweitgrösster ausländischer Lieferant von Atommüll zur Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield, die von der Firma British Nuclear Fuels (BNFL) betrieben wird. Bisher wurden rund 600 Tonnen abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken nach Sellafield gebracht. Allein im letzten Jahr waren es 115 Tonnen. Rund 60 Tonnen deutschen Atommülls wurden in Sellafield bisher aufgearbeitet. Bis 2003 sollen weitere 400 Tonnen aus Deutschland geliefert werden. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Waggons und Transportbehälter aus Deutschland, die in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague eintrafen, stark radioaktiv kontaminiert waren. Es ist wahrscheinlich, dass auch in Sellafield verseuchte Behälter aus deutschen Atomkraftwerken ankommen. Greenpeace verlangt ein Verbot des Transports von deutschem Atommüll ins Ausland und die Einstellung der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente. Seit dem Wochenende kreuzt das Greenpeace-Schiff Beluga in der Irischen See vor Sellafield, um zum Nachweis der radioaktiven Verseuchung von Menschen, Tieren und Umwelt vor Ort Proben zu nehmen. Von Schlauchbooten aus beobachten Mitarbeiter der Firma BNFL die Greenpeace-Aktivitäten.

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