Greenpeace tritt heute an der Novartis-Generalversammlung an, um Novartis-Chef Daniel Vasella den Takt anzugeben. Rund drei Dutzend Greenpeace-Aktivisten stehen den Novartis-Aktionären Spalier und trommeln auf (leeren) Chemiemüllfässern den Chemiemüll-Blues: «Chemiemüll-Chef Dani Vasella – Totalsanierungen jetzt!» heisst es auf Transparenten, unter denen die Aktionäre durchgeleitet werden. An der eigentlichen Generalversammlung wird Greenpeace dem Novartis-Chef die Skandalserie rund um die Novartis-Chemiemülldeponien vorhalten und fordert ein sofortiges Ende der verantwortungslosen Hinhaltetaktik. Anstatt sich auf milliardenteure Firmen-Einkaufstouren zu begeben, soll Novartis schauen, dass die rostigen Chemiemüll-Fässer die Umwelt nicht vergiften. Um der Forderung nach den Totalsanierungen Nachdruck zu verleihen, will Greenpeace dem Novartis-Chef eine Probe des Chemiemülls von der Deponie Letten überbringen, von dem die Chemie behauptet, dass er ungefährlich sei.

Basel. Novartis-Chef Daniel Vasella hat
offensichtlich ein Chemiemüll-Problem: Obwohl er «persönlich davon
überzeugt ist, dass nur eine Sanierung der richtige Weg ist» (GV
2002 & 2004) schiebt er die Totalsanierungen auf die lange
Bank. Als Erklärung müssen seine Experten dienen, denen er
«vertrauen muss – und es auch tut» (GV 2004). Wie weit blindes
Vertrauen reicht, haben Vasellas Experten nun mit einer Serie von
Deponie-Skandale innert Monaten gezeigt: ein untaugliches
Sanierungsprojekt für Bonfol, der Neuwiller-Räumungsbefehl für die
Deponie Roemisloch, die Trinkwassergefährdung wegen der
auslaufenden Feldrebengrube in Muttenz und jetzt der von Greenpeace
entdeckte Giftmüll, der offen im Wald von Hagenthal liegt, obwohl
die Novartis-Experten schon seit vier Jahren Bescheid wussten
davon.

Die vier Skandale zeigen: Novartis & Co.
arbeiten schlampig und verharmlosen die Gefahren. Novartis nimmt
dabei eine akute Gefährdung von Mensch und Trinkwasser sowie die
fortdauernde Umweltverschmutzung in Kauf. Stossend bei diesen
Chemiemüll-Skandalen ist auch die grosse Unprofessionalität des
Altlasten-Managements. Sogar bei eindeutigen Befunden wie bei der
Chemiemülldeponie Le Letten, wo Greenpeace im Wald herumliegenden
Gitmüll unter freiem Himmel gefunden hat, heisst es von der Chemie,
es gäbe «keine Hinweise auf eine Gefährdung von Mensch, Tier und
Umwelt sowie des Trinkwassers». Greenpeace hat wiederholt das
Gegenteil bewiesen.

Auch auf finanzieller Ebene hat Novartis ihre
Glaubwürdigkeit verspielt. Während der Gesundheitskonzern wiederum
fette Milliardengewinne verbucht, milliardenteure Generika-Fabriken
kauft und seinen Chefmanagern exorbitante Löhne zahlt, sieht es bei
den Chemiemülldeponien mager aus: In Bonfol will Novartis entgegen
den Abmachungen die Sanierungskosten auf die öffentliche Hand
überwälzen und in der Region Basel will sie am liebsten gar nichts
unternehmen. Muss sie trotzdem etwas machen, macht sie es meist
mangelhaft. Dabei wäre das Geld vorhanden, denn
Greenpeace-Hochrechnungen besagen: Die Beseitigung der
ungesicherten Chemiemülldeponien (ohne die jurassische
Chemiemülldeponie Bonfol) kostet die beteiligten Chemiefirmen
schätzungsweise SFr. 100 Mio. Das sind weniger als 0.2% des
Novartis-Reingewinns 2004 von SFr. 6’706 Mio über 10 Jahre. Oder
man rechne: Fünf Jahressaläre von Novartis‘ Chefmanager Daniel
Vasella – und das gesamte Altlastenproblem in der Region Basel wäre
gelöst!

Nachdem sich der aufgeklärte Mediziner und
Novartis-Chef schon mit Worten für die Sanierungen engagiert hat,
soll er jetzt endlich Taten folgen lassen. Bis dann heisst es:
«Chemiemüll-Chef Dani Vasella – Totalsanierungen jetzt!»

Kontakt:

Greenpeace Chemiekampagne, Matthias Wüthrich 044 447 41 31
(umgeleitet, vor Ort)

Greenpeace Medienabteilung 044 447 41 11