Das AKW Leibstadt kann offenbar Mitte Februar wieder in Betrieb gehen. Dies obwohl die Ursache für die Brennelement-Schäden gemäss einem Bericht der «Rundschau» immer noch nicht geklärt ist. Greenpeace Schweiz verurteilt das unvorsichtige Vorgehen der Atomaufsichtsbehörde ENSI und verlangt die Veröffentlichung aller Dokumente zum Vorfall.

Das AKW Leibstadt ist seit Anfang August 2016 ausser Betrieb. Die ordentliche Revision wurde um knapp sechs Monate verlängert, weil fast 50 Brennelemente von Oxidationen – vergleichbar mit Rost – betroffen sind. Die Atomaufsichtsbehörde ENSI verlangte genauere Analysen, bevor die Anlage wieder ans Netz gehen darf. Gemäss der «Rundschau» von Fernsehen SRF hat die Behörde nun die Freigabe für die Kernbeladung erteilt, das grüne Licht für eine Wiederinbetriebnahme per Mitte Februar erscheint nur noch als Formsache. Der Entscheid erfolgte offenbar ohne zu wissen, was die Oxidationen bzw. die unzureichende Kühlung der Brennelemente («Dryout») verursacht hat.

Einzigartiges Schadensausmass

«Solange man im Dunkeln tappt, sollte eine Wiederinbetriebnahme nicht in Frage kommen», sagt Florian Kasser, Atomexperte bei Greenpeace Schweiz. Wie das ENSI selbst mitteilte, wurde das Problem aber bereits im Sommer 2015 entdeckt. Gemäss Aussagen von Leibstadt-Kraftwerksleiter Andreas Pfeiffer im Rundschau-Beitrag ist der Grund für die Schäden noch immer nicht geklärt, trotz anderthalbjähriger Suche.

«Das ENSI handelt sehr unvorsichtig, denn das Ausmass dieses Problems ist weltweit einzigartig», ergänzt Kasser. Diese «Weltpremiere» hat Pfeiffer im Fernsehbeitrag bestätigt. Damit gibt es keine Erfahrungswerte, auf deren Basis die Aufsichtsbehörde eine Wiederinbetriebnahme-Erlaubnis für Leibstadt rechtfertigen kann. «Die angekündigte Leistungsreduktion mag das Problem entschärfen, behoben ist es damit kaum», meint Greenpeace-Atomexperte Kasser. Die AKW-Betreiberin hat angekündigt, dass die Leistung von Leibstadt um 120 Megawatt gesenkt wird – das entspricht einer Reduktion um 10 Prozent.

Situation falsch eingeschätzt

Offensichtlich haben sowohl die Betreiberin als auch die Atomaufsicht Fehler gemacht und die Situation falsch eingeschätzt. Greenpeace Schweiz verlangt die Veröffentlichung aller Dokumente, die dem ENSI in dieser Sache vorliegen. Die von den Oxidationen betroffenen Brennelement-Hüllen stellen eine wichtige Schutzbarriere dar und dürfen keine derartigen Schäden aufweisen. Deren Versagen würde das Risiko von Freisetzungen von radioaktiven Schadstoffen in die Umwelt beträchtlich steigern.

Für weitere Auskünfte:
Thomas Mäder, Medienverantwortlicher Greenpeace Schweiz, 044 447 41 71, thomas.maeder@greenpeace.org