Die Axpo präsentiert erneut ein trübes Jahresergebnis. Wegen der tiefen Energiepreise steht die Rentabilität des Stromproduktions-Sektors des Energiekonzerns stark unter Druck. Die Probleme sind hausgemacht. Mit «Axpo Solutions» strebt der Energiekonzern nun ein Bad-Bank-Modell an. Greenpeace Schweiz fordert deshalb die Kantonsvertreter im Axpo-Verwaltungsrat auf, die schlechten Anteile der Axpo nicht den SteuerzahlerInnen aufzubürden und den Konzern endlich von seiner fatalen AKW-Abhängigkeit zu kurieren.

Fünf Milliarden Wertberichtigungen in den letzten vier Geschäftsjahren, die Kraftwerke Linth-Limmern, Beznau 1 und Leibstadt nicht am Netz, ein schrumpfendes Eigenkapital – die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Entsprechend düster sieht es für die Axpo finanziell aus. Nach dem heute bekannt gegebenen Minus von 1,25 Milliarden Schweizer Franken im laufenden Jahr müssen sich die Axpo-Aktionäre auf weitere magere Jahre einstellen.

An den Problemen ist aber nicht, wie oft postuliert, die Energiewende-Politik des deutschen Nachbars schuld. Bei der Axpo fehlt nach wie vor eine aktualisierte Eigentümerstrategie der Kantone [1] – die letzte stammt aus dem Jahr 2008. Die früher ausgeschütteten Dividenden fehlen den kantonalen Staatshaushalten. «Der SVP- und FDP-dominierte Kern des Axpo-Verwaltungsrats ist mit ein Grund dafür, dass die Axpo an Ort verharrte, statt konsequent in die Energiewende zu investieren», meint Stefan Füglister, Atomexperte für Greenpeace Schweiz.

Atomgeschäfte bleiben im Dunkeln

Ein Grund für das schlechte Betriebsergebnis sind die ungeplanten Stillstände von Beznau 1 (seit Juli 2015) und Leibstadt (seit August 2016). An dieser Situation wird sich nicht viel ändern: Beznau geht nicht vor Frühling wieder ans Netz, Leibstadt plant eine zusätzliche, verlängerte Revision von 2 Monaten (ab September 2017). Mit beinahe 23 TWh entfallen (bei Normalbetrieb aller AKW) etwa zwei Drittel der gesamten Stromproduktion der Axpo auf Atomenergie. Genaue Zahlen der Sparte Atomkraft werden nicht ausgewiesen. Wegen der unzulänglichen Datenverfügbarkeit ist ihr Anteil am Verlustgeschäft schwer zu beziffern. Ob etwa – wie stets behauptet wird – in Beznau tatsächlich ein Deckungsbeitrag an die Kosten herausspringt, ist nicht belegt.

«Axpo Solutions» als Entziehungskur?

Wenn es noch einen Geschäftsbereich gibt, der rentiert, dann sind es Anlagen in erneuerbare Energie im Ausland und der Stromhandel. Die Bündelung von lukrativen Geschäftsfeldern wie den Erneuerbaren in einer neuen Einheit «Axpo Solutions» kann ein Anfang sein, lässt aber die Frage offen, was mit dem alten, unrentablen Atomgeschäft geschieht. «Es darf nicht sein, dass die Axpo mit der neuen Unternehmenseinheit Neuinvestoren lockt, aber die Schulden Kantonen und Steuerzahlenden überlässt», sagt Atomexperte Füglister. «Ohne klare Zäsur – wie einem zeitlich verbindlichen Ausstieg aus der Atomenergie – bleibt das alles Stückwerk.» Der Anschluss an Europa ist nicht mit alten Atomkraftwerken herzustellen.


Für weitere Informationen:

Stefan Füglister, Atomexperte für Greenpeace Schweiz, 079 773 19 31
Thomas Mäder, Medienverantwortlicher Greenpeace Schweiz, 044 447 41 74, thomas.maeder@greenpeace.org

Weiterführende Dokumente:

Finanzanalyse der Axpo-Gruppe (Profundo, 2015)
Bericht zur mangelhaften Steuerung der Axpo (Füglister, 2015)


[1] Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat für heute Nachmittag eine Medienkonferenz zum Thema «Eigentümerstrategien EKZ und Axpo» angekündigt – Greenpeace Schweiz ist gespannt auf das Resultat.