Die Atomindustrie liest wieder einmal im Kaffeesatz: 62 Milliarden Franken soll der Ausstieg aus der Atomenergie kosten. Nützlicherweise „vergessen“ haben die Atom-Orakler allerdings, dass die Schweiz riesige Strom-Überschüsse produziert, die ins Ausland exportiert werden. Unter den Tisch gekehrt wurden auch sämtliche Risiken der Atomtechnologie – die so unwägbar und teuer sind, dass keine Versicherung den Kopf hinhalten will. Greenpeace fordert den Bundesrat auf, endlich eine Studie über die Kosten einer unbeschränkten Haftung der riskanten Atomtechnologie zu erstellen.

Zürich. Darf’s ein bisschen mehr sein? Vor einigen Jahren kostete der Ausstieg aus der Atomenergie noch knappe 30 Milliarden Franken. Dies hatte Hans R. Gubser von den Nordostschweizerischen Kraftwerken NOK im Auftrag des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätswerke ausgerechnet. Letztes Jahr präsentierte die Atomlobby bereits die nächste Studie zum Ausstieg und kam auf satte 40 Milliarden. Und heute orakeln sich die Herren der Atomkraft in neue Höhen: 62 Milliarden soll der Ausstieg kosten. Das darf doch nicht wahr sein. Ist es auch nicht. In Europa besteht ein Überangebot an Kraftwerkskapazitäten (1999 rund 35 Mal die Leistung des AKW Gösgen). Die Schweiz selbst exportierte in den letzten Jahren per saldo mindestens einen Drittel ihres AKW-Stroms (Beznau I + II zusammen mit Mühleberg). Lukrativ ist das Geschäft mit dem Atomstrom im Zeitalter der Strommarktliberalisierung längst nicht mehr: Die SBB und die Rätia Energie etwa wollen ihre Atomkraftbeteiligungen loswerden, doch niemand hat Lust darauf, sie zu übernehmen. Die willkürliche Zahlenklauberei der Atomlobby hat System: Während sämtliche Kostenfaktoren für einen Ausstieg akribisch aufgelistet wurden, drücken die Gutachter bei den Kosten, die auf Seiten der Atommeiler entstehen, beide Augen zu. Die Frage, wie tief die Schweizer Bevölkerung in die Tasche greifen muss, um die Lagerung der Atommüllberge zu bezahlen, war nicht der Rede wert. Und die Kosten eine unbeschränkte Haftung für die Risiken der Atomtechnologie, fehlen in der Betriebskostenrechnung vollends. Jede Diskussion über einen Ausstieg aus der Atomenergie ist ohne Kostenaufstellung, wie teuer uns das Risiko Atomstrom zu stehen kommt, unvollständig. Greenpeace fordert den Bundesrat im Hinblick auf die Initiativen „Strom ohne Atom“ und „Moratorium+“ auf, die Riskokosten der Atomtechnologie in seine Berechnungen aufzunehmen. Aus dem Umgang mit Medikamenten haben wir gelernt, wie mit Weissagungen der Industrie zu verfahren ist: Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder konsultieren sie eine Fachkraft von Greenpeace.

Kontakt:

Tschoff Löw, Greenpeace Atomkampagne 01 / 447 41 25

Greenpeace Medienabteilung 01/ 447 41 11