Vor zwei Jahren verpflichtete Greenpeace den indonesischen Papierkonzern APP zu umfangreichen Zusagen. Die Bilanz: Regenwaldzerstörung eingedämmt, soziale Konflikte ungelöst.

Vor zwei Jahren verpflichtete Greenpeace den indonesischen Papierkonzern APP zu umfangreichen Zusagen. Die Bilanz: Regenwaldzerstörung eingedämmt, soziale Konflikte ungelöst.

Dienstag, 10. Februar 2015

© Markus Mauthe / Greenpeace

 

Es war eine nervenaufreibende Kampagne, die Greenpeace drei Jahre lang gegen den grössten indonesischen Konzern Asia Pulp and Paper (APP) führte. Doch sie hat sich gelohnt: Im Februar 2013 stoppte der Zellstoff- und Papierproduzent die Rodung von Regenwaldflächen, zog die Bulldozer aus seinen Wirtschaftsgebieten ab. In den folgenden Monaten beobachtete Greenpeace APP genau. Und stellte fest, dass das Unternehmen es ernst meint mit dem Regenwaldschutz.

Zwei Jahre ist das nun her – Zeit für ein Fazit: Ist die Heimat von Orang-Utans und Sumatra-Tigern wirklich geschützt? Die Bilanz veranlasste APP selbst. Das Unternehmen beauftragte den unabhängigen Zertifizierer Rainforest Alliance, mehrere Monate lang vor Ort zu prüfen, ob und wie APP sein Aktionsprogramm bislang umsetzte. Den Bericht veröffentlichte Rainforest Alliance nun in der indonesischen Hauptstadt Jakarta.

Direkte Zulieferer von APP stoppen Waldrodung

Der Report kommt zu dem Ergebnis: Der Fortschritt variiert in den unterschiedlichen Bereichen der Zusagen. Positiv ist zu vermelden, dass alle Zulieferer von APP die Regenwaldzerstörung, den Bau von Entwässerungskanälen auf Torfböden und den Transport von Baumstämmen aus Regenwäldern zu den Zellstoffwerken von APP gestoppt haben. Rainforest Alliance bestätigt, dass der Konzern in seinen indonesischen Zellstoffwerken nur Plantagenfasern verarbeitet. Hier erfüllt er also seine Zusagen.

Doch der Bericht dokumentiert auch: In den Wirtschaftsgebieten von APP-Zulieferern wird weiterhin Wald zerstört – nicht von den Zulieferern selbst, aber von anderen Firmen.

Schutz der Torfmoorböden 

Als Reaktion auf den Rainforest-Alliance-Report will APP beim Umsetzen seiner Zusagen nachbessern. So will das Unternehmen die Umwandlung von Wald zu Plantagen auch durch Drittfirmen stoppen – ein Schritt, der auch die dringend notwendigen Lösungen zahlreicher sozialer Konflikte näherbringen würde.

Auch den Schutz von Torfmoorböden will APP vorantreiben. Die Böden speichern grosse Mengen Kohlenstoff und sind deshalb immens wichtig für das weltweite Klima. Der Konzern wird mehr als vier Millionen Hektar der Torfböden mit moderner Fernlaser-Technologie analysieren lassen; die Ergebnisse dienen Torfmoorexperten als Basis, Empfehlungen für den Schutz, die Renaturierung und das Management von Torfböden auszusprechen.

Konkurrent April vernichtet weiterhin Regenwald

Auch wenn noch einiges nachgebessert werden muss: APP, davon ist Greenpeace überzeugt, ist weiterhin auf dem richtigen Weg – im Gegensatz zu seinem Konkurrenten April. Denn der zweitgrösste Papierkonzern Indonesiens setzt weiterhin auf Regenwaldzerstörung. Noch bis 2020 will das Unternehmen zehntausende Hektar Wald in Plantagen zur Zellstoffproduktion umwandeln, das geht aus der Anfang 2014 von April veröffentlichten, extrem schwachen Wald-Policy hervor. Recherchen von Greenpeace und indonesischen Nichtregierungsorganisationen dokumentierten bereits mehrfach die fortdauernde Waldzerstörung und die illegale Trockenlegung tiefer Torfmoore. Deshalb rät Greenpeace dringend davon ab, Papier von April zu verwenden.

Doch weder verbesserungswillige Papierkonzerne wie APP, noch die indonesische Regierung können die Regenwaldzerstörung allein stoppen. Alle Industriezweige, die dafür verantwortlich sind – darunter vor allem die Palmölindustrie –, müssen Verantwortung übernehmen: Für die Schäden, die sie der Umwelt, den Menschen und Tieren in Indonesien zugefügt haben, und für ihr derzeitiges Handeln. Und obgleich die positiven Signale aus Wirtschaft und Politik wichtig sind: Sie müssen im Wald und bei den Menschen ankommen.

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