Die US-Administration hat den Weg für Shells Ölbohrungen an der Küste Alaskas freigemacht. Das kann unabsehbare Folgen für das fragile Ökosystem in der Arktis haben.

Die US-Administration hat den Weg für Shells Ölbohrungen an der Küste Alaskas freigemacht. Das kann unabsehbare Folgen für das fragile Ökosystem in der Arktis haben.


Massenproteste gegen Shells Arktis-Pläne in Seattle.

 

Shell will diesen Sommer vor Alaska nach Öl bohren. Der niederländisch-britische Ölkonzern schielt schon länger auf die Ölvorkommen der Arktis. Erschreckenderweise hat die US-Administration den Plänen nun grünes Licht erteilt. Allerdings fehlen noch Bewilligungen, um die hochriskanten Arbeiten zu starten.

«Immer wieder kommt es bei Ölbohrungen zu schweren Unfällen», sagt Nadine Berthel, Greenpeace-Expertin für die Arktis. «Deshalb müssen die eisigen Gewässer der Arktis vollständig vor Ölbohrungen bewahrt werden. Shells geplante Ölsuche in der Tschuktschensee ist unverantwortlich.»

Genehmigungen für Arktis-Bohrungen trotz Unfallgefahr

Im Jahr 2012 kam es bei Shells Arktisprojekt zu mehreren schweren Pannen und Unfällen vor der Küste Alaskas. Danach musste der Konzern in den vergangenen zwei Jahren seine Probebohrungen aussetzen. Dies lag unter anderem an einem Urteil eines US-Berufungsgerichts in San Francisco. Durch das Urteil wurde das US-Innenministerium angewiesen, die für die Tschuktschensee vor Alaska ausgestellte Lizenz für Öl- und Gasbohrungen («lease 193») erneut zu überprüfen. Diese Lizenzvergabe wurde kürzlich als rechtmässig bestätigt.

Die jetzt erteilte Bewilligung ist nicht nachvollziehbar. Denn sollte Shell in der Tschuktschensee Öl finden und mit der Förderung beginnen, schätzt die US-Regierung selber die Wahrscheinlichkeit für einen oder mehrere schwere Unfälle während des vorgesehenen Förderzeitraums von 51 Jahren auf 75 Prozent! 

Shells Arktis-Projekt: eine Pannenserie

Shell hat bereits sechs Milliarden US-Dollar in das Arktis-Projekt investiert. Der Konzern startete 2012 mit sogenannten Erkundungsbohrungen, um die vermuteten Reserven zu erschliessen. Geplant waren insgesamt zehn Bohrungen in zwei Jahren. Für sein Vorhaben hatte Shell im hohen Norden eine Bohrplattform, die Kulluk, und ein Bohrschiff, die Noble Discoverer, vorgesehen. Die Bohrungen sollten Anfang Juli 2012 beginnen.

Doch aus Shells Plänen wurde nichts. Widrige Wetterbedingungen, fehlende Genehmigungen und ein katastrophales Management führten dazu, dass Shell 2012 keine einzige Ölbohrung durchführen konnte. Die Pannenserie des Konzerns zeigt, wie gefährlich seine Arktispläne sind.

Im April hatten Greenpeace-ArktisschützerInnen aus den USA, aus Deutschland, Neuseeland, Australien, Schweden und Österreich Shells Pläne öffentlich gemacht. Sie besetzten tagelang die 38’000 Tonnen schwere Bohrinsel «Polar Pioneer», die sich derzeit auf dem Weg in die Arktis befindet und dem Schweizer Konzern Transocean gehört. Mit ihr will Shell ab Sommer die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung und seltener Tierarten zu bedrohen. Der heutige US-Entscheid läutet eine neue Runde unseres Protestes gegen diesen Irrsinn ein.

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