Plastik in frischem Fisch klingt unappetitlich, kommt aber oft vor. Denn die Kosmetik-Hersteller mischen ihren Produkte immer mehr feinste Plastikteilchen (Mikroplastik) bei. Die Inhaltsstoffe von Zahnpasta oder Peeling-Creme gelangt in die Nahrungskette.


Mittwoch, 28. September 2016 © Fred Dott / Greenpeace

Peeling-Creme mit «Mikroperlen» und Zahnpasta mit «Reinigungskristallen»: Was in den Produktbeschreibungen wie Wundermittel gegen Hautschuppen und Zahnverfärbungen klingt, sind meist nichts anderes als winzige Plastikpartikel. Kläranlagen können sie aufgrund ihrer geringen Grösse oft nicht aus dem Abwasser filtern; sie landen schliesslich in den Flüssen und Meeren. Aber auch grössere Plastikteile wie Verpackungen oder Flaschen, die sich in der Umwelt zu Mikroplastik zersetzen finden sich unseren Ozeanen.

Ein neuer Greenpeace-Report zeigt, dass Fische und andere Meeresbewohner die kleinen Plastikteilchen fälschlicherweise für Nahrung halten – oder auch bereits mit Plastik belastete Meeresorganismen fressen. So reichert sich Mikroplastik möglicherweise in der Nahrungskette an – und wird zur Gefahr für Meer und Mensch. Denn die winzigen Partikel binden wie kleine Schwämme Schadstoffe aus der Umwelt. Gleichzeitig werden im Wasser giftige Chemikalien, wie zum Beispiel Weichmacher oder Flammschutzmittel, aus Mikroplastik freigesetzt.

Fisch frisst Plastik, Mensch isst Fisch

Der Greenpeace-Report trägt aktuelle Forschungsergebnisse zu Mikroplastik in Fisch- und Meeresfrüchten zusammen. In verschiedenen Feldstudien fanden Wissenschaftler Plastikpartikel in unterschiedlichen Arten von Fischen, Krusten- und Schalentieren – von Thunfischen über Makrelen bis hin zu Garnelen und Muscheln. In der Nord- und Ostsee zum Beispiel wiesen fast sechs Prozent der untersuchten Fische Plastikrückstände auf. Laut einer weiteren Studie sind 86 Prozent der norwegischen Hummer, die vor Westschottland gefangen wurden, mit Mikroplastik belastet. Für Meerestiere wird die unnatürliche Futterbeilage zum Problem. Entzündungen im Darm oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung sind mögliche Folgen.

Landen die belasteten Fische und Meeresfrüchte beim Menschen auf dem Teller, könnte deren Verzehr durchaus bedenklich sein. Bei Schalentieren, wie zum Beispiel Muscheln, von denen das gesamte weiche Fleisch verzehrt wird, würden die Plastikpartikel einfach mitgegessen – schlimmstenfalls mitsamt den angedockten Giftstoffen. Inwieweit dadurch Gesundheitsrisiken entstehen, lässt sich allerdings nicht abschliessend beurteilen: Die Forschung zu Mikroplastik im Meer steht noch am Anfang.

Politik in der Pflicht

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Politik Zeit lassen darf. Gerade weil die Auswirkungen nicht ausreichend erforscht und als unbedenklich erwiesen sind, sollten schnell konkrete Massnahmen ergriffen werden. «So lange Ausmaß und Folgen der Mikroplastikbelastung in unseren Meeren nicht bekannt sind, muss unbedingt das Vorsorgeprinzip angewandt werden», sagt Dr. Sandra Schöttner, Meeresbiologin und Greenpeace-Expertin für Ozeane. «Um das Risiko für Mensch und Umwelt gering zu halten, brauchen wir dringend gesetzliche Lösungen.»

Zwar hat sich die Kosmetikindustrie zum Verzicht auf Mikroplastik verpflichtet, jedoch sind ihre Massnahmen unzureichend. Deshalb müssen gesetzliche Vorgaben her, um Mikroplastik aus Verbrauchsgütern zu verbannen. Die sind ohnehin leicht zu ersetzen, denn natürliche Alternativen gibt es viele: Gemahlene Nussschalen oder mineralische Stoffe wie Salzkristalle, Tonerde und Kreide haben einen ähnlichen Effekt wie die Plastikperlen. Diese Ersatzstoffe würden den Meeresbewohnern viel unappetitliche Plastiknahrung ersparen – und Menschen und Umwelt vor möglichen Risiken schützen. Wie Sie Plastik in Kosmetik vermeiden können, zeigt Ihnen unsere praktische kleine Einkaufshilfe im Visitenkartenformat. 

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