Seit Jahren ruft Greenpeace die Textilbranche dazu auf, ihre Produktion zu entgiften. Einige PFC-Chemikalien können gesundheitliche Auswirkungen haben. Davon betroffen sind AnwohnerInnen von Fabriken, die diese herstellen.



Montag, 14. November 2016 © Francesco Alesi / Greenpeace

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) kommen in zahlreichen industriellen Verfahren und in Konsumgütern zur Anwendung. Sie spielen eine prominente Rolle bei der Herstellung von wasserdichten und schmutzabweisenden Oberflächenbehandlungen in der Outdoor-Bekleidungs-Industrie. Auch die Schweizer Marke Mammut setzt (noch) auf sie. Einzelne Firmen haben sich bewegt und lassen PFC-frei produzieren.

PFC können gefährlich sein für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Einige davon können das Immunsystem beeinflussen, hormonaktiv wirken oder werden sogar mit Krebs in Verbindung gebracht. PFC werden auf natürlichem Weg nur sehr langsam abgebaut. Einmal freigesetzt bleiben sie jahrelang in der Umwelt und werden von Winden über die ganze Welt verteilt. Auch MitarbeiterInnen in Sportläden sind betroffen.

Gesundheitsrisiko für Anwohner

Chemiefirmen hatten in Nähe ihrer PFC-Produktionsstätten Wasser und Luft verschmutzt. Die weltweit bekannteste Stätte befindet sich unweit der Produktionsanlagen des Konzerns DuPont im Mid-Ohio Valley (Ohio-West Virginia, USA). Der Chemiekonzern verwendete während Jahrzehnten die gefährliche und langlebige PFC-Chemikalie PFOA zur Herstellung von Teflon. Der Verbrauch erreichte in den 1990er-Jahren den Höchststand. Obwohl sich DuPont verpflichtet hat, die Fabrikemissionen von PFOA und verwandten Chemikalien sowie die in Produkten enthaltenen Restmengen bis 2010 um 95% zu senken und bis 2015 vollständig zu eliminieren, sind sie noch immer im Trinkwasser bzw. im Blut der lokalen Bevölkerung nachweisbar. Die individuelle PFOA-Konzentration variiert mit der Entfernung des Wohnortes von der chemischen Fabrik. In Studien wurde PFOA-Belastung mit Nieren- und Hodenkrebs in Verbindung gebracht, ein Zusammenhang wird auch bei Prostatakrebs, Eierstockkrebs und Non-Hodgkin-Lymphom diskutiert. In der chinesischen Provinz Shandong präsentiert sich ein ähnliches Bild. Im Oberflächenwasser und im Staub rund um die Firma Dongyuechem, eine der grössten Herstellerinnen von PTFE des Landes, wurden hohe Konzentrationen PFC-Chemikalien gefunden. Das ist für viele dort lebende Menschen, insbesondere für Kleinkinder, ein Gesundheitsrisiko.

Verschmutzung auch in Europa

Doch so weit muss man nicht reisen, um die PFC-Verschmutzung zu dokumentieren. Sie ist auch in den grossen europäischen Produktionsstätten – in Dortrecht/Niederlanden und im Veneto/Italien – nachweisbar. Alarmierende Blutwerte bei einzelnen AnwohnerInnen haben die niederländischen Gesundheitsbehörden auf den Plan gerufen. Nun wollen sie herauszufinden, ob die BewohnerInnen im Umkreis der DuPont/Chemours Werke in der Region Dordrecht, Sliedrecht und Papendrecht gegenüber einer Kontrollgruppe generell erhöhte PFOA-Werte im Blut aufweisen. Die Resultate werden für Mitte April 2017 erwartet. Das italienische Umweltministerium seinerseits wies im Oberflächenwasser und Trinkwasser der Region Veneto im Nordosten des Landes ebenfalls PFC-Chemikalien nach. 97% der lokalen PFC-Verschmutzung sind laut Umweltbehörden auf eine einzige Quelle zurückzuführen: eine Abwasserreinigungsanlage, die von zahlreichen Industriebetrieben gespeist wird. Neben diversen Gerbereien gehört auch das Chemie-Unternehmen Miteni dazu, das auf fluorierte Zwischenprodukte für verschiedenste Anwendungen spezialisiert ist — unter anderem wasserabstossende Behandlungen für Textilien und Leder.

Einige PFC stellen ein gesundheitliches Risiko dar. Im Rahmen der Detox-Kampagne ruft Greenpeace die Hersteller und Markenfirmen auf, ihre Produktion zu entgiften und künftig PFC-frei zu produzieren.

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