Die Schöpfer des genmanipulierten Vitamin-A-Reises versprechen den Armen der Dritten Welt in einer breitangelegten Propaganda-Kampagne Rettung vor Blindheit und Tod. Das ist Zynismus in Reinkultur: Greenpeace hat die offiziellen Zahlen, die von den Genforschern selbst stammen, nachgeprüft und ist zu einem schockierenden Resultat gekommen: Eine Frau müsste pro Tag sage und schreibe 3,75 Kilo Gentech-Reis essen (Trockengewicht!), wenn sie damit ihren Vitamin-A-Bedarf decken will. Greenpeace protestiert heute am Syngenta-Hauptsitz in Basel dagegen, dass Arme und Kranke in der Dritten Welt missbraucht werden, um die Akzeptanz der Gentechnologie zu erhöhen. Syngenta vermarktet den Gentech-Reis.

Basel. Der Gehalt an Provitamin A, den die Forscher im Vitamin-A-Reis erreicht haben genüge, um «die Mindestdosis an Provitamin A sicherzustellen, und so die Entwicklung von irreversibler Blindheit zu verhindern, (…) jede Verzögerung der Markteinführung des Gentech-Reises lässt jeden Monat 50’000 Kinder erblinden.» Dies sagt Adrian Dubock, Vertreter des Schweizer Agro-Riesen Syngenta, der den «Golden Rice» vermarktet. Ingo Potrykus, der Schöpfer des Vitamin-A-Reises stösst ins gleiche Horn: «Wir können Millionen Leben retten» schreibt er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (22. Januar 2001). Die Wahrheit sieht allerdings völlig anders aus. Greenpeace hat die Zahlen, die Ingo Potrykus selbst nennt, anhand von WHO-Empfehlungen überprüft. Das Resultat ist eindeutig und an Zynismus nicht zu überbieten: Eine Frau müsste 3,75 Kilo Vitamin-A-Reis essen (Trockengewicht), um ihren Bedarf zu decken, ein Kind 3 Kilo – jeden Tag. Ginge man von einer realistischen Tagesration von 300 Gramm Reis aus, deckte der hochgejubelte «Golden Rice» gerade magere 8 % des Tagesbedarfs einer Frau ab. «Wir haben ihre Zahlen wieder und wieder durchgerechnet», sagt Bruno Heinzer, Gentech-Experte von Greenpeace Schweiz. «Und kamen immer wieder zum Schluss dass die Behauptungen der Gentech-Propaganda um mindestens den Faktor 12 zu hoch gegriffen sind!» Greenpeace wirft Syngenta und den beteiligten Forschern Potrykus und Beyer bewusste Irreführung der Öffentlichkeit vor, um die umstrittene Gentechnologie salonfähig zu machen. Vitamin-A-Reis, nach Potrykus «Beweis für die segensreiche Wirkung der Gentechnik» führt direkt in die Sackgasse. Es gibt keine schnellen «Wunderlösungen» gegen Vitamin-A-Mangel, da die Wurzel des Problems in der Armut liegt. Die einzige langfristige Lösung ist eine echte Bekämpfung der Armut in den Drittweltländern und der gesicherte Zugang zu ausgewogenem und gesundem Essen in genügender Menge. Kurzfristige Massnahmen gegen Vitamin-A-Mangel bilden eine direkte Vitaminabgabe und herkömmlich vitaminisierte Lebensmittel sowie eine Erleichterung des Zugangs zu natürlichen Vitamin-A-Quellen wie Palmöl. Solche FAO/WHO-Programme laufen bereits mit grossem Erfolg in 70 Ländern. In Vietnam, Indonesien und den Philippinen sind bereits keine Zeichen von Vitamin-Mangel-Erkrankungen mehr feststellbar.


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Bruno Heinzer, Gentech-Experte Greenpeace Schweiz 079 / 400 88 31
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