Basel/Brüssel, 29. April 2014 – An den heutigen Generalversammlungen von Syngenta und Bayer verlangte eine europaweite Allianz zum Schutz der Bienen und der Landwirtschaft, dass die agrochemischen Konzerne ihre Rolle beim globalen Bienensterben eingestehen und aufhören, die durch die in der EU und der Schweiz verordneten Gesetze gegen die bienenschädlichen Neonicotinoid-Pestizide, zu torpedieren.

Nachdem eintreffende Aktionäre mit Flugblättern und Broschüren über die andauernde Bestäuber- und Landwirtschaftskrise begrüsst wurden, sprechen Vertreter der Allianz zum Schutz der Bienen und der Landwirtschaft [1] die Präsidenten der Unternehmen innerhalb der Generalversammlungen direkt an. Michel Demaré (Syngenta) und Marijn Dekkers (Bayer) werden mit ihrer Rolle im Zusammenhang mit dem Bienensterben konfrontiert und aufgefordert, die Vermarktung von bienenschädlichen Pestiziden einzustellen. Anstatt die destruktiven, chemieintensiven Methoden der industriellen Landwirtschaft zu fördern, verlangen Imker zusammen mit Greenpeace und anderen Organisationen von ihnen, dass sie eine ökologische Landwirtschaft ermöglichen. [2]

In seiner Ansprache anlässlich der Generalversammlung von Syngenta sagte Francesco Panella, Leiter der Delegation und Präsident der BeeLife European Beekeeping Coordination: « Es ist beleidigend, wie Syngenta, Bayer und BASF versuchen, Imker wie uns zu überzeugen, dass das Bienensterben durch die Varroamilbe, eine schlechte Ernährung oder irgendeinen anderen Faktor ausserhalb ihrer eigenen Verantwortung verursacht wird. Gleichzeitig verkaufen sie weiterhin Bienenkiller-Pestizide und greifen EU-Bestimmungen an, die dem Schutz der Bienen dienen. Das ist heuchlerisch, eigennützig und kurzsichtig. Es ist Zeit, vom aktuellen chemieintensiven Landwirtschaftsparadigma zu einem zu wechseln, das mit Biodiversität und Bienenschutz im Einklang steht. »

Ebenfalls an der Syngenta-Generalversammlung anwesend, fügt Marianne Künzle, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Schweiz, hinzu: « Für diese Agrochemie-Konzerne sind die schlimmsten Bienengifte die absoluten Kassenschlager. Entsprechend bekämpfen sie das befristete europaweite Teil-Verbot . Sie repräsentieren das scheiternde System einer chemieintensiven Monokulturen-Landwirtschaft, die zu einem Verlust der Artenvielfalt und lebenswichtiger ökologischer Funktionen wie der Bienenbestäubung führt. Doch immer mehr Menschen stellen sich gegen dieses chemieintensive Landwirtschaftsmodell und fordern eine Umstellung hin zu ökologischen Praktiken, die auf gesunde Lebensmittel für künftige Generationen setzen. Greenpeace und die Allianz zum Schutz der Bienen und der Landwirtschaft stehen heute hier, in ihrem Namen. Wir fordern Bayer, Syngenta und BASF auf, ihre Angriffe auf die von der EU und der Schweiz verordneten Neonicotinoid-Teilverbote einzustellen und ihr Geschäftsmodell, das inakzeptable Schäden an Bienen, Menschen und dem Planeten verursacht, einzustellen. »

Um die Teilverbote zu torpedieren, greifen die Agrochemie-Konzerne gerne zu aufgebauschten Zahlen und panikschürenden Argumenten – darunter Behauptungen zu drastischen Ertragseinbrüchen und folgenschweren Arbeitsplatzverlusten in Europa. Um diese faule PR-Strategie zu entlarven, veröffentlicht Greenpeace heute den Bericht «Corporate Science Fiction», eine kritische Beleuchtung der Strategien, die Bayer und Syngenta anwenden, um die wissenschaftliche, politische und öffentliche Debatte über die Neonicotinoid-Pestizide zu beeinflussen. [3]

Weitere Informationen sowie den Report auf Englisch finden Sie auf: www.greenpeace.ch/CorporateScienceFiction

Marianne Künzle – Landwirtschafts-Kampagne Greenpeace Schweiz: 079 410 76 48,

Francesco Panella – Imker und Präsident von BeeLife European Beekeeping Coordination (IT/FR): +39 335 627 94 01

Natalie Favre – Greenpeace Schweiz Mediensprecherin, 079 197 96 91,

 

Anmerkungen

 [1] Die Allianz zurm Schutz der Bienen und der Landwirtschaft (Alliance to Save the Bees and Agriculture) setzt sich aus mehr als 50 europäischen Imker- und Bauernvereinigungen, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, Konsumenten und Slowfood-Gruppierungen wie auch unabhängigen Forschungsinstituten zusammen (Vgl. http://publiceye.ch/en/about-the-public-eye-awards/nominating-organisations/#syngenta).

Sie wurde für die Nominierung von Bayer, Syngenta und BASF für den Public Eye Award 2014 gegründet (Vgl. Informationen zum Beekiller-Fall unter http://publiceye.ch/en/case/syngenta-bayer-basf).

[2] Eine ökologische Landwirtschaft stellt eine nachhaltige Lebensmittelproduktion und eine gesunde Ernährung für heute und morgen sicher, indem die Erde, Wasser und das Klima geschützt werden, Biodiversität gefördert und die Umwelt nicht mit chemischen Substanzen und genetisch veränderten Organismen kontaminiert wird.

 [3] Greenpeace 2014: «Corporate Science Fiction – A critical assessment of a Bayer and Syngenta funded HFFA report on neonicotinoid pesticides» veröffentlicht unter www.greenpeace.ch/CorporateScienceFiction.