Hier ein so berührender wie schockierender Bericht von der Kletteraktion am Gazprom-Bohrinsel. Die 21-jährige Kletteraktivistin Camila Speziale aus Argentinien erzählt, wie sie die Aktion am Donnerstag miterlebte. Sie wird wahrscheinlich immer noch an Bord der Arctic Sunrise gefangen gehalten.

Hier ein so berührender wie schockierender Bericht von der Kletteraktion am Gazprom-Bohrinsel. Die 21-jährige Kletteraktivistin Camila Speziale aus Argentinien erzählt, wie sie die Aktion am Donnerstag miterlebte. Sie wird wahrscheinlich immer noch an Bord der Arctic Sunrise gefangen gehalten.

Heute morgen um 4 Uhr früh habe ich meine Mit-Kletterer umarmt und ihnen viel Glück gewünscht, bevor wir von der Arctic Sunrise losfuhren, um die Ölplattform Prirazlomnaya von Gazprom zu besetzen.

Es war ein furchteinflössender Moment für mich, als ich in vollkommener Dunkelheit in das Schlauchboot sprang; ich wusste, dass die Russische Küstenwache bereits auf uns wartete. Sie verfolgten uns bereits seit Montag und beobachteten jede unserer Bewegungen. In der Ferne erkannte ich die riesigen Wasserwerfer.  Aber wir hatten eine Mission: wir waren fest entschlossen, zu  verhindern, dass weltweit das erste Mal Öl aus den eisreichen arktischen Gewässern gewonnen wird.

GERAMMT

Es dauerte nicht lange, bis ich die Plattform erreicht hatte. Als ich angekommen war, hatten es zwei Kletterer bereits geschafft, ein Seil anzubringen, damit wir mit unserem Aufstieg beginnen konnten. Bevor ich die Plattform erreichen konnte, kamen zwei Schlauchboote vom Schiff der Küstenwache auf uns zu. Die Personen auf den Booten trugen Militäruniformen und Sturmhauben. Ich fühlte mich wie in einem Horror-Film, als sie  

 

uns rammten.  Meine Mit-Kletterin Sini fiel ins Wasser.  Ihr Blick drückte Verängstigung aus.  Aber ich wusste, dass sie eine unglaublich mutige Person ist; ich bewundere sie sehr. Wir zogen sie aus dem Wasser.  Aber die Küstenwache machte es uns extrem schwierig, weil sie weiterhin unsere Boote rammte.

GEFANGEN

In all der Aufregung hörte ich einen Kanonenschuss. Sie schrien uns auf Russisch an, und ich konnte sie nicht verstehen. Sie richteten Pistolen und Messern auf uns. Ich wusste deshalb genau, dass sie Drohungen gegen uns aussprachen. Sini und Kruso wurden immer noch mit den Wasserwerfern beschossen. Das Wasser donnerte mit Wucht gegen ihre Köpfe. Nach einer Weile beschlossen die beiden, dass sie nicht mehr länger standhalten konnten, und begannen mit dem Abstieg. Aber die Arbeiter auf der Plattform bemerkten oder hörten das nicht. Sie schossen weiterhin mit den Wasserwerfern auf die beiden. Die Küstenwache begann an ihren Seilen zu reissen, damit sie nach dem Abstieg auf ihrem Boot landen mussten.

Sie schnappten sich meine Freunde ohne ein Wort zu sagen und kehrten zu ihrem Schiff zurück.  Mein Herz blieb in diesem Moment stehen. Die Kanonenschüsse gingen weiter und ich fragte mich, wie weit zu gehen diese Menschen bereit waren, um uns an unserem friedlichen Protest gegen die Ölbohrungen in der Arktis zu hindern.

IN GEFAHR

Ich bin zurück auf der Arctic Sunrise und wieder in sicherer und freundlicher Umgebung. Aber in Gedanken bin ich bei meinen Freunden und werde nicht eher glücklich sein, bis wir wieder alle vereint sind.

Die Küstenwache hat uns gedroht das Feuer auf die Arctic Sunrise zu eröffnen, wenn wir das Gebiet nicht verlassen würden.  Schliesslich ging es ihnen aber nur darum, Gazprom und deren Pläne zur Ölförderung in der Arktis zu schützen. Die Gefahr für die Arktis geht nicht von friedlichen Aktionen von Greenpeace und den Millionen von Untersützern aus. Die echte Gefahr geht von Unternehmen wie Gazprom und Shell aus, die riskieren, eine wunderbare Landschaft zugunsten der Profitmaximierung zu zerstören.

Ich weiss nicht, wie die Situation heute Abend oder morgen aussehen wird.

 

Am folgenden Tag schlägt die Küstenwache erneut zu und entert die Arctic Sunrise in internationalen Gewässern in einem brutalen Akt der Piraterie. Camila und ihre Gefährten werden noch immer gefangen gehalten.

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