Die Sonne sei Schuld am Klimawandel. Diese bizarre These verbreitete der Wissenschaftler Willie Soon – die Öl- und Kohleindustrie bezahlte ihn dafür.

Die Sonne sei Schuld am Klimawandel. Diese bizarre These verbreitete der Wissenschaftler Willie Soon – die Öl- und Kohleindustrie bezahlte ihn dafür.


Der Wissenschaftler Wei-Hock «Willie» Soon verbreitet wunderliche Thesen zum Klimawandel. Dafür erhielt er in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren gut 1,25 Millionen Dollar von Konzernen, Lobbygruppen und Ölfirmen. © The Heartland Institute

 

Ist der Klimawandel hauptsächlich vom Menschen verursacht oder ist die Sonne Schuld an den Klimaschwankungen? Die Klimawissenschaft hat diese Frage längst beantwortet, doch in den Medien werden immer wieder Zweifel laut. Klimaskeptiker, also Menschen, die die vorherrschende wissenschaftliche Meinung zu den Ursachen des Klimawandels bezweifeln oder gleich ablehnen, finden sich vor allem in den USA. Warum das so ist, hat viel mit grosszügigen Geldgebern aus der fossilen Industrie zu tun.

Einer der am häufigsten zitierten Klimawandel-Leugner ist Wei-Hock «Willie» Soon, ein Wissenschaftler am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA). Soons These: Die globale Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung lässt sich weitgehend durch die Schwankungen der Sonnenenergie erklären. Mit seiner These wird Soon zum beliebten Zitatgeber der konservativen US-Medien und zum Kronzeugen von Klimaskeptikern in aller Welt. Vor wenigen Tagen hat sich das grundlegend geändert.

1,2 Millionen Dollar von der Fossilen Energielobby 

Im Februar 2015 berichtet die «New York Times» über Dokumente, die nachweisen, dass Willie Soon über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren gut 1,25 Millionen Dollar von Konzernen, Lobbygruppen und Ölfirmen erhalten und diese Einnahmequelle verheimlicht hat. Unter Soons Geldgebern finden sich Ölkonzerne wie Exxon Mobil, das Kohleunternehmen Southern Energy und der Ölmilliardär Charles Koch. Neben der Verheimlichung der Geldquellen ist besonders irritierend, dass Soon Forschungsergebnisse wie die vermeintlichen Auswirkungen der Sonne auf den Klimawandel in Vereinbarungen mit den Geldgebern als «lieferbare Resultate» (deliverables) bezeichnet wurden.

Bereits 2003 war es zu einer Kontroverse gekommen, nachdem Willie Soon und Sallie Baliunas zwei nahezu identische Artikel im Fachjournal «Climate Research» und in der Zeitschrift «Energy & Environment» veröffentlicht hatten. In denen stuften sie die aktuelle Erwärmung als unbedeutend ein im Vergleich zu anderen historischen Klimaveränderungen des vergangenen Jahrtausends. Nach scharfer fachlicher Kritik wegen methodischer Mängel der Studie und wegen totalen Versagens des Begutachtungsprozesses mussten sich die Herausgeber der Fachzeitschrift von dem veröffentlichten Artikel distanzieren. Dieser Beitrag hätte nach Meinung von Fachleuten wegen wissenschaftlicher Mängel nicht veröffentlicht werden dürfen. Der Herausgeber der Zeitschrift «Climate Research» musste schliesslich zurückgetreten. Trotzdem wurde die Studie von der damaligen US-Regierung unter George W. Bush als angeblicher Beweis für die Behauptung herangezogen, Klimaschutz sei unnötig.

Fragwürdiger Zeuge auch für deutsche Klimawandel-Leugner 

Die Skandale schadeten Soons Ruf unter denen, die den Klimawandel leugnen, nicht. Er galt weiterhin als gern gesehener Gast bei erzkonservativen US-Politikern wie etwa Oklahomas Senator James M. Inhofe, der den Klimawandel einen wissenschaftlichen Schwindel nennt. Auf einer Tagung der neoliberalen Denkfabrik The Heartland Institute hielt Soon, der sich als «unabhängigen Wissenschaftler» vorstellt, im vergangenen Jahr einen skurrilen Vortrag über den Weltklimarat, den er als «Gangster-Wissenschaft» bezeichnete. 

Auch für den früheren RWE-Manager Fritz Vahrenholt galt Willie Soon als Kronzeuge in seinem Buch «Die kalte Sonne». Darin behauptet Vahrenholt, der Klimawandel finde nicht statt.

Die Methode «Zweifel»

Aller Kritik zum Trotz werden Soons Veröffentlichung als sogenannter «wissenschaftlicher Beweis» weiterhin von Klimawandel-Leugner in aller Welt zitiert. Dass Soons Thesen wissenschaftlich längst widerlegt sind, stört dabei nicht. Die Strategie derer, die den Klimawandel leugnen, zielt nicht primär auf vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern darauf, Zweifel zu streuen.

Aufgedeckt wurde der Skandal von Kert Davis vom Climate Investigation Center, der früher für Greenpeace USA arbeitete. Er hat die Offenlegung der Finanzgeber nach dem amerikanischen Freedom of Information Act (FOIA) erreicht. Dieser gibt jedem das Recht, Zugang zu Dokumenten der Exekutive (der Regierung) der Vereinigten Staaten zu verlangen.

Soons Fall ist ein extremes Beispiel interessensgeleiteter, manipulativer Wissenschaft. Sein Schaden beschränkt sich nicht allein auf die Klimaskeptiker. Soon stellt die Unabhängigkeit der Wissenschaft in einer Zeit in Frage, in der immer mehr Wissenschaftler von Drittmitteln aus der Industrie abhängig sind. Auch Greenpeace gibt Studien in Auftrag, achtet dabei aber stets darauf, dass die Finanzierung transparent gehalten wird. Eben das aber hat Soon bei seiner Arbeit versäumt – und dadurch seine Glaubwürdigkeit verloren. 

 

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