Nach 33 Jahren ist Schluss: Das älteste AKW Deutschlands geht am Samstag vom Netz. Der bayerische Reaktor in Grafenrheinfeld ist der erste von neun, die bis 2022 stillgelegt werden – eine Folge des Super-GAU von Fukushima. In der Schweiz hat hingegen die älteste Anlage der Welt, das AKW Beznau, nach 46 Jahren immer noch kein Abschaltdatum.

Nach 33 Jahren ist Schluss: Das älteste AKW Deutschlands geht am Samstag vom Netz. Der bayerische Reaktor in Grafenrheinfeld ist der erste von neun, die bis 2022 stillgelegt werden – eine Folge des Super-GAU von Fukushima. In der Schweiz hat hingegen die älteste Anlage der Welt, das AKW Beznau, nach 46 Jahren immer noch kein Abschaltdatum.

 


Im AKW Grafenrheinfeld gehen nach 33 Jahren die Lichter aus

© Andreas Varnhorn / Greenpeace

 

«Jeder Tag Atomkraft ist einer zu viel», projizierten Greenpeace-Aktivisten im Juni 2011 auf deutsche Reaktorwände, auch in Grafenrheinfeld. Die Welt stand drei Monate nach der Atomkatastrophe in Japan unter Schock. Doch die Botschaft gilt noch heute. Nur gut also, dass der bayerische Meiler am 27. Juni dieses Jahres und damit sogar fünf Monate früher vom Netz geht als vorgeschrieben.

«Die Abschaltung ist ein grosser Erfolg für die Anti-Atom-Bewegung, die jahrzehntelang unbeirrt für einen Atomausstieg gekämpft hat», sagt Tobias Riedl, Greenpeace-Experte für Atomkraft. Allerdings geht der Reaktor nicht aus Sorge um die Sicherheit vom Netz, sondern aus Kostengründen.

Grafenrheinfeld hat eine Betriebsgenehmigung bis Ende 2015. Wollte  E.ON als Betreiber diese Zeit ausnutzen, müsste das Unternehmen neue Brennelemente laden und dafür die Brennelementsteuer entrichten. Das lohnt sich für fünf Restmonate Betrieb nicht.

 

Jahrzehntelanger Protest 

Dass Grafenrheinfeld 2015 überhaupt vom Netz geht, ist eine Folge des Super-GAU in Fukushima und der Anti-Atom-Proteste in Deutschland. Die schwarz-gelbe Regierung aus CDU/CSU und FDP hatte den Atomausstieg vor dem GAU gekippt und Laufzeitverlängerungen beschlossen – gegen den Willen der meisten Bundesbürger.

Nach der Katastrophe in Japan war diese Politik nicht mehr zu halten. Der Widerstand in der Bevölkerung war zu gross. Allerdings: «Bei der Freude über die Abschaltung darf nicht vergessen werden, dass uns die Atomindustrie mit ihren nuklearen Hinterlassenschaften ein tödliches Erbe aufbürdet, das immer noch für politischen Zündstoff sorgt», so Riedl.

 

AKW Beznau immer noch unbefristet am Netz

Diese Altlast gibt es natürlich auch in der Schweiz, wo sich das älteste AKW der Welt befindet.  «Die deutsche Energiewende erreicht erfolgreich den nächsten Meilenstein», sagt Greenpeace-Atomexperte Florian Kasser. «Derweil klammert sich die Betreiberin Axpo immer noch am AKW Beznau fest: Mit seinen 46 Jahren ist es gefährlich, unwirtschaftlich und von einem anderen Zeitalter. Auch in der Schweiz braucht es für jedes AKW ein verbindliches Abschaltdatum!», so Kasser.

  

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