Seit vergangenem Freitag ersetzt in unserem Garten eine neue, frische Atomkraft-Nein-Danke-Fahne die alte, zerfetzte. Neue Aufmerksamkeit sei ihr gegönnt, denn nach den Entscheiden des Parlaments zur Energiewende wissen wir, dass unsere Politiker leider trotz mehrjähriger Beratung in Sachen Atomausstieg gar nichts entwickelt haben.

Nicht nur verantwortet die Schweiz das älteste AKW der Welt im dicht besiedelten Schweizer Mittelland, auch verzichtet Helvetia für alle AKW grundsätzlich auf irgendwelche Auflagen bezüglich Ausserbetriebnahme. Die Schweiz will die Reaktoren so lange laufen, bis ein Meiler nachweislich unsicher ist. Nachweislich – dummerweise kann man Nachweise immer nur rückwirkend erbringen; das Parlament hat kein Problem damit, dass die Aufsichtsbehörde Ensi auch in Zukunft zuerst Beweise für eine Ausserbetriebnahme sammeln muss, bevor die Bevölkerung geschützt werden kann! In keinem anderen Bereich würden wir uns eine solch grobe Fahrlässigkeit erlauben. Paradox: Der zweiten Gotthard-Tunnelröhre verhalf das Sicherheitsargument zum Abstimmungserfolg. Bis 2030 erhalten wir also vermeintlich mehr Sicherheit auf der Strasse, doch die sechzig, vielleicht siebzig Jahre alten Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen. Helvetia, das tut weh!

Seit vergangenem Freitag ersetzt in unserem Garten eine neue, frische Atomkraft-Nein-Danke-Fahne die alte, zerfetzte. Neue Aufmerksamkeit sei ihr gegönnt, denn nach den Entscheiden des Parlaments zur Energiewende wissen wir, dass unsere Politiker leider trotz mehrjähriger Beratung in Sachen Atomausstieg gar nichts entwickelt haben. Nicht nur verantwortet die Schweiz das älteste AKW der Welt im dicht besiedelten Schweizer Mittelland, auch verzichtet Helvetia für alle AKW grundsätzlich auf irgendwelche Auflagen bezüglich Ausserbetriebnahme. Die Schweiz will die Reaktoren so lange laufen, bis ein Meiler nachweislich unsicher ist. Nachweislich – dummerweise kann man Nachweise immer nur rückwirkend erbringen; das Parlament hat kein Problem damit, dass die Aufsichtsbehörde Ensi auch in Zukunft zuerst Beweise für eine Ausserbetriebnahme sammeln muss, bevor die Bevölkerung geschützt werden kann! In keinem anderen Bereich würden wir uns eine solch grobe Fahrlässigkeit erlauben. Paradox: Der zweiten Gotthard-Tunnelröhre verhalf das Sicherheitsargument zum Abstimmungserfolg. Bis 2030 erhalten wir also vermeintlich mehr Sicherheit auf der Strasse, doch die sechzig, vielleicht siebzig Jahre alten Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen. Helvetia, das tut weh!

Bleibt die Hoffnung, dass die Töpfe sowieso bald runter gefahren werden. Noch bis vor kurzem warnte die Stromlobby vor der Stromlücke. Heute drückt eine Stromschwemme auf die Preise – jede produzierte Kilowattstunde Atomstrom ist ein Verlustgeschäft. Und nun soll der Steuerzahler für die Denk- und Planungslücke der Strombarone aufkommen! Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert – wir kennen das marktwirtschaftliche Prinzip bereits von den Banken. Der Axpo-CEO Andrew Walo verdiente im vergangenen Jahr laut Radio SRF 1,13 Millionen Franken – und das bei einem Betriebsergebnis mit einem Verlust von einer Milliarde Franken!

Am Anfang aller Probleme in Umwelt und Gesellschaft steht der Eigennutz – das sagt Papst Franziskus in seiner Enzyklika «Laudato Si». Donald Trump spielt die eigennützige Karte offensichtlich. Im Kanton Solothurn haben wir Walter Wobmann: «Es ist nicht erwiesen, dass fossile Produkte zur Erderwärmung beitragen», äussert er sich zum Klimawandel. – Mit Verlaub: Solche Worte von einem gewählten Mitglied der nationalrätlichen Umweltkommission? Eigennutz auch hier: Trump-itis Solodorensis!

Lauschen wir dem päpstlichen Wort, das weiter sagt: «Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten.» – Papst Franziskus ruft auf: «Wir müssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben, uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum für die Globalisierung der Gleichgültigkeit.» Wenn das keine österliche Botschaft ist: Leute, achtet das Gemeingut! Die Sonne scheint für uns alle. Die Fahne in unserem Garten erinnert nun wieder jeden Tag daran.

«Am Gotthard soll die zweite Röhre mehr Sicherheit bringen. – Alte Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen.»

Quelle: Solothurner Zeitung / Gastkolumne zu Energiepolitik, Eigennutz und päpstlichen Worten

Markus Allemann, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, lebt mit seiner Familie in Solothurn. 

Teilen
Twittern
Teilen
+1
E-Mail
WhatsApp