Die Energiewende in der Schweiz hat ein paar Tore geschossen, ist aber noch längst nicht Spitze. Die globale Dynamik bei den Erneuerbaren ist deutlich stärker geworden und Solar Impulse hat weltweit die Grenzen des Machbaren verschoben. Der nächste Steilpass, um der Energiewende Flügel zu verleihen, folgt im Herbst – mit der Schlussabstimmung im Parlament über die Energiestrategie 2050 und den Volksabstimmungen über die Grüne Wirtschaft und den geordneten Atomausstieg.

 


Wo die Energiewende in der Schweiz auf Kurs ist – und wo nicht.

Der heute vor den Medien vorgestellte Energiewende-Index 2016 der Umweltallianz zeigt, dass 7 von 20 Indikatoren sich positiv entwickelt haben. Um Versorgungssicherheit und Ausgaben müssen wir uns keine grossen Sorgen machen. Die CO2-Emissionen aus der Energieerzeugung sind um 1 Mio. Tonnen gesunken und der Anteil an erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch ist deutlich gestiegen.


Der Co-Geschäftsleiter von Greenpeace Schweiz, Markus Allemann, mit dem CEO vom WWF Schweiz, Thomas Vellacott, vor den Medien in Bern.

Bei Indikatoren wie Atomsicherheit, Energieeffizienz oder Effizienz des Personenverkehrs rumpelt die Schweizer Energiewende hingegen noch gehörig. Dies obwohl die Erneuerbaren bereit stehen und jetzt schon einen Teil des Atomstroms ersetzen könnten: «Biomasse, Sonne und Wind haben 2015 die durchschnittliche Produktion von Beznau I übertroffen. Per August 2016 haben so viele Anlagen von der Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) grünes Licht erhalten, dass auch Beznau II hinfällig wird», so Markus Allemann, Co-Geschäftsführer von Greenpeace Schweiz.

Global: Starkes Wachstum der Investitionen in Erneuerbare Energien © REN21, Global Status Report, 2016

Die Schweiz könnte in der Tat auf einen fahrenden Zug aufspringen. Weltweit übertreffen 2015 die Investitionen in den Zubau von erneuerbarer Energie die Investitionen in Gas, Kohle und Uran deutlich. «Der Umstieg auf Erneuerbare kommt schneller als erwartet. Die installierte Leistung nimmt weltweit kontinuierlich zu», bilanziert Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz. Es ist nicht nur eine Frage der Technologie-Entwicklung, ob wir die Energiewende in der Schweiz schaffen werden: Es braucht politische Weitsichtigkeit und vernünftige Rahmenbedingungen. Die Energiestrategie 2050, wie sie voraussichtlich im Herbst vom Parlament verabschiedet wird, ist zwar ein wichtiger Schritt, aber eben auch ein lauer Kompromiss.

Der Weg zur Energiewende führt unausweichlich auch über weitere Etappen: den geordneten Atomausstieg, die Grüne Wirtschaft und nicht zuletzt eine griffigere Klimapolitik. Wir haben es selbst in der Hand, ob wir international wie Solar Impulse und Bertrand Piccard in der Champions League spielen und auch wirtschaftlich davon profitieren wollen. Oder ob wir lieber in der 3. Liga weiterwursteln und uns ins Abseits manövrieren.

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