Greenpeace-AktivistInnen haben die heutige Nestlé-Generalversammlung aufgemischt: Sie konfrontierten das Management des Schweizer Lebensmittelkonzerns mit Plastikmüll, der noch vor Monaten vor den Philippinen im Meer trieb oder die Strände Manilas verschmutzte. Die Geschäftsleiterin von Greenpeace International hielt vor dem Management und den AktionärInnen eine flammende Rede zur Plastikkrise, die wir hier als Blogtext publizieren.

Guten Tag. Sie alle kennen diese Bilder: Plastikverpackungen, die Meeresschildkröten erwürgen, Walen die Mägen verstopfen und für Vögel zu Todesfallen wurden.

Plastik erstickt unsere Flüsse und Ozeane, füllt Deponien, wird zu giftigen Emissionen verbrannt und vernichtet unsere Gemeinden, besonders sichtbar in Südostasien.

Plastikverschmutzung ist eine Umweltkatastrophe. Sie ist ein starkes Signal dafür, dass unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem, das auf endlosem Konsum und Wegwerfkultur basiert, nicht so weitergehen kann.

Letzten September haben wir und die Bewegung «Break Free From Plastic» Nestlé über sechs Kontinente hinweg als einen der grössten Plastikverschmutzer weltweit identifiziert. Ihre Verpackungen verschmutzen und verstopfen überall die Strände, Wasserkanäle und Gemeinden.

Die Bewegung Break Free From Plastic wird grösser und grösser. Wir sehen mit eigenen Augen, wo Plastik landet. Heute sehen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, wo ein grosser Teil davon herkommt: von Nestlé.

Plastik beginnt als giftige Petrochemie und gelangt in unsere Nahrung, Wasserversorgung und Körper. WissenschaftlerInnen veröffentlichen Studien über das potenzielle Gesundheitsrisiko von Kunststoffen und beginnen, die massiven Auswirkungen zu verstehen. Viele und immer mehr Menschen fordern, dass dieses Problem jetzt und ohne Verzögerung behoben wird.

Doch Nestlé produzierte letztes Jahr 1,7 Millionen Tonnen Plastik – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig betonen Sie, dass Sie das Plastikproblem ernst nehmen würden. Nestlé sollte sich Sorgen machen um die wachsende Besorgnis der Öffentlichkeit über die Plastikverschmutzung. Denn immer mehr Menschen sehen Nestlé in der Verantwortung. Sie sehen Ihr Firmen-Logo auf den vielen Plastikteilen.

Dies ist eine Gelegenheit, Führungsstärke zu zeigen sowie Leadership und Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet jedoch nicht, Plastik durch ein anderes Einwegmaterial wie Papier oder Bioplastik zu ersetzen, das die zerstörerischen Auswirkungen der Wegwerfkultur auf die Wälder und landwirtschaftlichen Flächen der Welt verlagert. Es bedeutet auch nicht, den Mythos hochzuhalten, dass Recycling die Katastrophe beheben wird. Echte Leadership bedeutet, sich mit der Wegwerfkultur auseinanderzusetzen, die dem aktuellen Geschäftsmodell von Nestlé zugrunde liegt. Leadership bedeutet, den Übergang auf wirklich nachhaltige Verpackungslösungen zu realisieren: Wir fordern Nestlé zu Transparenz auf und zu einem konkreten, ambitiösen Aktions- und Zeitplan, um Einwegverpackungen zu eliminieren und durch alternative Liefer- und Verteilungssysteme zu ersetzen, die auf Wiederauffüllen und Wiederverwenden basieren.

Es ist nicht akzeptabel, dass ein Unternehmen jedes Jahr Hunderte von Milliarden an Plastikverpackungen herstellt, die für ein paar Sekunden verwendet werden und dann für Generationen unsere Gemeinschaften, Nahrungsketten und Ökosysteme vergiften.
Die Frage ist also deshalb: Wird Nestlé echte Leadership übernehmen oder werden Sie sich auf ein veraltetes, destruktives Geschäftsmodell versteifen, das negative Folgen für uns alle hat?

Greenpeace wird Sie weiterhin unter Druck setzen, Ihren Teil der Verantwortung für den notwendigen umfassenden Systemwechsel zu übernehmen, in Innovationen zu investieren und die Weichen für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft zu stellen. Die Leute beobachten Nestlé.