Die Anzeichen verdichten sich, dass grobfahrlässige Fehler im Alterungsmanagement den Unfall im japanischen AKW Mihama-3 vom Montag verursachten, der vier Arbeitern das Leben kostete. Laut dem Betreiber war schon seit Monaten bekannt, dass ein geborstenes Rohr nicht mehr stabil war. Dessen Ausbesserung sei aber verschoben worden, da man nicht damit rechnete, dass es bereits ein so grosses Risiko darstelle.

Zürich. Das gebrochene Rohr verbindet den Kondensator mit dem Dampferzeuger. Im Kondensator wird der Dampf zu Wasser abgekühlt, nachdem er in der Turbine seine Arbeit geleistet hat. Das Rohr war offenbar für eine Einsatzdauer von 30 Jahren berechnet. Durch das schnell strömende Wasser-Dampfgemisch wurde jedoch bereits nach 28 Jahren die Rohrwand so stark erodiert und soviel von der Stahlrohrwand abgetragen, dass die Wanddicke im Bereich der Bruchstelle teilweise bloss noch 1,4 bis 3,5 mm betrug.

Wieviel von der ursprünglichen Wanddicke von 10 mm noch verblieben ist, wurde offenbar seit der Inbetriebnahme des AKWs Mihama-3 im Jahr 1976 nie mittels Ultraschall-Tests nachgeprüft. Erst für die Zeit des nach dem 14. August 2004 geplanten 3-monatigen Revisionsstillstands wurden solche Tests vorgesehen. Dies, obwohl laut dem Vizedirektor der Anlage Sicherheitsexperten den Betreiber schon 2003 dazu aufgefordert hatten, die Rohre dringend auf Korrosion überprüfen zu lassen.

Der Vorfall wirft aus Sicht von Greenpeace ein grelles Schlaglicht auf das sich verschärfende Problem der Alterung der AKW: Eine Vielzahl von Alterungsmechanismen schwächt Materialien und Bestandteile fortlaufend. Ohne ein konsequentes Alterungsmanagement – das umfassende Nachprüfungen und konsequente vorausschauende Instandhaltung, Reparaturen und die Ersetzung von Bestandteilen einschliessen muss – kann die Sicherheit nicht aufrecht erhalten werden. Nötig ist aber auch eine strenge Kontrolle der Aufsichtsbehörde. Sie muss durchsetzen, dass die Betreiber die Selbstkontrolle umfassend durchführen und der Sicherheit jederzeit und abhängig vom Kosten- und Zeitaufwand die oberste Priorität einräumen. Dazu muss sie sich auf klare, im Voraus festgelegte Sicherheitsgrenzwerte abstützen können, die ihr als Berurteilungsmassstab dienen und die den Betreibern den Umfang ihrer Verpflichtungen verbindlich vorschreiben.

Greenpeace wird am Donnerstag dieser Woche an einer Medienkonferenz in Bern (11.00 Uhr im Hotel Kreuz) eine Studie über die Alterungsproblematik präsentieren, die die Notwendigkeit von klaren Sicherheitsgrenzwerten und eines umfassenden Alterungsmanagements auch für die Schweizer AKWs unterstreicht.

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Leo Scherer, Atom-Kampagne Greenpeace Schweiz 01 / 447 41 23 Greenpeace-Medienabteilung 01 / 447 41 11