Schockierende Film-Aufnahmen eines Augenzeugen belegen, wie durch den Einsatz von so genannten Fischsammlern beim Thunfischfang unzählige Meerestiere sterben – darunter Wale, Delfine, Haie oder Mantarochen.


Die Videoausschnitte des Hubschrauber-Piloten eines Thunfischjägers sind nicht für zart besaitete Augen geeignet.

Er hat es nicht mehr ausgehalten: Ein Informant aus der Fischereibranche hat Greenpeace Videoaufnahmen zugespielt, die das kalte, sinnlose Schlachten an Bord eines Thunfischtrawlers zeigen – und damit die wahren Kosten einer Dose Thunfisch.

«Rifffische, Mantarochen, Delphine, Schwertfische, Wale. Alles wurde an Bord gehievt…» Der Mann, der dies erzählt, muss anonym bleiben, um seine Existenz nicht zu gefährden. Sein Gesicht wird im Video nicht gezeigt, seine Stimme verzerrt wiedergegeben. Im vergangenen Jahr war er Hubschrauberpilot auf einem koreanischen Ringwadentrawler im Pazifik. Seine Aufgabe war es, Thunfischschwärme aufzuspüren.

Die Fänger arbeiteten mit Ringwadennetzen und sogenannten Fischsammlern (Fish Aggregation Devices (FADs)). Fischsammler täuschen Schutz vor und ziehen so Fische aller Art, aber auch andere Meereslebewesen magisch an. Um die schwimmenden Plattformen herum wimmelt es deshalb von Fischen und anderen Tieren. Das Ringwadennetz wird drumherum gelegt und muss nur zugezogen werden.

«Jeden Morgen fragte man sich, was man wohl an diesem Tag fangen würde. Ohne FADs war der Beifang fast null. Mit FADs war er sehr hoch.» Auch junge Thunfische gehen ins Netz – zu jung, um sich schon vermehrt zu haben. So werden die sowieso schon bedrohten Bestände weiter dezimiert. «Zu kleine Fische gingen fast nur beim Fischen mit FADs ins Netz…»

Das Video in voller Länge – Achtung: Nichts für schwache Nerven

Fast 60 Prozent aller gefangenen Thunfische kommen aus dem Pazifik. Die Bestände an Grossaugenthun und Gelbflossenthun sind dort bereits überfischt. Greenpeace fordert deshalb dringend ein Verbot der Ringwadenfischerei mit Fischsammlern. Zudem müssen die Fangquoten für Thunfisch im West- und Mittelpazifik um die Hälfte gekürzt werden.

Mehrere Hersteller von Thunfischprodukten haben bereits zugestimmt, keinen Fisch mehr abzunehmen, der mit FADs gefangen wurde. Darunter sind die grossen britischen Hersteller Princes und John West.

Dieses Video soll aber auch die KonsumentInnen informieren – sie haben ein Recht zu erfahren, was es die Natur kostet, eine Dose mit Thunfisch zu füllen. Auch beim täglichen Einkauf kann jeder seinen Beitrag leisten, indem man darauf achtet aus welchem Fangebiet und mit welcher Fangmethode der Thunfisch in die Dose kam.

Fischsammler mit enormen Beifangmengen

Der Grossteil des Dosentunfisches wird heute mit Fischsammlern (engl. FADs – Fish Aggregation Devices) gefangen. Das sind künstliche schwimmende Objekte, die den angeborenen Instinkt der Schwarmfische ausnutzen, im Schatten von treibenden Gegenständen Schutz zu suchen. Die Ringwade wird dann um die Fischsammler herum ausgebracht. Doch dieses Hilfsmittel führt zu enormen Beifangmengen: Nicht nur Skipjack-Thunfisch wird angelockt, sondern auch andere Thunfischarten oder gefährdete Meerestiere wie Haie, Wale, Rochen und Schildkröten. 2005 wurden über 1 Millionen Tonnen Thunfisch, ein Drittel des weltweites Thunfisch-Fanges, und über 100.000 Tonnen Beifang mit FADs gefangen.