Ende November erreichten uns die schockierenden offiziellen Zahlen: Zwischen August 2019 und Juli 2020 wurden 11’088 km² des Amazonas-Bioms zerstört. Es ist die höchste Rate seit 2008 und entspricht mehr als einem Viertel der Fläche der Schweiz.

“Anstatt die Abholzung und Waldbrände zu verhindern, hat die Bolsonaro Regierung  die Realität geleugnet, die bisher existierenden Behörden demontiert und die Arbeit von NGOs wie Greenpeace und die Rechte Indigener Gemeinschaften eingeschränkt und angegriffen. Aufgrund der umweltfeindlichen Politik der Regierung ist die Abholzung in Brasilien fast dreimal so hoch wie das Ziel für 2020, das in der Nationalen Politik zum Klimawandel festgelegt wurde”

Cristiane Mazzetti, Amazonas-Aktivistin bei Greenpeace Brasilien

Weltweite Verdoppelung der Abholzung in den letzten 10 Jahren

Und nicht nur im Amazonas schreitet der Verlust des Urwaldes voran. Der toxische Mix von Abholzung und Waldbränden verschärft sich überall mit wachsender Klimaerhitzung und dem Überkonsum von Produkten, auf welche wir vielerorts nicht einmal unbedingt angewiesen sind. Dazu gehören der hohe Fleischkonsum, Palmöl, zellstoffbasierte Wegwerfprodukte im Verpackungs- und Hygienesektor undweitere Rohstoffe, für deren grossflächige industrielle Produktion die Wälder weichen müssen. Trotz verschiedener multilateraler und Konzernverpflichtungen zu Nullabholzung (Zero Deforestation)  hat sich die Abholzung der Tropenwälder in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt. Die Wälder werden in erster Linie für Agrarrohstoffe abgefackelt, oft illegal und mit starken Verbindungen zu Korruption, Steuerhinterziehung und organisierter Kriminalität. 

Gleichzeitig haben wir so viele Informationen wie nie zuvor, dass intakte Wälder als Biodiveristäthotsspots und natürliche Klimaanlagen eine Schlüsselrolle für die Gesundheit des Planeten und damit unsere Gesundheit spielen: sie produzieren Sauerstoff, regulieren den Wasserhaushalt, schützen vor Bodenerosion und beherbergen eine enorme Vielfalt an Lebewesen.

Was können wir in der Schweiz tun?

Jede*r Konsument*in – auch und besonders in der Schweiz – kann mit dem eigenen Konsumverhalten etwas beitragen: unter anderem durch reduzierten Fleisch- und Palmölkonsum, die Nutzung von Mehrweg- anstelle von Einwegprodukten oder den Kauf von Secondhand-Möbeln. Wir müssen auch sicherstellen, dass Schweizer Handelsabkommen nur den Import von nachhaltig produzierten Rohstoffen, ohne Verbindungen zu Waldzerstörung und Verletzung von Indigenenrechte, zulassen. 

Schweizer Finanzinstitute als Treiber der Waldzerstörung

Nicht zu unterschätzen ist sodann die Rolle der Schweizer Finanzinstitute. Auch hier haben wir als Klient*innen von Banken, Versicherungen und Pensionskassen eine Einflussmöglichkeit. Finanzierungen und Investitionen in Agrarrohstoffproduzenten und -händler sowie in brasilianische Fleischproduzenten liegen im Hochrisikobereich. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens haben Finanzinstitute global mehr als 150 Milliarden USD in Unternehmen gesteckt, welche die Entwaldung vorantreiben. Dies zeigt die Datenbank “Forest & Finance” auf (vgl. Infobox unten). Unter den in dieser Datenbank aufgeführten Finanzinstituten befinden sich wie üblich die Grossbanken Credit Suisse und UBS. Aber auch Julius Bär, die Zürcher und Berner Kantonalbanken, Genfer Privatbanken wie Pictet, Lombard Odier, Mirabaud, Union Bancaire Privée sowie Versicherungen wie Zurich, SwissRe und Swiss Life –  und nicht zuletzt die Schweizer Nationalbank  – sind unter den exponierten Schweizer Finanzinstituten. 

Alle exponierten Finanzinstitute wie auch die Finanzmarktaufsicht Finma sind dringend gefordert Massnahmen in ihrem Wirkungsradius zu treffen, damit die Entwaldung nicht weiter voranschreitet. Der Erhalt von Naturwäldern reduziert Klima- und Biodiversitätsrisiken, die früher oder später  zu Finanzrisiken werden. 

Und wir alle, ob Klient*innen, Bankangestellte oder Aktivist*innen, können diese Forderung bei jeder Gelegenheit gegenüber unseren Banken und Versicherungen wiederholen und nachfragen, was sie unternehmen damit ihre Portfolien und Richtlinien den Ausschluss von Waldzerstörung garantieren können. Für den Erhalt der Lebensgrundlage indigener Völker sowie unzähliger Tier- und Pflanzenarten – und schlussendlich ebenso für den Erhalt unserer eigenen Lebensgrundlage.

Eine Koalition von NGOs gibt mit der Datenbank “Forest & Finance” Aufschluss über die Finanzströme zwischen Januar 2013 und April 2020 von mehr als 300 der grössten Rohstoffunternehmen, deren Geschäftstätigkeiten verheerende Auswirkungen auf Wälder in Südostasien, Zentral- und Westafrika und Brasilien haben. Sie zeigt auf, welche Banken und Investoren Abholzungsrisiken ausgesetzt sind und ob Sektor-Richtlinien vorhanden sind. Die Koalition stellt zudem detaillierte Empfehlungen zur Verfügung.

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