Frankreich scheint fest im Griff einer atombesessenen Elite. Aber Greenpeace hält dagegen und der Machtblock bekommt erste Risse – wie eine in die Jahre gekommene Reaktorhülle. Die Geschichte eines historischen Moments aus der V. Republik in fünf Kapiteln.

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Er ist Anfang fünfzig, von gewichtiger Statur, trägt einen Seehundschnauz, hat liebevolle Augen und strahlt eine gemütliche Jovialität aus. Man würde dem legendären Anti-Atom-Aktivisten Rousselet aus Cherbourg eher den Kapitän eines Fischkutters auf dem Ärmelkanal geben; oder vielleicht Verleihnix aus dem Dorf von Asterix: ganz und gar gutmütig – solange man ihn nicht wütend macht. Denn wenn es um die Atomkraft geht, ist es beim Normannen mit der Gemütlichkeit schnell vorbei. Da lässt er nichts anbrennen. Als er 2009 Wind bekommt von einem Transport radioaktiver Abfälle nach Russland, kettet er sich kurzerhand und im Alleingang an die Geleise. Als er anlässlich einer Aktion in der Schweiz einen freien Tag hat, besichtigt er flugs alle vier AKW – von Leibstadt bis Mühleberg. Es gibt wenig in Sachen Kernkraft, das der streitbare Greenpeacer nicht eingehend studiert hätte – als bewegte er sich ständig in den am besten gehüteten Anlagen der Atomindustrie.

Als wir von einem Ausflug zur Wiederaufbereitungsanlage La Hague zurück nach Cherbourg kommen, sieht er von weitem mit Sperberaugen etwas im Hafen, das ihn beunruhigt: «Der Kran der Areva ist in Betrieb.» Die Areva ist einer der französischen Nuklearkonzerne. «Es muss ein Schiff im Hafen sein. Warum weiss ich nichts davon!» Für Atomtransporte gibt es ein eigenes Pier, wo das Material aus- und eingeschifft wird. Rousselet vermutet, dass heute bloss leere Container für radioaktive Transporte geliefert werden: «Die ‹Pacific Grebe› muss aus Japan eingetroffen sein.» Er kennt jedes Schiff, jede Route im Atomgeschäft. Er kramt seinen Feldstecher aus dem Handschuhfach. «Da stehen sie», sagt er befriedigt. «Nur die Japaner verstehen es noch, solche Behälter zu schmieden.»

Ein Trupp von Uneinsichtigen: Am 4. Mai demonstrierten Lokalpolitiker gegen die Schliessung des AKW Fessenheim.
© AFP Photo / Sebastien Bozon

LA HAGUE

Um es vorwegzunehmen: Die Halbinsel La Hague ist traumhaft schön. Die berüchtigte Wiederaufbereitungsanlage und das benachbarte Lager für radioaktive Abfälle besetzen, wie versehentlich hingestellt, ein säuberliches Rechteck von vielleicht 5 mal 0,5 Kilometern: gut sichtbar aus dem Weltall als graue Narbe auf dem grünen Land. Im Umfeld aber stehen romantische, vielleicht etwas ausgestorbene Weiler. Gelber Ginster wächst auf den malerischen Klippen. Man möchte hier sofort Urlaub machen.

Nuklearwiederaufbereitungsanlage La Hague
© Greenpeace Pierre Gleizes

Solange die Fabrik ausser Sicht ist. Symmetrisch ihre Silhouette, irgendwie schweigsam, nicht bedrohlich, sondern grotesk provisorisch. Das radioaktive Material, das die Anlage im Tag durchschnittlich verwertet, hat Platz auf zwei, drei Lastern: lächerlich wenig für eine Fabrik, die so gross ist wie eine Kleinstadt.

Am imposantesten ist ein blaugrauer Block, in dem die radioaktiven Abwässer behandelt werden (bevor sie einige hundert Meter vor der Küste «legal» ins Meer geleitet werden). Links und rechts davon UP 1 und UP 2: «Usine à plutonium» hiess das einst, Plutoniumfabriken. Heute steht die Abkürzung harmlos für «Unité de production», denn das ursprünliche Wort weckte Ängste in der hiesigen Bevölkerung.

Dabei dürfte es kaum eine Gegend geben, wo der Bau einer der gefährlichsten nuklearen Anlagen aller Zeiten auf weniger Widerstand gestossen wäre. Als im deutschen Wackersdorf eine ähnliche Höllenmaschine geplant wurde, hagelte es 880 000 Einsprachen. Es wurde nie gebaut. In den Dörfern von La Hague und im malerischen Hafenstädtchen Cherbourg hingegen stiess das Geschäft mit der Kernspaltung auf wohlwollende Einheimische.

Das mag mit der militärhistorischen Lage zu tun haben. Cherbourg liegt auf dem so genannten Cotentin, der wie ein Finger weit in den Ärmelkanal hinauszeigt: ein Vorposten. Im Hafen zeigt ein bronzener Napoleon hoch zu Ross ins Meer hinaus gegen England, den Erzfeind. Militärische Forts dominieren die grösste künstliche Hafenbucht der Welt. Im Zweiten Weltkrieg erlebte man den D-Day an den benachbarten Stränden Utah und Omaha. In Cherbourg hat jeder jemanden in der Familie, der in der Atomindustrie oder in einem Armeebetrieb arbeitet. In den Werften werden Atom-U-Boote gebaut – und abgewrackt, wenn sie ausgebrannt sind. Auch Yannick Rousselet arbeitete dort – wie schon sein Vater und sein Grossvater –, bevor er 2001 zu Greenpeace wechselte.

Davor war er ein Aktivist der ersten Stunde gewesen und hatte sich ab den 70er Jahren gegen die Aufrüstung der Halbinsel zu einer Art atomarem Disneyland engagiert. In der Werft nahm man sein politisches Engagement gelassen hin. Wer gegen Atomkraft war, gehörte zu einer verschwindend kleinen Minderheit.

Greenpeace-Aktivist Yannick Rousselet hat sich in Cherbourg an die Bahnschienen gekettet, um einen Transport von aufbereitetem Uran nach Russland zu verhindern.
© AFP Photo / Jean-Paul Barbier

LA GRANDE NATION

Mehr als irgendwo sonst wird uns in diesem abgelegenen Winkel der Basse-Normandie bewusst, dass die Wurzeln der Kernenergie militärisch sind. 
Wer Atomwaffen will – eine «Force de frappe» –, braucht Plutonium. Und dafür gibt es La Hague, das aus verbrauchten Brennstäben das Supergift extrahiert. Für Yannick Rousselet geht es bei der Kernkraft denn auch nicht bloss um Strom: «Vor allem ist sie eine Frage der Macht», sagt er. «Die Atomenergie kann in einer Demokratie eigentlich gar nicht funktionieren. Sie braucht einen Typ von Gesellschaft, der auf Sicherheit und Kontrolle setzt: einen autoritären Zentralstaat.»

Der Stolz der grossen Projekte, die rechte gaullistische Vision Frankreichs als Grande Nation einerseits und anderseits das linke jakobinische Erbe der Guillotinen-Revolution, aber auch die französischen Kommunisten und Stalinisten hatten in der Atomkraft die Erfüllung eines mächtigen, produktiven, zentralistischen Staats gefunden: Der dichteste AKW-Park der Welt wurde zu einer Frage nationaler Identität und gesellschaftlicher Organisation.

Dadurch hat sich in Frankreich ein Machtsystem gebildet, das rund um die AKW das halbe Land kontrolliert. Die weitgehend staatlichen Energiekonzerne EDF (Electricité de France) und Areva sind fest in den Händen einer Elite, von denen viele dem «Corps des mines» angehören: Abkömmlinge einer Eliteschule, die man – nein, das ist keine TV-Serie – auch «X-Mines» nennt. Für sie hat Yannick Rousselet einen Namen: die «Nukleokraten».

GEFÄHRLICHE PARTIE

Das Greenpeace-Büro in Paris liegt diskret an einer Nebenstrasse im zehnten Bezirk, irgendwo zwischen Place de la République und Montmartre. Ein kleines Namensschild, keine weiteren Insignien. Der Einlass erfolgt durch eine Art Schleusensystem aus automatischen Türen.

Greenpeace Frankreich ist in seiner Geschichte ausspioniert, gehackt, zum Feind erklärt worden. Der französische Geheimdienst hat 1985 die erste «Rainbow Warrior» in der Südsee versenkt, wo sie gegen die französischen Atombombentests im Mururoa-Atoll im Einsatz war.

2006 hat sich EDF ins Computersystem von Greenpeace gehackt und unzählige Dokumente gestohlen. Vorsicht ist also angebracht. «Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann spionieren sie dich aus, und dann siegst du», soll Gandhi gesagt haben. Passend dazu steht im Treppenhaus breit an der Wand: «Die grossen Veränderungen scheinen unmöglich zu Beginn – und am Ende unvermeidlich.» Das liesse sich prophetisch auch über eine sauberere Energieversorgung in Frankreich sagen. Die Ahnung, dass der Atomausstieg unvermeidlich ist, beschleicht heute selbst Leute, die sich das Gegenteil wünschen. Das Wort «Energiewende» hat es tatsächlich in die offizielle Regierungssprache geschafft.

Gleichzeitig jedoch bleibt die Gewissheit, dass der Ausstieg aus der Atomenergie eine Revolution für Frankreich sein wird. Wird Präsident François Hollande den Mut und die Kraft zur Veränderung aufbringen? Will er sie überhaupt? 
«Die Amtszeit von Präsident Hollande ist ausschlaggebend», sagt Sophia Majnoni mit Entschiedenheit. Die neue Kampagnendirektorin von Greenpeace Frankreich spricht schnell und messerscharf und scheint den in den Eliteschulen gestählten Machtbestien in Verwaltung und Wirtschaft durchaus gewachsen. Ihre nicht minder elegante und kluge Politberaterin Karine Gavand bestätigt den Eindruck, dass Greenpeace Frankreich als David gegen Goliath die Steinschleuder immer treffsicherer einzusetzen weiss. Auf die Frage, ob Greenpeace denn überhaupt Zugang zu wichtigen Politikern hat, entgegnet Gavand lapidar: «Heute Nachmittag sind wir beim Premierminister.»

Bis Frankreich die Energiewende wirklich in Angriff nimmt, wird das grüne Lager noch viel, sehr viel Arbeit leisten müssen. Daran ändert auch nichts, dass die Grüne Partei in der Regierung sitzt: «Es ist seither nur schlimmer geworden», sagt Majnoni: «Wir haben eine Stimme verloren.» – «Immerhin», sagt ihre Kollegin, «hat sich mit Hollande zum ersten Mal überhaupt ein französischer Präsident zu einer Reduktion der Kernenergie verpflichtet. Aber wir machen uns wenig Illusionen.»

Wie wendig François Hollande seine energiepolitischen Pirouetten dreht, zeigt auch die Art, wie er am Vorabend der Wahlen 2012 mit den Grünen umgesprungen ist. Die Sozialisten hatten im Herbst 2011 in zähen Verhandlungen der Ökopartei erhebliche Zugeständnisse gemacht, um sich ihre Unterstützung zu sichern. Vereinbart wurde – im Fall eines Wahlsiegs – die Reduktion des Anteils der Kernenergie von 75 auf 50 Prozent bis 2025, was unter anderem die Schliessung von 24 der 58 Reaktoren bedeuten würde. 
Gerade einmal drei Wochen nach der Unterzeichnung des Pakts mit den Grünen kündigte Hollande an, dass er ihn nicht respektieren werde.

Die einst hoffnungsvolle Frage, ob Hollande sich gegen den nuklearen Machtblock würde behaupten können, stellt sich gar nicht mehr. Der Präsident, Abkömmling gleich dreier Eliteschulen, ist selbst ein Nukleokrat. Heute tut er sich sogar schwer damit, die Zeitbombe Fessenheim zu schliessen. 
Hollande spielt eine gefährliche Partie.

DAS UNVERMEIDLICHE

Der Herrscher im Élyséepalast setzt nicht nur sein Land und dessen Nachbarn den nicht kalkulierbaren Risiken der Atomenergie aus. Im Fall einer Wiederwahl 2017 würde er die nukleare Frage erst recht lösen müssen – und zwar um so dringender, nachdem er für die Energiewende so viel kostbare Zeit vertan hat. Der französischen Energiewirtschaft steht das Wasser nämlich bis zum Hals.

«Achtzig Prozent des Nuklearparks», sagt Sophia Majnoni, «wurden innerhalb der zehn Jahre um 1980 gebaut. Sie erreichen demnächst alle das Ende ihrer geplanten Laufzeit. Und die Reaktoren sind alle vom selben Bautyp. Würde man bei einem einzigen einen strukturellen Fehler entdecken, müssten wir alle abstellen. Dann droht tatsächlich ein Black-out.» Fukushima hat gezeigt, wie schnell so etwas gehen, wie gross ein solches Klumpenrisiko sein kann.

Seit Fukushima hat sich das kritische Lager jedoch verstärkt. Nicht nur Greenpeace gewinnt an Einfluss. Es gibt nun auch kompetente Journalisten auf dem Gebiet. Die Informationsmauern der Nukleokraten bröckeln. Die Nuklearsicherheitsbehörde ASN (bei uns: Ensi) frisst EDF und Areva nicht mehr völlig aus der Hand. Die Kosten der Atomenergie steigen und nagen an der Geldmacht der Energiekonzerne – und an ihrer Grosszügigkeit: Die lange mitverdienenden Gewerkschaften murren, weil der Rubel nicht mehr rollt. Grüne Technologien und die Konkurrenz durch immer günstigeren Ökostrom aus dem Ausland bedrohen die hiesige Industrie. Auf lokaler Ebene haben die Bürgermeister nach Fukushima begriffen, dass sie bei einem Unfall völlig hilflos wären.

Zwei Drittel der Franzosen leben in einem Umkreis von 75 oder weniger Kilometern von einem AKW entfernt. 
Bloss hat sich die Debatte in Frankreich leider immer nur um die Risiken gedreht. Lösungen im Sinn der Energiewende sind im Hochtechnologie- und Pionierland kaum entwickelt worden. Und nun soll bis 2014 ein neues Energiegesetz erarbeitet werden. 2015 beherbergt Frankreich die Klimakonferenz COP und wird im ökologischen Rampenlicht stehen. Und bis 2016 stellt die EU energiepolitisch ihre Weichen.

Gerade bei Letzterem kann Frankreich eine entscheidende Rolle spielen zwischen dem atom- und kohlefreudigen britisch-polnischen auf der einen und dem deutsch-dänisch-progressiven Lager auf der anderen Seite. Das ist etwas viel für die Nukleokraten. In der Tat dürften Hollandes fünf Jahre bis 2017 entscheidend sein. Der Moment ist für Frankreich geradezu historisch. Hoffen wir, dass er zum positiven Momentum wird.

FLAMANVILLE

Zurück in die Normandie zu Yannick Rousselet. Auf der Halbinsel fahren wir durch reiche, herausgeputzte Dörfer mit überdimensionierten Sporthallen und protzigen Gemeindehäusern. 
«Die Atomfirmen», erzählt Rousselet, «haben eine Strategie, die lokale Bevölkerung für sich einzunehmen.» Mitarbeiter, die sich lokalpolitisch engagieren, werden mit Mitteln ausgestattet. Standortsteuern vergolden die Gemeindekassen. Die Jobs sind gut bezahlt.

Wenn aber der von fast unbeschränkten Mitteln geölten Politmaschinerie das Geld ausgeht, schwindet der Einfluss auf die Politik und auf die Gewerkschaften. La Hague arbeitet an der Grenze der Rentabilität, weil der Plutoniumfabrik die Kunden davonlaufen. Das Plutonium aus La Hague ist ökonomischer Stumpfsinn. «Die Wiederaufbereitung war eine politische Lösung, um die Leute glauben zu lassen, man hätte die radioaktiven Abfälle im Griff», sagt Rousselet. Doch je ökonomischer die Energiewirtschaft zu denken anfängt, desto absurder wird das antiquierte System, das sich Frankreich aufgebaut hat. «Die Privatisierung wird die Nuklearindustrie killen», sagt Rousselet voraus.

Wir fahren von La Hague der Küste entlang nach Süden. Auch die Normandie spürt den Klimawandel. Der Winter war schneereich. Viel kalter Wind bläst auch im Frühjahr herbstlich aus dem Osten. Ja, es wird Herbst im Land der Nukleokraten. Wir erreichen Flamanville, wo zwei Atomreaktoren schon länger laufen und ein dritter gebaut wird: ein EPR (European Pressurized Reactor), ein trauriger ehemaliger Hoffnungsträger der französischen Nuklearindustrie. Sie hatte den EPR als neuen Exportschlager gedacht. Tatsächlich ist er ein ökonomisches Desaster.

Dabei liess sich der Handel gut an. Finnland bestellte ein solches AKW für Olkiluoto zum Fixpreis von drei Milliarden Euro. Jetzt hat es Areva schon deren acht gekostet und ist noch nicht fertig. Areva will in England bauen, aber die dortige Regierung weigert sich, Strompreisgarantieren für den 9-Milliarden-Bau zu leisten. Und auch Flamanville hat bereits solche Unsummen verschlungen, dass der italienische Partner Enel ausgestiegen ist.

Die Pleite hat viele Gründe. Vor allem wurde der EPR mit 1650 Megawatt Leistung viel zu gross konzipiert. Die Nukleokraten waren sich nicht bewusst, dass die Zeiten sich geändert haben. «Ein kleinerer Reaktortyp hätte sich wahrscheinlich besser verkauft», schätzt Rousselet. «Dann wären wir heute schlechter dran.» Die Arroganz von Areva, EDF und Co. ist auch eine Chance.

Man kann über Frankreich und seine atombesessene Machtelite den Kopf schütteln. Doch in den Ansätzen verhält sich die schweizerische Stromoligarchie ganz ähnlich: Da wird einer dezentralen, demokratischen Energieversorgung jeder mögliche Stein in den Weg gelegt. Im Grunde sind gewisse eidgenössische Betonköpfe um Doris Leuthard noch verantwortungsloser. Die hiesigen AKW sind nicht nur älter, im Gegensatz zum westlichen Nachbarn droht bei einem Atomausstieg auch nicht die Spur einer Stromlücke.

In Cherbourg schifften sich einst Hunderttausende Emigranten in die Neue Welt ein. Von hier ist die «Titanic» ihrem Untergang entgegen in See gestochen. Vielleicht wird es dereinst heissen: Hier blühte der nukleare Wahnsinn. Wir blicken auf den Ärmelkanal, La Manche, hinaus mit seinen Winden und seinen gewaltigen Meeresströmungen.

«Als die (mittlerweile entlassene; A.d.R.) Umwelt- und Energieministerin Delphine Batho im Februar hier war», erzählt Rousselet und schmunzelt unter seinem normannischen Schnauzbart, «erklärte sie, dass wir hier Strömungskraftwerke bauen könnten mit dem Potenzial von mehreren EPR.»

Frankreich hat lange genug mit dem Feuer gespielt. Vielleicht liegt seine Stromzukunft in diesen Wassern.


«Wir müssen weg von der Kernenergie. 
Ich schlage vor, den Anteil an Atomstrom bis 2025 von 75 auf 50% zu senken.»

Kommentar Greenpeace

So vollmundig zwitscherte Präsidentschaftskandidat Hollande im August 2011 seinen Wählern zu. Auch vom geplanten Super-Reaktor in Penly nahm er in jenem heissen Wahljahr Abstand – und gefiel den Grünen, deren Unterstützung er brauchte. Der eingeläutete Traum vom Atomausstieg unter sozialistischer Führung war aber von kurzer Dauer…

Nach der Wahl war nicht mehr die Rede davon, die notwendigen 20 Reaktoren stillzulegen. Selbst mit der Schliessung des Atomwracks Fessenheim tut sich der Präsident schwer. Am Ausbau von Flamanville hält er fest. Und in der lancierten Energiedebatte werden alle Risiken der Atomenergie systematisch ausgeblendet. Ein Atomausstieg ist freilich kein Thema. Die Förderung der Erneuerbaren dümpelt knapp über der Nullgrenze.

Jüngste Episode: Das Budget des Ministeriums für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie wird massiv gekürzt. Die sozialistische Ministerin Delphine Batho kritisiert diesen Entscheid und musste gehen. Der Druck der Industrie- und Energielobby bleibt wohl zu wuchtig für Hollande.


40 Jahre sind genug – Jetzt Petition unterzeichnen!