2019 verdoppelte sich die Anzahl Versicherungsgesellschaften, die sich aus Kohleprojekten zurückziehen. Bisher schneiden SwissRe und Zurich weltweit am besten ab. Doch auch diese Branchenleader müssen noch ambitioniertere Klimamassnahmen umsetzen.

Projekte im Kohlesektor werden immer weniger versicherbar. Dies zeigt der neue Report “2019 Scorecard on Insurance, Coal and Climate Change” von der NGO-Vereinigung Unfriend Coal. Die Scorecard 2019 analysiert 30 weltweit führende Versicherer zu ihren Massnahmen gegen Kohle und Klimaerwärmung und bewertet deren Richtlinien für Underwriting, Divestment Climate Leadership. Der Report wird heute zu Beginn des UN-Klimagipfels von 13 Organisationen aus 10 Ländern veröffentlicht, darunter auch Greenpeace.

Underwriting:

Swiss Re und Zurich sind führend bei der Beendigung von Versicherungsdienstleistungen im Kohlesektor. Sie haben die Deckung sowohl für neue als auch für bestehende Projekte und die in diesen Sektoren tätigen Unternehmen zurückgezogen sowie Richtlinien für Teersande veröffentlicht.

Divestment: 

Swiss Re, SCOR und Zurich führen beim Divestment. Ihre Richtlinien schliessen sowohl Kohle- und Teersandprojekte aus, als auch – im Falle von SCOR und Zürich – alle Unternehmen, die neue Kohleprojekte planen.

Climat Leadership: 

Der Versicherer Legal & General ist führend in Sachen Climate Leadership. Er unterstützt zahlreiche Aktionärsanträge, in denen Klimaschutz gefordert wird. Zudem setzt er sich dafür ein, dass sich diverse Wirtschaftsverbände mit dem Klimawandel befassen. Auch die Firmen Aviva, Zürich, Allianz und AXA schneiden in diesem Punkt gut ab.

Asti Roesle, Klima und Finanz-Campaignerin für Greenpeace Schweiz: “Obwohl SwissRe das globale Ranking anführt, erreicht der Schweizer Rückversicherungskonzern aus einem Maximum von 10 möglichen Punkten nur 4. Das mässige Ergebnis verdeutlicht, dass selbst Branchenführer SwissRe und Zurich in den kommenden Jahren noch erheblich ambitioniertere Massnahmen einleiten und umsetzen müssen, um Firmen, die einen Grossteil ihres Umsatzes mit fossilen Energien erwirtschaften, aus ihrem Kundenstamm zu verbannen.”

Trotz rückläufigen Versicherungsmärkten untergräbt die Kohleindustrie weiterhin internationale Klimaziele

Der Kohleausstieg der Versicherer hat spürbare Auswirkungen; Versicherungsmakler berichten, dass die Kosten für die Versicherung von Kohle mit dem Schrumpfen des Marktes steigen und mehrere Kohleunternehmen haben wiederum bestätigt, dass ein schrumpfender Versicherungsmarkt ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Dennoch ist Kohle nach wie vor die grösste einzelne Quelle für Kohlenstoffemissionen und der Handlungsbedarf somit noch riesig.

Das klimawissenschaftliche Institut Climate Analytics rechnet damit, dass bei einem globalen Temperaturanstieg auf 1,5°C die globale Kohleverbrennung bis 2020 ihren Höhepunkt erreichen, im nächsten Jahrzehnt um 80% unter das Niveau von 2010 fallen und vor 2040 enden müsste. Dennoch werden weiterhin neue Kohleminen und Kraftwerke finanziert, versichert und gebaut. Im Juli 2019 waren 2.459 Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2.027 Gigawatt in Betrieb, während weitere 980 mit einer Gesamtleistung von 925 Gigawatt geplant oder im Bau sind.

Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse hinken hinterher

Im Vergleich zu den grossen Schweizer Versicherungen hinken die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse noch hinterher. Sie tätigen weiterhin Kreditgeschäfte und Dienstleistungen im Kohlesektor sowie weiteren fossilen Industriebereichen. “Es braucht nun endlich auch von den Banken sowie weiteren Akteuren des Schweizer Finanzplatzes transparente und wirkungsvolle Massnahmen, um die globale Erhitzung auf 1,5 Grad zu beschränken.” hält Asti Roesle, Klima und Finanz-Campaignerin für Greenpeace Schweiz, fest.

Weitere Informationen:

Kontakte:

  • Asti Roesle, Klima und Finanz-Campaignerin für Greenpeace Schweiz, +41 (0)44 447 41 35, asti.roesle@greenpeace.org
  • Natalie Favre, Mediensprecherin Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 81, natalie.favre@greenpeace.org

Unfriend Coal

Unfriend Coal ist eine globale Koalition von NGOs und einer wachsenden sozialen Bewegung. Das Netzwerk fordert Versicherungsunternehmen auf, nicht mehr in Kohle zu investieren, Kohleprojekte und -unternehmen nicht mehr zu versichern und den Übergang zu sauberer Energie zu unterstützen. Der Bericht «The 2019 Scorecard on Insurance, Coal and Climate Change» ist bereits der dritte, den Unfriend Coal veröffentlicht und wird gemeinsam herausgegeben von 350.org; ClientEarth (UK); Stiftung «Development YES – Open-Pit Mines NO» (Polen); Friends of the Earth France; Greenpeace; Instituto Internacional de Derecho y Media Ambiente (Spanien); Japan Center for a Sustainable Environment and Society (Japan); Market Forces (Australia); Rainforest Action Network (USA); Re:Common (Italien); Solutions for Our Climate (Korea); The Sunrise Project (Australien); Urgewald (Deutschland).