Klimafahne_Kopenhagen_07
Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, aus Kopenhagen

19:00 Uhr: Draussen auf dem Rathausplatz hämmert eine Rockband für die tapfer ausharrenden, x-tausend UmweltaktivistInnen. Eine Mitarbeiterin hat mir soeben angerufen und erleichtert aber auch verärgert mitgeteilt, dass sie erst nach 8 Stunden Haft von der dänischen Polizei wieder freigelassen wurde. Ein begründeter Verhaftungsgrund ist nicht erkennbar: Sie war in einem Auto unterwegs.

Heute Morgen bereits hatte die Polizei den alten Greenpeace-Bus vor dem Konferenzzentrum eingekreist und alle sich dort aufwärmenden HelferInnen blockiert. Ausgiebige Gespräche und der Hinweis, dass sie genau jene Freiwilligen blockieren, die ihnen jeden Morgen heissen Kaffee servieren, fruchteten nichts. Erst nach der Intervention eines dänischen Anwaltes zogen die Ordnungshüter wieder ab.

20:15 Uhr: Draussen im Konferenzzentrum wird eine Medienkonferenz der Länder USA, China, Südafrika, Frankreich und Indien angekündigt. Es könnte wenigstens der Durchbruch für dieses Meeting sein, wenn diese Industrie- und Schwellenländer wenigstens etwas halbwegs Taugliches ausgehandelt haben.

21 Uhr: Es heisst, Medwedew sei bereits abgereist, und auch andere Delegationen rüsteten sich zum Aufbruch. Viele VertreterInnen der Entwicklungsländer seien frustriert. Die Medienkonferenz der Mächtigen lässt derweil weiterhin auf sich warten.

Zudem wird vermutet, dass es nur noch um ein drei- oder vierseitiges Papier gehen wird, das nichts weiter als politische Absichtserklärungen enthalten wird.

21:45 Uhr: Keine weiteren Neuigkeiten, kein Start der Medienkonferenz.

Vielleicht hatte Matthias Claudius alles zu Kopenhagen bereits gewusst, als er ‚der Mond ist aufgegangen’ dichtete:

Wir stolzen Menschenkinder

sind eitel arme Sünder

und wissen gar nicht viel

wir spinnen Luftgespinste

und suchen viele Künste

und kommen weiter von dem Ziel

Aber wäre es nicht grauenhaft betrüblich, gingen neben der im ganzen Universum vielleicht einzigartigen Artenvielfalt und all der berauschenden Schönheit der Natur auf der Erde auch jene verloren, die so wunderschön dichteten – und noch heute diesen Gedichten lauschen?

22:06 Uhr: Der Spiegel meldet, eine Art Vereinbarung, die kein Land wirklich befriedige, sei von 25 Ländern akzeptiert, primär sei sie unter Barack Obama/USA, Wen Jiabao/China und Manmohan Singh/Indien zustandegekommen. Es sei eine politische Erklärung und kein rechtlich verbindliches Abkommen.

22:14 Uhr: Jetzt ist eine Medienkonferenz der EU angesagt. Die andere, auf die alle warteten, die mit Obama und Wen Jiabao, ist abgesagt.

22:30 Uhr: Obama hält eine Medienkonferenz in Kopenhagen, sie wird aber nur über die Website des Weissen Hauses – und nur mit Ton, ohne Bild – veröffentlicht. „Copenhagen will not be the end, rather the beginning.“ Substantielles ist nicht enthalten, die einzige Zahl ist ein Bekenntnis zur maximalen Erwärmung von +2°C.

Jedes Land werde nun seine freiwilligen CO2-Reduktionen in einem Annex zur Vereinbarung veröffentlichen, was dann analysiert und zusammengerechnet werden könne.

Er wiederholt immer wieder, dass es wissenschaftliche Fakten seien, die es zu respektieren gäbe.

Immerhin bekennt Obama mit dem Blick auf das eigene Land, dass die Situation für die USA schwierig sei, hätten sie doch für Jahre nicht an den Verhandlungen teilgenommen und das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet. Und auch, dass sie jetzt eine grüne Wirtschaft nicht aus dem Boden stampfen können.

Schliesslich gesteht er ein, dass die Länder auf etwas viel Verbindlicheres sich einigen sollten, dass das jedoch nicht zu erreichen gewesen sei.

Das Dokument sei noch nicht fertig, doch das meiste stehe jedoch, müsse noch verfeinert werden und könne dann unterschrieben werden. Aber legal verbindlich sei es jedoch nicht. „Thanks guys.“ Und das war’s.

Kann es das gewesen sein?

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