Schon seit ca. 400 Millionen Jahren schwimmen sie durch die Weltmeere – lange bevor die ersten Saurier aus dem Ei schlüpften. Sie zählen zu den ältesten heute lebenden Wirbeltieren: viele der eleganten Jäger existieren beinahe unverändert seit über 60 Millionen Jahren.

Schon seit ca. 400 Millionen Jahren schwimmen sie durch die Weltmeere – lange bevor die ersten Saurier aus dem Ei schlüpften. Sie zählen zu den ältesten heute lebenden Wirbeltieren: viele der eleganten Jäger existieren beinahe unverändert seit über 60 Millionen Jahren.


Ein Seidenhai in Palau

©Greenpeace / Alex Hofford

Gestalt, Sinnesorgane und Anpassungsfähigkeit machen Haie so erfolgreich, dass sie bis heute in grosser Artenzahl existieren: Wissenschaftler unterscheiden zur Zeit ca. 500 Arten, vom ca. 20 Zentimeter kleinen «Zwerglaternenhai» (Etmopterus perryi) bis zum etwa 14 Meter langen Walhai (Rhincodon typus) – dem grössten Fisch überhaupt. Lebensweise, Nahrung und Verhalten variieren stark: so filtrieren beispielsweise Walhai und Riesenhai Plankton aus dem Wasser.

Haie haben sich an nahezu jeden Meereslebensraum angepasst – von den sehr kalten polaren Gewässern über gemässigte Breiten bis in die Tropen. Auch Süsswasserbereiche haben sie erobert: der Bullenhai (Carcharhinus leucas) wagt sich, vom salzigen Meerwasser weit entfernt, in Flüsse vor. Der bis zwei Meter lange Gangeshai (Glyphis gangeticus) lebt und gebärt seinen Nachwuchs wahrscheinlich im Süsswasser. Während viele Haiarten sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See leben, oft aber nicht tiefer als 300 Meter tauchen, ist z.B. der Pazifische Schlafhai (Somniosus pacificus) in ca. 1’000 Metern Tiefe zu Hause. Sogar in der Ostsee wurden mindestens 18 Hai-Arten als vorübergehende «Besucher» nachgewiesen, die meisten im Skagerrak und Kattegat.

An der Spitze der Nahrungskette

In den Meeresökosystemen spielen viele Haie eine Schlüsselrolle. Die Beutegreifer stehen oben im Nahrungsnetz und bilden das Meeres-Pendant zu Wolf, Bär, Tiger oder Adler.

Da sich die Meeres-Ökosysteme über viele Millionen Jahre als Ganzes entwickelt haben, kommt jeder Art eine wichtige Funktion zu. Wenn Beutegreifer wie Haie im Nahrungsnetz verschwinden, kann es zur starken Vermehrung der Beutetiere kommen – das natürlich entwickelte Gleichgewicht gerät ins Wanken.

Langsame Fortpflanzung

Während die Weibchen der meisten Fischarten Tausende von Eiern produzieren, die im Wasser befruchtet werden, vermehren sich Haie ähnlich wie Säugetiere: sie werden erst mit zehn bis zwölf Jahren oder deutlich später geschlechtsreif. Viele Arten haben nur alle zwei bis drei Jahre Nachkommen. Die Tragzeit dauert mit drei Monaten bis einem Jahr vergleichsweise lange. Mit je nach Art meist nur einem bis dreissig Jungtieren pro Wurf haben Haie ausserdem sehr wenige Nachkommen. Der in der Nordsee heimische und stark gefährdete Dornhai wird sogar erst mit 20-25 Jahren geschlechtsreif, seine Jungen kommen nach einer Tragezeit von fast zwei Jahren zur Welt. Die Weibchen z.B. des Katzenhais legen wenige befruchtete Eier im Wasser ab. Eine ledrige Hülle schützt die Embryonen, die sich vom Eidotter ernähren. Andere Haiarten bringen voll entwickelte Junge zur Welt, wie z.B. Weiss-, Blau-, Hammer-, und Tigerhai. Wie bei Säugetieren verbindet eine Nabelschnur die Embryos mit der Mutter. Nach der Geburt sind sie jedoch sofort selbstständig, die Mutter schwimmt davon. Nur fünf Prozent der Haie gebären den Nachwuchs auf hoher See. Die meisten Haie sind auf intakte Lebensräume an den Küsten angewiesen, die als Geburts- und Kinderstuben dienen. Dies gilt genauso für das Mittelmeer wie für die Flachwasserzonen tropischer Mangrovenwälder. Biologisch ungewöhnlich ist die in Aquarien bei manchen Haien beobachtete Geburt ohne vorherige Paarung (Parthenogenese).

Das Sinneswunder

Für Menschen ist es kaum vorstellbar, wie viele Sinneseindrücke gleichzeitig auf einen Hai einwirken und sein Verhalten beeinflussen.


Deutlich Sichtbar bei diesem toten Blauhai: die Lorenzinischen Ampullen

© Greenpeace / Paul Hilton

Unzählige Sinneszellen schicken Signale ans Gehirn, die von chemischen, optischen, akustischen, mechanischen und elektrischen Reizen ausgelöst werden. Geräusche, wie sie vom Zappeln eines verwundeten Fisches ausgehen, können einen Hai auch aus grosser Entfernung anlocken. Das Gehör von Haien ist auf deutlich niedrigere Frequenzen ausgerichtet, als das des Menschen. Wenn sich Haie einer Geräuschquelle nähern, nehmen sie zudem Geruchsstoffe auf, was ihnen die Orientierung erleichtert. Mit Hilfe von Riechgruben an der Schnauze spüren sie chemische Substanzen, z.B. Fischblut, in extrem geringen Konzentrationen auf: Bestimmte Haiarten können solche Geruchsstoffe selbst in einer Verdünnung von 1 zu 10 Milliarden riechen. Etwa zweidrittel des Hai-Gehirns ist auf Geruchswahrnehmung ausgerichtet.

In unmittelbarer Nähe nehmen Haie schwache elektrische Spannungsfelder wahr, die z.B. vom Herzschlag oder den Muskelkontraktionen einer möglichen Beute stammen. Dieses empfindliche Sinnesorgan, die «Lorenzinischen Ampullen» besteht aus dünnen, schleimgefüllten Kanälen, die über Poren mit der Hautoberfläche verbunden sind. Weitere Informationen gewinnt der Hai optisch, während er seine Beute umkreist und über den Tastsinn, falls er sie mit der Schnauze berührt oder anstösst.

«Killer»-Image zu Unrecht

Für viele Menschen ist ein Hai der Inbegriff des Schreckens, und das obwohl in Wahrheit nur äusserst wenige Menschen zu Opfern werden. Zwischen 50 und 80 Haiangriffe weltweit werden dem «International Shark Attack File» dem globalen Sammelregister, pro Jahr gemeldet. Nur 5 bis 15 davon enden tödlich. So tragisch dies im Einzelfall ist, sollte man die Relation aber immer im Auge behalten: Millionen Menschen baden und tauchen täglich im Meer – Angesichts dieser Menge, ist das Risiko von einem Hai verletzt oder getötet zu werden, enorm gering. Die Chancen vom Blitz getroffen zu werden oder von einer herbafallenden Kokossnuss (150 Tote pro Jahr) erschlagen zu werden, sind deutlich höher. Von Killer-Kokosnüssen würde aber dennoch nie jemand sprechen.

Laut Unfallberichten sind ohnehin nur 44 der ca. 500 Hai-Arten als gelegentliche Angreifer bekannt. Dazu gehören der Weisse Hai, der Bullenhai und der Tigerhai sowie verschiedene Arten von Riffhaien. Der Weisse Hai, der im gleichnamigen Film als mordende Fressmadschine inszeniert wird, geht unter natürlichen Bedingungen nur alle ein bis zwei Monate auf Jagd.

Die berüchtigten Gruselbilder in Film und Fernsehen werden erst durch gezielte Provokation mit blutigen Ködern insenziert. Mittlerweile gibt es ganz andere Begegnungen: erfahrene Haiforscher tauchen ohne Käfig-Schutz im freien Wasser friedlich mit mehreren Weissen Haien.

Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der Mensch nicht zum Beutespektrum von Haien gehört. Die bevorzugte, natürliche Beute sind je nach Haiart, hauptsächlich Robben und Fische, aber auch Oktopusse, Schilkröten und Krebs oder Plankton. Zu unglücklichen ausgehenden Interaktionen kann es kommen, wenn wir Menschen in das Territorium von Haien eindringen oder wenn Blut von harpunierten Fischen im Wasser verteilt ist. Auch das mangelnde Nahrungsangebot durch die industrielle Überfischung der Meere kann dazu führen, dass sich Haie auf Nahrungssuche näher an Strände oder Flussmündungen wagen. Unfälle mit Tauchern oder Surfern passieren also meist aufgrund unglücklicher Umstände und nicht weil die Haie den Menschen als Beute sehen.

Haie sind Opfer des Menschen

Der Mensch dagegen jagt Haie in einer Grössenordnung, die viele Haiarten an den Rand der Ausrottung treibt. Über 70 Haiarten stehen bereits auf der internationalen Roten Liste der IUCN (www.redlist.org).


Schillerlocke resp. Dornhai

© Greenpeace

Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung sterben jährlich mindestens 26 bis 73 Millionen Haie durch die Fischerei. Andere Experten schätzen die Zahl noch höher. Massenhaft werden Haie allein durch die industrielle Langleinenfischerei auf Tunfisch und Schwertfisch z.B. von der spanischen und portugisischen Fischereiflotte getötet. Spanien gehört zu den drei grössten Haifang-Nationen weltweit. Haiprodukte verstecken sich auch hinter Phantasie-Bezeichnungen, so dass die Verbraucher häufig nicht wissen, was sie wirklich kaufen. Eine beliebte Delikatesse sind «Schillerlocken» die geräucherten Bauchlappen des gefährdeten Dornhais, der in der Nordsee und im Nordost-Atlantik längst völlig überfischt ist. Sein Rückenfilet bieten die Fischhändler als «See-Aal» an. Heringshai-Steak (Lamna nasus) läuft auch unter «Kalbsfisch», «Seestör» oder «Karbonadenfisch».

Haie sind Opfer der modernen Fangmethoden mit immer grösseren Netzen und längeren Fangleinen. Früher galten sie oft als «unnützer Beifang» der wieder über Bord ging.

Heute werden sie vor allem wegen des lukrativen Geschäfts mit ihren Flossen gejagt, die hauptsächlich in Asien als «Delikatesse» gelten. Dazu werden den, meist noch lebenden, Haien die Flossen abgeschnitten und die schwer verstümmelten Tiere anschliessend über Bord geworfen, wo sie dann langsam und qualvoll verenden. Haiflossensuppe gibt es aber auch in Europa, besonders in Läden mit asiatischen Lebensmitteln und China-Restaurants. Einen Geschmack erhält die knorpelige Haiflossensuppe allerdings nur durch die zugesetzten Gewürze! Zudem enthält Haifleisch das gesundheitsschädliche Methylquecksilber.


Haiflossen auf einem Markt in Taiwan

© Greenpeace / Alex Hofford

Durch die zunehmende Fischerei in bisher unberührten Meeresregionen bis ca. 2’000 Meter Tiefe, verenden unzählige Hoch- und Tiefseehaie als «Beifang» über deren Biologie noch wenig bekannt ist. Im Golf von Mexiko ist nach Untersuchungen der Bestand des ehemals weit verbreiteten Weissspitzen-Hochseehais (Carchahinus longimanus) durch die Fischerei um bis zu 99 % zurück gegangen – dies kommt einem Verschwinden – bzw. nahezu einer Ausrottung – gleich ! Nach Meinung von Experten lässt sich bei dieser Hochsee-Haiart der starke Rückgang auch auf andere Meeresgebiete übertragen. Welche Konsequenzen im Ökosystem dies haben wird, kann noch niemand absehen.

Schwindel mit «Gesundheitsprodukten»

Ein Grossabnehmer für Haiprodukte ist neben der Haiflossenindustrie auch die Pharma- und Kosmetikindustrie: Collagen, Zauberwort für viele «Schönheitscremes», gewinnen Hersteller auch aus Knorpelskeletten unzähliger Haie und Rochen. Die Leber, die bei Haien bis zu 20 Prozent des Körpergewichts ausmachen kann, enthält ein Naturöl, Squalen genannt. Es wird unter anderem für Salben und Cremes verwendet.

Angebliche «Anti-Krebs-Pillen» aus getrocknetem Haiknorpel finden reissenden Absatz: Krebskranke in den USA und in Europa hoffen auf Hilfe durch diese vollkommen wirkungslosen Präparate. «Ebenso gut könnten Kurzsichtige versuchen, ihre Sehkraft durch den Verzehr von Adlerfelsich zu stärken», kommentiert Haiforscher und Biochemiker Carl Luer, der an einem Meeres-institut in Florida/USA Haiknorpel untersucht hat.

Einer der Hauptproduzenten von Haiknorpel in Costa Rica verarbeitet nach eigenen Angaben mehre hundert Tonnen Haie pro Monat. Der getrocknete Knorpel wird in die USA und nach Europa exportiert.

Solche Spezialverarbeiter gibt es viele in Mittelamerika. Viele Haie werden gefangen, bevor sie geschlechtsreif sind. Dies führt zu einer stark dezimierten Zahl der ausgewachsenen, fortpflanzungsfähigen Tiere, so dass mangels Nachwuchs ein Zusammenbruch der Bestände droht. Wissenschaftler warnen vor den Folgen für die sensiblen Ökosysteme tropischer Küstenmeere – die auch die Fischer von Speisefischen zu spüren bekommen werden.

Die Fischereimethoden müssen daher dringend so verändert werden, dass die Hai-Bestände nicht mehr gefährdet und für die Zukunft gesichert sind.

Bei Haien ist es wie bei Walen: sie zeigen den Zustand des Ökosystems. Wenn die Haie verschwinden, werden auch viele andere Arten verschwinden – und die Lebensvielfalt der Meere wird weiter verarmen. Es liegt in der Hand der Menschen – auch in der Hand jedes Einzelnen von uns – dies zu verhindern.

Gefährdung und internationaler Schutz

Die Hai-Spezialisten-Gruppe (Shark specialist group SSG) der <IUCN führt zur Zeit über 1’000 Hai- und Rochenarten (mit Haien eng verwandt) als bedroht auf. Darunter sind z.B. folgende Haiarten:

  • Dornhai (Squalus acanthias)
  • Walhai (Rhincodon typus)
  • Weisser Hai (Carcharodon carcharias)
  • Weissspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus)
  • Heringshai (Lamna nasus)
  • Riesenhai (Cetorhinus maximus)
  • Grossflossen- oder Sandbankhai (Carcharhinus plumbeus)
  • Düsterer Hai (Carcharhinus obscurus)
  • Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini)
  • Grosser Hammerhai (Sphyrna mokarran)
  • Glatter Hammerhai (Sphyrna zygaena)

Auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA bzw. CITES) 2002 gab es Schutzanträge Anhang II für den Walhai den Riesenhai: beide wurden nach anfänglichen Schwierigkeiten angenommen – ein erster Erfolg. Auf der CITES-Konferenz 2004 wurde auch der Anhang-II-Antrag für den Weissen Hai bestätigt.

Seit der CITES-Konferenz in Bangkok 2013 sind von den insgesamt 73 bedrohten Haiarten nun fünf geschützt. Dabei handelt es sich um den Heringshai, den Weissspitzen-Hochseehai und drei Hammerhaiarten, die in den Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) aufgenommen wurden. Zwei Mantaarten dürfen als Folge der Aufnahme in den Anhang II ebenfalls nur noch mit einer speziellen Fanglizenz gefischt werden. Diese neue Regelung tritt in 18 Monaten in Kraft und wird mit 1,2 Millionen Euro von der EU bezuschusst.

Montag, 12. August 2013
Ein Walhai der als Beifang in einem Fischernetz

© Greenpeace

Greenpeace fordert:

  • Fischart, Fangmethode, Herkunftsland, Fanggebiet und Rückverfolgbarkeit müssen bei allen Fischprodukten eindeutig gekennzeichnet sein.
  • Politik, Fischindustrie und Handel müssen die industrielle Fischerei zu einer ökologisch verträglichen Fischerei verändern, damit auch Haie durch die Fischerei nicht mehr gefährdet werden.
  • Den Verzicht auf Hai-Produkte, bis garantiert werden kann, dass dadurch keine Hai-Bestände oder Hai-Arten bedroht werden.
  • Sofortiger Verzicht auf Produkte von gefährdeten Arten, wie z.B. Dornhai oder Heringshai.

Das können Sie tun:

  • Kaufen Sie grundsätzlich keine aus gefährdeten Tierarten hergestellten Produkte. Dazu gehören auch Hai-Produkte, wie z.B.«Schillerlocken», «Seeaal», «Königsaal», Haisteak und Haifischflossensuppe – ebenso Arzneimittel und Kosmetika, die Hai-Produkte enthalten, beispielsweise Hai-Leberöl.
  • Fragen Sie beim Handel nach, woher die Hai-Produkte kommen und warum diese angeboten werden.
  • Jetzt die Petition zum Verbot des Hai-Finnings in Neuseeland unterstützen.

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