Die US-Armee hat den Weg freigemacht für den Bau des umstrittenen letzten Teilstücks einer Ölpipeline im US-Gliedstaat North Dakota. Die Dakota Access Pipeline führt durch ein Gebiet, das dem dort ansässigen Sioux-Stamm heilig ist, gefährdet ihre Wasserversorgung und befeuert die Klimakrise.

Die Indigenen nennen sie die Schwarze Schlange. Die Dakota Access Pipeline soll sich, wenn es nach dem Willen der Ölbarone und von US-Präsident Donald Trump geht, durch ihre heiligen Stätten in North Dakota fressen. Seit Monaten protestieren die Sioux, unterstützt von tausenden von Aktivistinnen und Aktivisten gegen das Projekt – sie sehen nicht nur ihre Gebietsrechte verletzt; die Sioux befürchten auch, dass ihr Wasserreservoir bei einem Leck in der Pipeline verseucht würde.

Tränengas und Verhaftungen

Gegen Ende des vergangenen Jahres spitzte sich die Situation zu. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, Tränengasschwaden waberten durch die eiskalte Luft im Norden der USA, Dutzende Protestierende wurden verhaftet. Es schien, als stünde die Räumung des Protestcamps kurz bevor. Doch dann schlug die Anspannung in Jubel um: Der noch amtierende Präsident Barack Obama hatte erwirkt, dass die Arbeiten vorläufig auf Eis gelegt wurden. Die für das Projekt zuständige US-Armee versprach, eine Alternativroute für die Pipeline zu prüfen. Die Schwarze Schlange schien besiegt. Doch der Jubel währte nicht lange.

Schon Ende Januar dieses Jahres, kurz nach seinem Amtsantritt, machte Donald Trump den Entscheid seines Vorgängers zunichte. Per Dekret machte er den Baustopp für die Pipeline rückgängig. Nun ist die US-Armee nachgezogen: Die Alternativroute wurde fallen gelassen, und auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung soll es keine geben – damit wäre immerhin etwas Zeit gewonnen worden. Jetzt könnten die Bauarbeiten schon heute Mittwoch wieder losgehen.

Schweizer Grossbanken als Geldgeber

Doch es gibt Hoffnung. Die Protestierenden von Standing Rock werden sich nicht so einfach vertreiben lassen und gehen gerichtlich gegen den Entscheid vor. Und weltweit wächst der Druck auf die Geldgeber des 4-Milliarden-Dollar-Projekts. Auch aus der Schweiz fliessen grosse Geldbeträge Richtung North Dakota: Die Grossbanken Credit Suisse und UBS sind je mit mehreren hundert Millionen Franken an dem Projekt beteiligt. Mary Sweeters, Klima-Campaignerin bei Greenpeace USA, gibt sich kämpferisch: «Trump, die Haupteigentümerfirma der Pipeline und die Geldgeber des Projekts können einen unnachgiebigen, anhaltenden und entschlossenen Widerstand erwarten gegen die Dakota Access Pipeline.»

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