Heute fanden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace, Bruno Manser Fonds und Pingwin Planet sowie polnische Bürgerinnen und Bürger vor der polnischen Botschaft in Bern ein. Sie überbringen dem Botschafter den dringenden Appell von vielen weiteren Organisationen, WissenschaftlerInnen und Menschen weltweit an die polnische Regierung: Die Abholzung im Bialowieza-Urwald muss sofort beendet werden.

Der Bialowieza-Urwald ist einer der letzten Urwälder Europas. Zwischen Polen und Weissrussland gelegen, bietet er Lebensraum für mehr als 11.000 Tierarten, darunter der grössten Population des europäischen Bisons. Die höchsten Eichen weltweit von über 40 Meter stehen in diesem Wald. Viele Bäume sind über 100 Jahre alt. Während in Weißrussland ein großer Teil des Waldes unter Schutz steht, entschied die Regierung in Polen die Abholzungsrate im polnischen Teil des Waldes für die nächsten zehn Jahre zu verdreifachen. Greenpeace hat in den vergangenen Monaten mit weiteren Organisationen im Bialowieza-Wald gegen dessen Zerstörung protestiert. AktivistInnen ketteten sich dabei an die Abholzungsmaschinen und an die Bäume.

Auch jetzt harren weiterhin beherzte Bürgerinnen und Bürger in einem Protestlager vor Ort aus, um die illegalen Abholzungsaktivitäten zu dokumentieren und wann immer möglich zu blockieren.

 
 
 
 
 
 
 

Polen isoliert sich zunehmend mit seinem Hardliner Kurs, auf der Abholzung im Urwald zu beharren. Anfangs Juli forderte die UNESCO die polnische Regierung auf, die Abholzungsarbeiten zu stoppen und einen grenzüberschreitenden Verwaltungsplan für den Urwald einzurichten. Der polnische Umweltminister Jan Szyszko habe in seiner Abholzungs-Entscheidung den aussergewöhnlichen universellen Wert des Bialowieza-Urwalds nicht berücksichtigt.

Sogar der Europäische Gerichtshof hat Ende Juli entschieden, dass die polnische Regierung die Abholzung und den Abtransport der Bäume sofort stoppen muss. Es ist das erste Mal in der Geschichte der EU, dass ein Mitgliedsland eine Anordnung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ignoriert.

Auch die EU-Kommission droht Polen mit Konsequenzen, doch die polnische Regierung mit Umweltminister Jan Szyszko zeigt sich weiterhin unbeeindruckt und treibt die Abholzung voran. Dabei ist der Bialowieza Urwald mit seinen unersetzbaren Naturschätzen ein polnisches Natur- und Kulturerbe, welches Touristen von nah und fern anzieht und dadurch vielen lokalen Kleinbetrieben und Pensionen im Tourismussektor ein Einkommen sichert.

Das grosse internationale Interesse zeigt: Der Bialowieza-Urwald ist nicht nur eine polnische Angelegenheit. Er ist ein unersetzbares europäisches Naturjuwel, für das es sich zu kämpfen lohnt.