Die Staatengemeinschaft hat sich in Australien auf einen bahnbrechenden Vertrag geeinigt. Auf einer Fläche so gross wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien entsteht in der Antarktis das weltweit grösste Meeresschutzgebiet. 



© Greenpeace / Daniel Beltrá

Derart unberührt wie das antarktische Rossmeer ist kaum noch ein Ozean auf der Welt. Viele Wale, Seehunde, Seeelefanten und Pinguine leben hier. Wenn sie sich bewusst wären, was 24 Länder und die EU in Australien entschieden haben… wir freuen uns stellvertretend für sie. Und wie! Als Teil der Antarctic Ocean Alliance fordern wir seit Jahren den Schutz ihrer Heimat. Jetzt hat es endlich geklappt: Im ökologisch bedeutsamen Gebiet sollen 1,55 Millionen Quadratkilometer geschützt werden. Das entspricht der Fläche von Deutschland, Frankreich und Grossbritannien zusammen. Im grössten Teil des neuen Schutzgebietes soll jegliche Fischerei für mindestens 35 Jahre verboten werden.

Zuletzt hatte sich nur noch Russland gegen die Ausweisung des Schutzgebiets gestellt, weil es Nachteile für seine Fischereiflotte fürchtete. Die Entscheidung konnte nur einstimmig getroffen werden. Das war jetzt der Fall. Es ist die erste Schutzzone dieser Art in internationalen Gewässern. Der gefundene Kompromiss bringe «den Schutz des Meeres, nachhaltige Fischerei und die Interessen der Forschung in ein Gleichgewicht», sagte der neuseeländische Aussenminister Murray McCully. In der Region entsteht ein Grossteil der Nährstoffe für die gesamten Weltmeere. WissenschaftlerInnen erforschen dort unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels.

Ein altes Anliegen von Greenpeace

1991 war die Förderung von Mineralrohstoffen in der Antarktis für 50 Jahre untersagt worden. Greenpeace spielte damals eine zentrale Rolle und überzeugte viele Länder, den Weltpark Antarktis für Frieden und Wissenschaft zu unterstützen. Der Schutz der Antarktis war eine unserer Prioritäten. Doch trotz Schutzverträge ist die Antarktis nicht vor Gefahren sicher. Wie die Arktis ist sie massiv von der Klimaerwärmung betroffen. Die dramatischsten Veränderungen sind auf der Antarktischen Halbinsel zu beobachten. Über 80 Prozent der Gletscher haben sich dort in den letzten 50 Jahren zurückgezogen, rund 28’000 Quadratkilometer Schelfeis brachen ab. Dramatische Beispiele sind der Verlust des Larsen-A- und des Prinz-Gustav-Schelfs 1995 und der Kollaps des Larsen-B-Schelfs 2002. 



© Greenpeace / Andy Loor

Tiere fühlen sich wohler als Menschen

Der Lebensraum der Antarktis ist der kälteste, windigste und trockenste aller Erdteile. 98 Prozent des Festlandes sind mit insgesamt 30 Millionen Kubikkilometern Eis bedeckt. Fast 90 Minusgrade und Windgeschwindigkeiten von 320 Stundenkilometern wurden schon gemessen. Im Sommer ist dieser Kontinent von vier, im Winter von zwanzig Millionen Quadratkilometern Packeis umgeben – das ist der bestimmende Faktor der Antarktis, eines Lebensraumes, der sehr viel grösser ist als der Kontinent Antarktika. Der einsamste aller Kontinente war nie über Brücken aus gefrorenem Meer-Eis erreichbar, konnte deshalb auch nicht wie die Arktis zu Fuss erobert werden. Um in die Antarktis zu gelangen, mussten warmblütige Wesen gute Schwimmer oder ausdauernde Flieger sein, sich mit dicker Speckschicht oder einem gut isolierenden Fellkleid den extrem harschen Lebensbedingungen angepasst haben – keine Chance für den dünnhäutigen homo sapiens.

Das eisige Meer führt grosse Mengen an Nährstoffen mit sich und liefert so den wichtigsten Beitrag zu einem Ökosystem, in dem es von kleinsten Lebewesen wimmelt – wie dem garnelenartigen Krill –, die viele Fische und Seevögel, die Pinguine und einen Teil der Robben, auch die mächtigen Bartenwale ernähren.

Die heutige Nachricht erfüllt uns mit grosser Freude! Damit sich die Fischbestände erholen können, braucht es viel mehr solche Meeresschutzgebiete — ein Netzwerk, das 40 Prozent der globalen Meeresfläche umfasst. Und auch die Arktis muss vor menschlichen Eingriffen bewahrt werden. 



© Greenpeace
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