Die 14 Mitglieder der Koalition «Lang leben unsere Produkte!» stellen fest: Es ist zwar allgemein anerkannt, dass langlebige Produkte wichtig sind,  um die Ressourcenverschwendung zu begrenzen. Aber die Wegwerfmentalität ist noch lange nicht überwunden. Das Problem? Auch heute sind viele Produkte nicht reparierbar:

  • Sie sind nicht zerlegbar (z.B. verschweisste Teile),
  • es gibt keine Ersatzteile
  • Reparaturen sind im Vergleich zu einem Neukauf zu teuer oder zu kompliziert
  • und viele Geräte werden aufgrund von technologischen Inkompatibilitäten oder fehlenden Software-Updates unbrauchbar.

Die Koalition

Die jüngst veröffentlichten Berichte, Erhebungen und Umfragen zu diesem Thema bestätigen, dass es immer noch viele Hindernisse für die Reparatur und längere Verwendung von Konsumgütern gibt. Im Juni 2022 berichtete Greenpeace Schweiz darüber, dass es für den Detailhandel in Sachen Kreislaufwirtschaft noch viel zu tun gibt. Das bestätigt eine Studie des FRC. Diese konnte aufzeigen, dass die meisten Geräte mit Garantie, die wegen eines scheinbar reparierbaren, Defekts zum Kundendienst gebracht werden, einfach weggeworfen werden – ohne vorherige Untersuchung. Meinungsumfragen zeigen demgegenüber, dass die Bevölkerung bereit wäre, mehr zu reparieren.

Fehlende Rahmenbedingungen und Gesetzesrevisionen

Leider fördern die aktuellen Rahmenbedingungen eher Recycling und Verwertung als eine Wirtschaft, in der Produkte länger und weiterverwendet werden. Es engagieren sich zwar viele privatwirtschaftliche, öffentliche und nichtstaatliche Akteur:innen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Es gelingt ihnen aber nicht die Veränderungen umzusetzen, die angesichts der aktuellen ökologischen Herausforderungen notwendig sind.

Dieser Herausforderung widmet sich der Entwurf zur Revision des Umweltschutzgesetzes. Dieser wurde als Reaktion auf die Parlamentarische Initiative «Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken» erarbeitet. 

Das Thema Kreislaufwirtschaft ist in der Politik allgegenwärtig – in den letzten Jahren wurden im Parlament mehr als 30 Vorstösse zu diesem Thema eingereicht. Bei der Revision des Umweltschutzgesetzes handelt es sich um den vielversprechendsten Entwurf. Als Einziger schlägt er endlich gesetzliche Änderungen vor, um die vorzeitige Entsorgung von Gegenständen zu bekämpfen.

Die Koalition «Lang leben unsere Produkte!» möchte diese Ambitionen unterstützen und stärken, die bestehenden Ansätze fördern und wirtschaftliche und politische Akteur:innen ermutigen, das Marktangebot bereits jetzt zu verbessern. Sie will einerseits erreichen, dass die Konsument:innen Gebrauchsgegenstände nicht wegwerfen müssen. Andererseits will sie den Übergang zu einer echten, gross angelegten Kreislaufwirtschaft unterstützen.

Die Kreislaufwirtschaft

Glasflaschen für Bier oder Wein wiederverwenden, statt sie zu recyceln. Ersatzteile und detaillierte Anleitungen zur Verfügung stellen, um einen Staubsauger oder ein Telefon zu reparieren. Baumaterialien aus dem Abriss eines Gebäudes wiederverwenden, um ein neues Gebäude zu errichten. All das ist Teil einer Kreislaufwirtschaftslogik. Diese basiert auf der einfachen, aber wirksamen Idee, Ressourcen, Materialien und Gegenstände in der Wirtschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Dies wird durch eine Reihe von Strategien erreicht:

  • den Ressourcenverbrauch absolut oder pro Produkt- oder Dienstleistungseinheit reduzieren;
  • Materialströme durch Verlängerung der Lebensdauer von Produkten verlangsamen (z. B. durch Wartung, Wiederverwendung, Reparatur, Neu- und Wiederaufbereitung usw.);
  • Materialströme schliessen (stoffliche und energetische Verwertung von Abfällen). 

Um diese Strategien umzusetzen, müssen die Grundsätze des Ökodesigns oder des Kreislaufdesigns bereits zu Beginn des Lebenszyklus von Produkten angewandt werden. Die angewandten Design-Grundsätze bestimmen die Menge und Qualität der Materialien sowie die Energie, die für die Herstellung und den Gebrauch der Gegenstände benötigt wird. Sie definieren auch, welche Kreislaufwirtschafts- und «End-of-Life»-Strategien später angewendet werden können.

Um diese Strategien umzusetzen, müssen die Grundsätze des Ökodesigns oder des Kreislaufdesigns bereits zu Beginn des Lebenszyklus von Produkten angewandt werden. Die angewandten Design-Grundsätze bestimmen die Menge und Qualität der Materialien sowie die Energie, die für die Herstellung und den Gebrauch der Gegenstände benötigt wird. Sie definieren auch, welche Kreislaufwirtschafts- und «End-of-Life»-Strategien später angewendet werden können.

Ziele und Massnahmen der Koalition

Die Mitglieder der Koalition «Lang leben unsere Produkte!» haben folgende gemeinsame Ziele:

Verschwendung und Umweltverschmutzung durch die vorzeitige Entsorgung von Konsumgütern bekämpfen, indem ihre Lebensdauer verlängert wird.

Änderung der Rahmenbedingungen, damit der Markt Produkte anbietet, die nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gestaltet sind. Dazu sollen nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum in verschiedenen Politikbereichen stärker beücksichtigt werden(Umwelt, Wirtschaft, Bildung, Landwirtschaft usw.).

Den Konsument:innen einen einfachen und erschwinglichen Zugang zu Reparatur und Wiederverwendung ermöglichen, als Alternative zum Neukauf.

Unterstützung der Entwicklung eines Wirtschaftsnetzwerks innovativer Akteur:innen in den Bereichen Reparatur, Wiederverwendung und gemeinsamer Nutzung von Produkten (einschliesslich Umschulungsprogrammen) und Aufwertung bestehender Initiativen.

Zu diesem Zweck, und um den Informationsaustausch zu fördern, bringt die Koalition Akteur:innen zusammen, die sich in der Schweiz mit der Reparatur und Wiederverwendung von Gegenständen befassen. Sie wollen gemeinsame politische Aktionen durchführen, um die laufende parlamentarische Arbeit zu ergänzen und zu unterstützen. Sie wollen das Thema ganz oben auf der politischen Agenda halten. 

Die Koalition plant auch Kommunikationsmassnahmen, um die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für einen nachhaltigen Konsum zu informieren. Sie will Fachwissen über die im Schweizer Kontext vorgesehenen Lösungen vermitteln.

Joelle Herin, Fachexpertin Kreislaufwirtschaft, Greenpeace Schweiz