Müll, soweit das Auge reicht: Die Strände der philippinischen Hauptstadt Manila sind übersät mit Plastik. Mit lokalen Gruppen startet Greenpeace ein Projekt gegen diese Müllflut. Michael Meyer-Krotz, Campaigner bei Greenpeace Deutschland, unterstützt die Kolleg*innen vor Ort und berichtet hier im Blog. Teil 2.

An diesen Anblick kann ich mich einfach nicht gewöhnen: Diese Unmengen von Müll, die das Meer hier am Strand von Freedom Island auf den Philippinen an Land speit. Mit jedem Wechsel von Ebbe und Flut erneut. Mit einer kleinen Müllzange in der einen und gelbem Müllsack in der anderen Hand hocke ich am Strand und sammle Plastikverpackungen. Vor einigen Tagen ist unser Projekt auf den Philippinen angelaufen. Nach erprobten Methoden der „Break Free From Plastic“-Bewegung wird der Müll zunächst gesammelt und anschließend nach verschiedenen Kriterien sortiert, gewogen und erfasst. Auf diese Weise liefern alle ihre Strandreinigungen vergleichbare Daten. Zusätzlich machen wir auf Freedom Island zum ersten Mal in diesem Maßstab auch eine Auswertung nach Produktmarken und -herstellern. Meine  Aufgabe heute: Nur die Verpackungen, bei denen die Marke zu erkennen ist, kommen in den Müllsack. Zum Glück bin ich nicht alleine. Etwa sechzig weitere Menschen  bewegen sich in ähnlich gebückter Körperhaltung durch knöchelhohen Müll über den Strand.

Greenpeace-Campaigner Meyer-Krotz beim Clean-Up. ©Daniel Müller

Es werden überwiegend Kleinstverpackungen gefunden. ©Daniel Müller

Lokale Ehrenamtliche unterstützen die Aufräum- und Sortieraktion der Umweltverbände. ©Daniel Müller

Greenpeace fordert: Weg vom Einwegplastik. ©Daniel Müller


Der überwiegende Teil dessen, was ich hier heute finde, sind Kleinstverpackungen; Tagesportionen für Kaffee, Trockenmilch, Bonbons, Shampoo, Flüssigseife. Hier werden sie „Sachets“ genannt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut erhalten die Verpackungen sind.Plastik ist halt zäh – und ist längst ein globales Umweltproblem . Seine Stärke, die Haltbarkeit, ist gleichzeitig das größte Problem bei der Entsorgung. Dieses Zeug zerfällt einfach nicht. Eigentlich sollte ich mich über jedes Fitzelchen Plastik, das am Strand anlandet freuen…ist es doch wenigstens aus den Meeren raus und kann abgesammelt werden.

Währenddessen steigt die Sonne höher; der Schweiß strömt. Unmittelbar neben mir hockt eine Mitstreiterin, die mir ab und zu bedruckte Verpackungen zuwirft. Sie sammelt anderen Müll; und das mit einer Zielstrebigkeit und Effektivität, die mich staunen lässt. Während ich weiter vor mich hinsammle frage ich mich, ob die Hersteller eigentlich den Hauch einer Ahnung haben, was ihre Produkte und deren Verpackung hier anrichten. Von Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie wird mir vermittelt, wie einfach, praktisch und billig Wegwerf-Verpackungen sind („convenient“). Hier am Strand mit Zange und Müllbeutel in der Hand, wird klar, wie absurd diese Einstellung ist!

Das Ergebnis meiner Sammlung von heute Vormittag geht weiter zu den Mistreiter*innen, die sich um die Auswertungen kümmern. Ich verziehe mich dankbar in den Schatten. Pause. Wasser. Ich hätte es mir nicht so mühsam vorgestellt und bin erstaunt, dass tatsächlich langsam ein gereinigter Strandabschnitt entsteht. Bis Mittag ist ein schmaler Streifen des Strandes tatsächlich sauber. Nun ist die Sonne so hoch, dass dieser Teil der Arbeit unterbrochen wird. Nach dem Mittagessen geht es im Schatten von Überdachungen dann mit Sortieren, Zählen und Wiegen des Mülls weiter.

Vor uns liegt noch eine Menge Arbeit. In knapp einer Woche veröffentlichen wir dann das Ergebnis und die Top 10 der wahren Verursacher dieser Plastikflut.