Die diesjährigen Verhandlungen der Internationalen Meeresbodenbehörde sind vorbei. Die Anzahl Staaten wächst, die sich gegen Tiefseebergbau aussprechen. Doch gleichzeitig wollen Firmen wie die kanadische The Metals Industry die ISA als Regulator umgehen. Der Schutz der Tiefsee und unserer Meere ist noch lange nicht sicher.

Ende Juli ging in Kingston, Jamaika, die 31. Jahresversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) zu Ende. Unter den Teilnehmer:innen waren auch Vertreter:innen der offiziellen Schweiz und als Beobachter:inenn von Greenpeace International.

Im Fokus der Verhandlungen der UNO-Organisation mit 171 Mitgliedsstaaten standen Diskussionen um den Mining Code, einem Regelwerk für den Abbau von Rohstoffen in den internationalen Gewässern der Tiefsee. 

Ein weiteres Thema waren die Alleingänge der Industrie. Firmen wie die kanadische The Metals Company (TMC) und das Schweizer Unternehmen Allseas wollen mit Unterstützung von Donald Trump die ISA umgehen (siehe Kasten).

Die wichtigsten Ergebnisse

Kein Mining Code: Die ISA hat kein Regelwerk für den kommerziellen Tiefseebergbau verabschiedet. Tiefseebergbau in internationalen Gewässern bleibt verboten.

Vertragsverlängerungen: Die ISA-Mitglieder hat den Explorationsvertrag von Nauru Ocean Resources Inc. (NORI), einer hundertprozentigen TMC-Tochterfirma, für Manganknollen im Pazfik um fünf Jahre verlängert. Ein Explorationsvertrag ist eine Art Forschungslizenz für den probeweisen Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee.

Lizenverlängerung trotz Untersuchung: Die ISA-Mitglieder haben die Forschungslizenz von NORI in der Clarion-Clipperton-Zone verlängert, obwohl die ISA mögliche Vertragsverbrüche durch TMC untersucht (siehe unten «Klage gegen die ISA»).

TMC versucht mit Unterstützung der USA an ISA-Regularien vorbei, Tiefseebergbau in internationalen Gewässern zu betreiben (siehe Kasten). Hierzu hatte der ISA-Council im Juli 2025 einstimmig eine Prüfung des Vorgehens von TMC und deren Tochterfirmen NORI und Tonga Offshore Mining Ltd. (TOML) eingeleitet.

Im Klartext: Durch die Lizenzverlängerung versäumten es die ISA-Mitglieder ein klares Zeichen zu setzen und die potenziell völkerrechtswidrigen Aktivitäten von TMC, Allseas und Trump zu verurteilen.

Klage gegen die ISA: Im Vorfeld der ISA-Verhandlungen hatten die zwei TMC-Tochterfirmen NORI und TOML vor dem Internationalen Seegerichtshof (ITLOS) in Hamburg ein Verfahren gegen die ISA eingeleitet. Mit der Klage gegen die UNO-Organisation wollte TMC erreichen, dass die ISA ihre Untersuchungen einstellt. Am 18. Juli hat der Seegerichtshof vorläufig entschieden, dass die ISA die Untersuchungen gegen TMC weiterführen darf. 

Beobachterstatus: Die ISA-Mitglieder stärkten die Rolle von Bergbaufirmen. Sie haben neu einen Beobachterstatus.

Mehr Forschung: Die ISA erkannte den dringenden Bedarf, die Tiefseeforschung zu intensivieren, basierend auf einem Vorschlag des Inselstaates Vanuatu. Bereits früher haben sich über 940 Wissenschafter:innen aus mehr als 70 Ländern gegen Tiefseebergbau ausgesprochen.

Mehr Staaten für Moratorium: Mauritius, Mosambik und die Republik Kongo schlossen sich in den vergangenen Tagen einem Moratorium für Tiefseebergbau an. Jetzt sind 46 Länder gegen diese zerstörerische Industrie. Die Schweiz hat sich 2023 für ein Moratorium ausgesprochen.

Fazit

Greenpeace verurteilt den Entscheid der Vertragsverlängerung von NORI. Er ist ein fatales Signal, weil er weitere Abbaupläne der umstrittenen Tochterfirma von TMC ermöglicht. 

Unverständlich: Mit diesem Signal stärken die ISA-Mitglieder Industrieunternehmen, die sich gegen sie richten und als Institution aushebeln wollen. 

Noch stehen die Tiefseebergbau-Maschinen still. Aber nach wie vor gibt es kein flächendeckendes Moratorium für Tiefseebergbau und damit auch keinen dauerhaften Schutz der Tiefsee. 

Protest von Greenpeace-Aktivist:innen gegen Allseas und Trump

Greenpeace hat die Geschichte von Allseas in einem Kurzvideo zusammengefasst.

Das Video haben Greenpeace-Aktivist:innen an verschiedenen Orten in der Schweiz projiziert – beim Schloss Chillon (VD), auf den Swissmill Tower in Zürich, am Rheinufer in Basel, auf die amerikanische Botschaft in Bern und auf den Wasserturm bei der Kapellbrücke in Luzern.

Weitere Informationen zum Tiefseebergbau finden sich in der Greenpeace-Studie «Power games in the Deep: The stakes for the ISA and Deep Sea Mining for 2026 and beyond».

Protestmail: Allseas, Finger weg vom Tiefseebergbau!

Wir lassen nicht zu, dass Allseas die Tiefsee zerstört. Sende eine Protestmail an Allseas-CEO Pieter Heerema!