Das Kantonsgericht Freiburg hat am 6. Oktober 2025 die Beschwerde von Greenpeace Schweiz und dem Anwohner Alaric Kohler vom Dezember 2022 gegen die Revision der Ortsplanung (OP) in St-Aubin zurückgewiesen. Die Ortsplanung soll Micarna ermöglichen, in St-Aubin im Kanton Freiburg einen riesigen Geflügelschlachthof zu bauen. Aufgrund der Beschwerde haben die Gemeinde und der Kanton diesen Teil der Ortsplanung aufgegeben. Sie sind der Ansicht, dass die AgriCo-Zone, in welcher der Schlachthof gebaut werden soll, ausschliesslich durch den kantonalen Nutzungsplan (KNP) geregelt wird. Greenpeace Schweiz und Alaric Kohler nehmen zur Kenntnis, dass der umstrittene Artikel der Ortsplanung gestrichen wurde, und verzichten darauf, die Beschwerde an das Bundesgericht zu bringen. Sie bedauern jedoch, dass das Gericht nicht in der Sache entschieden hat.

«Das Kantonsgericht weist darauf hin, dass die Beschwerde bereits im Jahr 2020 bei der öffentlichen Auflage des kantonalen Nutzungsplans hätte erhoben werden müssen, obwohl zu diesem Zeitpunkt nichts auf den Bau eines riesigen Schlachthofs hindeutete», empört sich Alaric Kohler, Einwohner von St-Aubin und Präsident des Vereins EcoTransition. «Wir haben in einem anderen Verfahren nachgewiesen, dass zu diesem Zeitpunkt kleinere Gebäude für andere Arten von Unternehmen geplant waren (Anhang A zum KNP, 2018, S. 7). Leider stellt das Gericht fest, dass es völlig legal war, die Bewohner:innen der Region durch die Verwendung von sehr allgemeinen Begriffen wie «handwerkliche und industrielle Aktivitäten» im Unklaren zu lassen. Das Hauptargument ist umso überraschender, als das Bundesgericht im Verfahren zum Detailausstattungsplan die Beschwerde mit dem gegenteiligen Argument abgelehnt hat: ich hätte zu früh Beschwerde erhoben.»

«Trotz dieses juristischen Rückschlags sind wir entschlossen, unser Engagement gegen den Bau des Mega-Schlachthofs fortzusetzen. Dieser läuft den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Umstellung unseres Ernährungssystems zuwider», erklärt Florian Kasser, Rechercheur bei Greenpeace Schweiz.

Greenpeace Schweiz hat noch zwei weitere Verfahren hängig: Einerseits möchte Greenpeace, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, dass der Kaufvertrag zwischen dem Kanton Freiburg und Micarna öffentlich zugänglich gemacht wird (Beschwerde im Mai 2024 auf kantonaler Ebene); andererseits hat Greenpeace Einsprache gegen die Baugenehmigung für das klima- und umweltschädliche Projekt erhoben (Juli 2024). 

«Migros beharrt darauf, dass der Bau eines riesigen Schlachthofs ein innovatives und nachhaltiges Projekt sei, obwohl der Konsum tierischer Lebensmittel zum Schutz des Klimas und der Umwelt reduziert werden muss», erklärt Florian Kasser. Greenpeace wird sich weiterhin unermüdlich für ein widerstandsfähiges, faires und zukunftsfähiges Ernährungssystem einsetzen, in dem pflanzliche Proteine gefördert werden. Dazu braucht es verbindliche Zielvereinbarungen zwischen dem Bund und dem Detail- und Grosshandel, die dazu führen, dass der ökologische Fussabdruck des Lebensmittelsortiments absolut gesehen sinkt.

«Wir bedauern insbesondere, dass während dieser Verfahren keine grundlegenden Überlegungen angestellt wurden: Niemand scheint sich ernsthaft mit der Zukunftsfähigkeit eines industriellen Schlachthofs dieser Grösse angesichts der Klimakrise auseinanderzusetzen oder darüber nachzudenken, dass der enorme Wasserbedarf an diesem Standort derzeit nicht gedeckt werden kann», schliesst Alaric Kohler.

Mehr Informationen

Das PDF zur Entscheidung des Kantonsgerichts ist auf Anfrage erhältlich.

Kontakte

Greenpeace Schweiz: Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, [email protected]

EcoTransition – La Broye: Alaric Kohler, Präsident des Vereins, +41 78 737 91 42, [email protected] (französischsprachig)