Die Tiefsee ist einer der letzten weitgehend unerforschten Lebensräume unseres Planeten. In völliger Dunkelheit und bei eisigen Temperaturen leben Wesen, die wirken, als kämen sie aus einer anderen Welt. Doch diese fragile und einzigartige Welt ist bedroht, unter anderem durch den geplanten Tiefseebergbau. Wir stellen dir fünf aussergewöhnliche Tiefseetiere vor und zeigen, warum wir ihren Lebensraum schützen müssen.

Pfannkuchen-Fledermausfisch (Halieutichthys aculeatus)

© Dante Fenolio / Science Photo

Weshalb ist er gefährdet?

Der ausgewachsene Pfannkuchenfisch lebt am Meeresboden – genau dort, wo der Tiefseebergbau ansetzt. Die Maschinen tragen den Boden ab und zerstören den Lebensraum des Pfannkuchenfischs, der sich über Jahrtausende gebildet hat.

Die Larven des Pfannkuchen-Fledermausfischs schweben im Wasser, die ausgewachsenen Tiere leben auf dem Meeresboden in einer Tiefe von bis zu 800 Metern. Sie sind keine schnellen Schwimmer. Stattdessen «laufen» sie mit modifizierten Flossen über den Meeresboden und sparen so Energie.

Erdbeer-Kalmar (Berryteuthis magister)

© Blue Planet Archive / David W

Weshalb ist er gefährdet?

Licht und Lärm durch Maschinen könnten seine fein abgestimmten Fähigkeiten stören. Die Tiefsee ist normalerweise ein stiller, dunkler Raum und jede Veränderung kann das Verhalten der Tiere beeinflussen.

Der Erdbeer-Kalmar fällt sofort auf: Er ist bis zu einem Meter lang und über zwei Kilogramm schwer und gehört zu den vergleichsweise grossen Kalmaren. Seine leuchtenden Organe helfen ihm, sich zu orientieren und zu kommunizieren. Zudem hat er unterschiedlich grosse Augen. Ein Auge ist klein und bläulich, das andere ungewöhnlich gross und gelb. Diese Asymmetrie dient dazu, sowohl schwaches Licht von oben als auch das Leuchten (Biolumineszenz) anderer Tiere zu erkennen.

Erdbeer-Kalmare sind im Nordpazifik und in den subarktischen Gewässern vor Japan, Korea, Russland und Nordamerika vor allem weit abseits der Küsten anzutreffen. Die ausgewachsenen Tiere leben in grösseren Gruppen in einer Tiefe von bis zu 1500 Metern in der Nähe des Meeresbodens.

Fangzahnfisch (Anoplogaster cornuta)

© Blue Planet Archive / David W

Weshalb ist er gefährdet?

Wenn durch Tiefseebergbau-Maschinen verursachte riesige Sedimentwolken das Wasser trüben, kann das seine Nahrungssuche massiv erschweren.

Die Zähne des nur 15 cm langen Fangzahnfisches sind furchterregend und lang. Er kann sein Maul nur schliessen, wenn er sie in zwei Hohlräumen links und rechts neben seinem Gehirn verstaut. Der Fangzahnfisch lebt im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean in Tiefen von bis zu 5000 Metern. Dort sind Beutetiere Mangelware. Trotz seines bedrohlichen Aussehens ist er ein kleiner Jäger, der darauf angewiesen ist, zufällig Beute zu finden. Seine Zähne helfen ihm, dass bereits der erste Fangversuch sitzt.

Glaskopffisch (Macropinna microstoma)

© Blue Planet Archive / Espen R

Weshalb ist er gefährdet?

Viele Tiefseearten wie der Glaskopffisch sind kaum erforscht. Eingriffe in ihren Lebensraum könnten Arten auslöschen, bevor wir sie überhaupt richtig kennen.

Der Glaskopffisch besitzt einen transparenten Kopf, durch den seine Augen sichtbar sind. Diese können sich drehen und so auch Beutetiere wahrnehmen, die sich über ihm befinden. Zudem kann er dank zwei rundlichen Gruben zwischen den Augen Gerüche im Wasser wahrnehmen.

Die Art gehört zur Familie der Gespensterfische und lebt im nördlichen Pazifik von der Beringstrasse und Japan bis zum mexikanischen Bundesstaat Baja California.

Dumbo Oktopus (Grimpoteuthis)

© Blue Planet Archive / David W

Weshalb ist er gefährdet?

Der Dumbo Oktopus lebt nahe am Meeresboden, also genau dort, wo Tiefseebergbauaktivitäten stattfinden würden. Die Zerstörung seines Lebensraums wäre unumkehrbar.

Der Dumbo Oktopus lebt in den tiefsten, dunkelsten Regionen des Atlantiks und Pazifiks in einer Tiefe von bis zu 7000 Metern. Mit seinen elefantenohrartigen Flossen gleitet der Dumbo Oktopus ruhig und energiesparend durch die Tiefsee. Mit den Armen kann er dabei in jede Richtung steuern oder sie zum Kriechen auf dem Meeresboden einsetzen.

Zu seinen natürlichen Fressfeinden gehören Haie, Schwertwale, Thunfische und grosse Kopffüsser wie zum Beispiel Kalamare. Doch im Gegensatz zu anderen Tintenfischen verzichtet der Dumbo Oktopus auf Tinte zur Verteidigung. In der Dunkelheit wäre sie ohnehin wirkungslos.

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Tiefseebergbau: Gefahr für eine unbekannte Welt

Tiefseebergbau bedeutet, in mehreren tausend Metern Tiefe Rohstoffe wie Manganknollen, metallhaltige Krusten an Seebergen und Schwefelverbindungen an Massivsulfiden (Hydrothermalquellen an vulkanisch aktiven Zonen) abzubauen. Riesige Maschinen würden den Meeresboden abtragen und Sedimente aufwirbeln. Es wäre ein massiver Eingriff, der die Lebensräume vieler Tierarten zerstört, die über Millionen Jahre gewachsen sind. Zu den gravierenden Folgen des Tiefseebergbaus gehören:

  • Zerstörung von Lebensräumen: Manganknollen-Felder und Tiefsee-Ebenen sind Lebensraum für unzählige Arten. Viele davon sind unentdeckt. Wir wissen weniger über die Tiefsee als über den Mond. Tiefseebergbau würde diese Lebensräume unwiederbringlich zerstören.
  • Sedimentwolken mit weitreichenden Folgen: Beim Tiefseebergbau entstehen riesige Wolken aus aufgewirbeltem Material. Diese Sedimentwolken können sich über weite Strecken ausbreiten, Tiere zum Ersticken bringen und empfindliche Ökosysteme beeinträchtigen.
  • Lärm- und Lichtverschmutzung: Die Tiefsee ist ein Ort der Dunkelheit und Stille. Industrielle Aktivitäten würden diese Bedingungen massiv verändern mit unvorhersehbaren Folgen für Tiere, die auf genau diese Umgebung angewiesen sind.
  • Unumkehrbare Schäden: Anders als viele Lebensräume an Land oder in flachen Meeren regeneriert sich die Tiefsee extrem langsam. Ein einmal zerstörtes Ökosystem erholt sich über Jahrtausende nicht.

Wir fordern deshalb einen Stopp der Pläne für den Tiefseebergbau. Die Bergbauindustrie hat an Land Grenzen überschritten, die wir im Ozean niemals überschreiten dürfen. Stellen wir uns vor, die Menschen hätten die Wahl, die Welt vor Schäden der fossilen Brennstoffindustrie zu schützen, bevor diese überhaupt entstanden sind. Genau das ist die Chance, die wir beim Tiefseebergbau haben. Wir können eine unnötige und zerstörerische Industrie stoppen, bevor sie überhaupt begonnen hat.