Medienmitteilung anlässlich des Besuchs der politischen Fraktionen, Deponiebetreiber und Medien aus Rheinland-Pfalz auf der Deponie Hirschacker

Zürich(CH)/Grenzach-Wyhlen(D). Seit
September 2008 wissen das Landratsamt Lörrach und das Ingenieurbüro
HPC, das für Roche den Hirschacker saniert, selber: Die so genannte
Baggerschurf-Beprobung führt im Gegensatz zur Haufwerksbeprobung zu
massiven Fehldeklarationen. Dies belegt ein internes Papier von HPC
mit Kopie an das Landratsamt Lörrach vom 24.9.2008, das Greenpeace
heute veröffentlicht. Die selber festgestellte Fehlerquote von 50 %
kehrten die Lörracher Behörden und HPC aber unter den Tisch. Obwohl
sie von der Fehlerhaftigkeit wussten, deklarierten und entsorgten
die Verantwortlichen 17’000 Tonnen Hirschacker-Mülls trotzdem
ausschliesslich aufgrund der mangelhaften Baggerschurf-Methode in
Deponien in Rheinland-Pfalz. Greenpeace fordert von den Behörden
und Roche ein Ende der verharmlosenden Stellungnahmen und die
Korrektur der begangenen Fehler.

Mit dem Methodenvergleich Baggerschurf/Haufwerk
stelle Greenpeace «Zusammenhänge her, die es nicht gibt». Deshalb
seien die Greenpeace-Vorwürfe, wonach bei der Teil-Sanierung der
Roche-Chemiemülldeponie in Grenzach mit überwiegend falschen
Abfalldeklarationen gerechnet werden müsse, «nicht relevant». So
lässt sich Jürgen Hirnschal vom Landratsamt Lörrach gestern in der
Presse zitieren. Nun: Genau diese Zusammenhänge, die es anscheinend
nicht gibt, hat das Ingenieurbüro HPC schon im September 2008 beim
Vergleich der Analyseresultate von vier Baggerschurf/Haufwerken
selbst hergestellt: die Fehlerquote bei der Abfalldeklaration durch
Baggerschurf-Beprobung betrug 50 %. Die von Greenpeace nach einer
Auswertung von 54 Haufwerks- vs. Baggerschurf-Analysen
festgestellte Fehlerquote war 65 % – dabei war der Fehler bei der
Zuweisung der Abfallklassen so gross, dass 40 % der durch die
Baggerschurf-Methode beprobten Abfälle nicht auf Deponie, sondern
in thermische Behandlung hätten gehen müssen.

Das von Greenpeace heute veröffentlichte
HPC-interne Dokument zeigt, dass HPC den Methodenvergleich
Baggerschurf/Haufwerk als Reaktion auf die verweigerte
Material-Annahme durch die Deponie Eichelbuck bei Freiburg schon im
September 2008 selber durchgeführt hatte – exakt auf die gleich
Art, wie Greenpeace ihn jetzt gemacht, resp. am Dienstag
veröffentlicht hat. HPC hält im Schreiben vom 24.9.2008 wörtlich
fest: «Auf Grundlage der Nachuntersuchung (…) vom 11.9.2008 sind
zwei der vier [mittels Baggerschürfen, Anm. Greenpeace]
aushubvorauseilend beprobten Haufwerke der Belastungsklasse DK1
(…) wie folgt neu zu deklarieren.»

Danach folgen im HPC-Schreiben die
Umklassierungen zweier Abfall-Einheiten von DK1 (gemäss
Baggerschürfen) zu einer tieferen (Z1.2), bzw. zu einer höheren und
somit gefährlicheren Abfalleinheit DK2. Mit anderen Worten: Rund
zwei Wochen nachdem das Regierungspräsidium Freiburg die Ablagerung
auf der Deponie Eichelbuck bei Freiburg wegen fehlender
Haufwerksbeprobungen untersagt hatte, wussten HPC und Landratsamt
Lörrach: die Hälfte der Abfalldeklarationen aufgrund von
Baggerschurf- im Vergleich zur umfassenderen Haufwerksbeprobung war
falsch. Somit musste auch klar sein, dass Baggerschurf-Beprobungen
sehr fehlerhaft und für die Abfalldeklaration somit untauglich
sind. Am 23.10.2008 bestätigte auch das Umweltministerium
Baden-Württemberg, dass umfassendere Haufwerksbeprobungen nötig
sind – doch auch dieser dritte Fingerzeig bewirkte vorerst nichts.
Die massiv fehlerhafte Baggerschurf-Abfalldeklaration und die
daraus folgende unsachgemässe Entsorgung von 17’000 Tonnen
Hirschacker-Mülls in die Deponien Budenheim, Berg und Kapiteltal in
Rheinland-Pfalz ging bis Mitte Dezember 2008 weiter.

Matthias Wüthrich von Greenpeace vor Ort in
Grenzach-Wyhlen kommentiert: «Das Landratsamt Lörrach weiss schon
lange, wie untauglich die Abfalldeklaration per
Baggerschurf-Methode ist. Trotzdem deckt es die gefährliche
Billigentsorgung von Hirschacker-Müll nach Rheinland-Pfalz.
Greenpeace will keine neuen Altlasten, die das Grund- und
Trinkwasser verschmutzen. Jetzt ist Schluss mit dem Verharmlosen –
die Behörden müssen intervenieren und die begangenen Fehler
korrigieren. Der abgekippte Hirschacker-Müll in Rheinland-Pfalz
muss zur fachgerechten Beprobung wieder raus – auch für den noch
unsanierten Hirschacker gilt: gefährlicher Chemiemüll muss
weg!»

HCP-Dokument

Illustration Unterschied Baggerschurf- und
Haufwerkmethode

Greenpeace Präsentation anlässlich des
Deponiebesuchs vom 26.3.2009

Pressemeldung und
Unterlagen vom 23.4.2009

Kontakt:

Matthias Wüthrich, Leiter Chemiekampagne Greenpeace Schweiz, +41
44 447 41 31

Presseabteilung Greenpeace Schweiz +41 44 447 41 11