Wie Modemarken Konsumenten zu unfreiwilligen Komplizen bei der weltweiten Wasserverschmutzung machen.

Zusammenfassung

Die vorliegende Studie befasst sich mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien in der Textilproduktion. Getestet wurden Markenartikel von 20 internationalen Modehäusern, darunter Armani, Levi’s und Zara. Die internationale Greenpeace-Kampagne Detox («Entgiften») setzt sich für eine saubere Textilherstellung ein. Bereits im Jahr 2011 deckte die Umweltorganisation mit Abwasseruntersuchungen auf, dass Modemarken chinesische Flüsse mit Chemikalien vergiften.

Für den aktuellen Test haben Greenpeace-Mitarbeiter im April 2012 insgesamt 141 Kleidungsstücke in 29 Ländern eingekauft. Hergestellt wurden die Artikel laut Etiketten in mindestens 18 verschiedenen Ländern, überwiegend auf der südlichen Erdhalbkugel. Für 25 Kleidungsstücke wurde kein Herstellungsland angegeben. Zu den Artikeln für Herren, Damen und Kinder zählten Jeans und Hosen, T-Shirts, Kleider und Unterwäsche – sowohl aus Kunst- als auch aus Naturfasern. 31 der untersuchten Textilien waren bedruckt (Plastisol-Aufdruck): Dieser Teil des Gewebes wurde auf Weichmacher (Phthalate) und Nonylphenolethoxylate (NPE) getestet. Weichmacher sind ebenso wie Nonylphenole (NP) – ein Abbauprodukt von NPE – hormonell wirksam.

In vier Kleidungsstücken wurden hohe Konzentrationen gesundheitsschädlicher Phthalate gefunden. Zwei Kleidungsstücke enthielten krebserregende Amine, die bei der Verwendung bestimmter Azofarbstoffe entstehen. Nonylphenolethoxylate (NPE) wurden in 89 Kleidungsstücken (knapp zwei Drittel der getesteten  Artikel) gefunden. Im Screening-Verfahren wurden weitere industrielle Chemikalien nachgewiesen.

Wichtige Ergebnisse

  • NPE wurden in insgesamt 89 Kleidungsstücken (63 % aller getesteten Artikel) gefunden. Die Konzentrationen reichten von knapp über 1 mg/kg bis zu 45.000 mg/kg. Das Kleidungsstück mit dem höchsten NPE-Gehalt stammt von C&A und wurde in Mexiko produziert und verkauft.
  • Alle Modemarken haben mindestens zwei Produkte mit nachweisbaren NPE-Konzentrationen verkauft. NPE wurden in Artikeln aus 13 der 18 Herstellungsländer und 25 der 27 Verkaufsländer nachgewiesen.
  • NPE-Konzentrationen über 1 mg/kg (entspricht 100 ppm) wurden in 20 Prozent der getesteten Artikel nachgewiesen. NPE-Konzentrationen von über 1.000 mg/kg wurden in zwölf Proben nachgewiesen.
  • Die Kleidungsstücke mit den höchsten NPE-Konzentrationen stammen von den Marken C&A (1 Artikel) und Mango (3), Levi’s (2), Calvin Klein (1), Zara (1), Metersbonwe (2), Jack & Jones (1) und Marks & Spencer (1).
  • Phthalate wurden in allen 31 Proben mit Plastisol-Aufdruck gefunden, das Maximum liegt bei 37,6 Gewichts-Prozent im Aufdruck-Bereich des Kleidungsstückes. Die vier Artikel mit den höchsten Phthalat-Konzentrationen stammen von den Marken Tommy Hilfiger (2 Artikel, 37,6 % und 20 %), Armani (22,3 %) und Victoria’s Secret (0,52 %).
  • Zwei Produkte von Zara enthielten Azofarbstoffe, die krebserregende Amine freisetzen. Die gefundenen Konzentrationen befinden sich noch innerhalb gesetzlicher Grenzwerte – diese sind für einen krebserregenden Stoff nach Auffassung von Greenpeace jedoch zu hoch.
  • Im Screening-Verfahren wurden viele weitere industrielle Chemikalien oder Chemikaliengruppen nachgewiesen, von denen einige als «giftig» oder «sehr giftig für Wasserorganismen» eingestuft werden. Beim Screening-Verfahren werden allerdings keine Konzentrationen für die nachgewiesenen Chemikalien ermittelt.

Bericht herunterladen