Die Welt ist wunderschön – und zerbrechlich. An kaum einem anderen Ort zeigt sich das so gut wie in den Gletscherhöhlen des Morteratschgletschers im Oberengadin (GR). Das Eis ist bizarr geformt und schimmert in unzähligen Blautönen. Der Anblick lässt einen innehalten und ruhig werden. Gleichzeitig sind da die Tropfen des Wassers und die Eisstücke, die am Boden liegen. Es sind Zeichen der Verletzlichkeit dieser Wunderwelt. 

Die Gletscherhöhlen am Morteratsch entstanden, weil sich der Gletscher zurückzieht. Seit 1900 hat er mehr als zweieinhalb Kilometer Länge verloren. Das Schmelzwasser bringt das Eis zum Tauen und formt eine Grotte. Bis diese zusammenbricht. 

Der Morteratschgletscher und seine Eishöhlen waren im März 2026 Kulisse für eine aussergewöhnliche Aufführung der Schweizer Musikerin To Athena und eines vierköpfigen Ensembles (Geige, Bratsche, Cello, Piano). Zusammen mit Greenpeace-Aktivist:innen sind die Musiker:innen an einem frühen Mittwochmorgen vom Bahnhof Morteratsch aus auf den Gletscher gewandert, um ein Musikvideo zu drehen. Das Material haben sie in Rucksäcken und mit speziellen Schlitten zum Drehort transportiert. 

Ziel war es, ein kraftvolles Statement zu schaffen und damit auf die Schönheit der Natur und den Klimaschutz aufmerksam zu machen. 

Ein Video für den Erhalt unserer Gletscher

Entstanden ist ein Video mit atemberaubenden Bildern und eindringlicher, feiner Musik. Schönheit ist auf vielen Ebenen zu spüren und zu sehen. Das Video zeigt eine Welt, die wir Menschen lieben, die wir brauchen, die wunderschön und gleichzeitig zerbrechlich ist. Das Video ist ein Aufruf, Widerstand gegen die Zerstörung der Welt zu leisten und sich gemeinsam für unsere Lebensgrundlagen einzusetzen.

«Die Gletscherhöhlen sind magisch. Ich bin überwältigt von ihrer Schönheit und mehr als glücklich, dass ich auf dieser eisigen Bühne singen durfte», sagt To Athena. 

Mensch und Umwelt aus dem Gleichgewicht

«Collide» heisst der Song, den die Musikerin zum Projekt beisteuerte. Darin erzählt sie von ihrem Burnout, vom Drang, immer mehr machen, immer mehr geben zu wollen. Bis zum Kollaps. «Ich habe meine Grenzen überschritten und musste schmerzhafte Erfahrungen machen. Ebenso zerstörerisch gehen wir Menschen mit der Welt um. Wir überschreiten planetare Grenzen. Wir bringen unsere Lebensgrundlage aus dem Gleichgewicht. Bis zum Kollaps. Warum? Wir alle sind Geschöpfe dieser Erde. Unser Wohlbefinden ist untrennbar mit dem Zustand der Erde verbunden. Wir müssen unsere Welt schützen», sagt To Athena. 

Der Glaziologe Giovanni Kappenberger, der ebenfalls an diesem wolkenlosen Tag auf den Gletscher gewandert ist, stimmt vollumfänglich zu. Kappenberger kennt den Morteratschgletscher seit seiner Kindheit. «Die Höhlen veranschaulichen das dramatische Verschwinden der Gletscher. Die menschengemachte Klimakrise lässt das Eis schwinden», sagt er. In den vergangenen Jahren haben sich weltweit immer mehr Gletscher zurückgezogen. In der Schweiz ist die Eismasse der Gletscher in nur zehn Jahren um einen Viertel geschrumpft, 2025 verschwanden drei Prozent ihres Volumens. Das ist der viertgrösste Schwund seit Messbeginn

© Greenpeace / David Bürgisser

Die Frage lautet also: Was können wir tun?

Wir handeln. In der ganzen Schweiz und weltweit erheben Menschen ihre Stimme, fordern Veränderungen und widersetzen sich der Zerstörung der Welt. 

«Das Video ist eine Form des Widerstands. Es steht in Kontrast zum Abbau von Umweltgesetzen und der Missachtung der Grenzen – sowohl der Menschen als auch des Planeten. Die Klimakrise und der Verlust der Biodiversität sind von uns Menschen verursacht. Wir haben es in der Hand: Gehen wir einen anderen Weg, schützen wir unsere Lebensgrundlagen! Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit mit To Athena und das Video viele Menschen in der Schweiz inspirieren, sich für mehr Klimaschutz und den Schutz der Biodiversität einzusetzen», sagt Iris Menn, Geschäftsleiterin von Greenpeace Schweiz. 

© Greenpeace / David Bürgisser