Was verbindet das beschauliche Châtel-St-Denis im Kanton Freiburg mit Donald Trump und einem der grössten Raubzüge der modernen Geschichte? Die Antwort führt in die Tiefsee. Und zum Schweizer Unternehmen Allseas, das beim geplanten Abbau wertvoller Rohstoffe vom Meeresboden eine Schlüsselrolle spielt.
Der Schatz in der Tiefsee
Auf dem Grund der Ozeane liegen sogenannte Manganknollen: kartoffelgrosse Mineralienklumpen, die über Millionen von Jahren entstanden sind. Das grösste Vorkommen befindet sich in der Clarion-Clipperton-Zone im Pazifik, einem Gebiet von der Grösse Europas. Manganknollen enthalten begehrte Metalle wie Kobalt, Nickel, Kupfer und Mangan. Das sind Rohstoffe, die für Batterien, Elektronik und andere Technologien benötigt werden. Deshalb bezeichnet die Industrie sie gerne als «Battery in a Rock».
Doch die Manganknollen sind weit mehr als nur ein Rohstofflager. Sie bilden die Grundlage einzigartiger Ökosysteme in der Tiefsee, die bis heute kaum erforscht sind. Die Vereinten Nationen betrachten den Meeresboden jenseits nationaler Hoheitsgebiete deshalb als das «Gemeinsame Erbe der Menschheit».
Tiefseebergbau bedroht einzigartige Lebensräume
Um an die Manganknollen zu gelangen, sollen riesige Unterwasserroboter durch den Meeresboden wühlen. Dabei würden sie Sedimentwolken aufwirbeln, Lebensräume zerstören und Organismen vernichten, deren Existenz die Wissenschaft teilweise erst seit wenigen Jahren kennt. Die ökologischen Folgen sind kaum abschätzbar. Schäden durch Testabbauten aus den 1970er- und 1980er-Jahren sind auf dem Meeresboden bis heute sichtbar. Rund 1’000 Wissenschaftler:innen warnen deshalb vor den unkalkulierbaren Umweltrisiken des Tiefseebergbaus und fordern ein Moratorium.
Die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) hat bislang keine Genehmigung für kommerziellen Tiefseebergbau in internationalen Gewässern erteilt. Ein industrieller Abbau ohne entsprechende Bewilligung würde internationales Recht verletzen.
Donald Trump stellt internationales Recht infrage
Trotz dieser Warnungen treibt US-Präsident Donald Trump den Tiefseebergbau voran. Sein Ziel ist es, den Zugang der USA zu strategischen Rohstoffen für die Rüstungsindustrie, Rechenzentren und Hightech-Produkte zu sichern.
Per Dekret setzt sich Trump im Jahr 2025 über die ISA hinweg. Mit seiner Erlaubnis könnte der Tiefseebergbau in internationalen Gewässern schon 2027 beginnen. Ein klarer Bruch des Völkerrechts. Von diesem politischen Kurs profitiert insbesondere das kanadische Unternehmen The Metals Company (TMC), das seit Jahren den kommerziellen Tiefseebergbau vorantreiben möchte.
Die Schlüsselrolle von Allseas
Hier kommt die Schweiz ins Spiel.
Allseas gehört zu den weltweit grössten Unternehmen im Bereich maritimes Engineering. Bekannt wurde das Unternehmen unter anderem durch den Bau von Offshore-Infrastruktur sowie durch die Verlegung der Pipeline Nord Stream 2. Doch Allseas verfolgt seit Jahren auch Pläne für den Tiefseebergbau. Das Unternehmen verfügt über Spezialschiffe und entwickelte Unterwassertechnologie für den Abbau von Manganknollen.
Zudem ist Allseas an The Metals Company beteiligt und hat das Unternehmen mit millionenschweren Darlehen unterstützt. Mit der Tochtergesellschaft Blue Minerals Switzerland positioniert sich Allseas gleichzeitig selbst für einen Einstieg in den Tiefseebergbau.
Wir lassen nicht zu, dass Allseas die Tiefsee zerstört. Sende eine Protestmail an Allseas-CEO Pieter Heerema!
MitmachenDie Schweiz ist gefordert
Obwohl von den mehr als 4’000 Mitarbeitenden nur ein kleiner Teil in der Schweiz beschäftigt ist, befindet sich der Hauptsitz von Allseas in Châtel-St-Denis im Kanton Freiburg. Als Grund werden in Medienberichten steuerliche Überlegungen genannt.
Damit stellt sich auch eine politische Frage für die Schweiz: Welche Verantwortung trägt ein Land, wenn ein hier ansässiges Unternehmen an Projekten beteiligt ist, die internationales Recht unterlaufen?
Der Bundesrat spricht sich derzeit gegen den kommerziellen Tiefseebergbau aus. Gleichzeitig befindet sich mit Allseas eines der weltweit wichtigsten Unternehmen für die technische Umsetzung dieser Industrie in der Schweiz.
Während Politik und Wirtschaft über den Zugang zu Rohstoffen diskutieren, steht weit mehr auf dem Spiel: Die Tiefsee gehört zu den letzten weitgehend unberührten Lebensräumen unseres Planeten. Viele ihrer Arten sind noch unbekannt. Werden ihre Lebensräume zerstört, könnten sie unwiederbringlich verloren gehen.
Firmen wie Allseas, The Metals Company und Autokraten wie Donald Trump zählen darauf, dass wir wegschauen, wenn sie das «Gemeinsame Erbe der Menschheit» zerstören. Schaust du weg?


