Die 70. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart endet erneut, ohne ein Schutzgebiet für Wale im Südatlantik auszuweisen. Die nötige Dreiviertelmehrheit für das von Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragte South Atlantic Whale Sanctuary (SAWS) kam nicht zustande. Die Schweiz war ebenfalls vor Ort und spielte eine kritische Rolle. Sie zog ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen vor gezielter Jagd zurück.
Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace Deutschland, hat die Verhandlungen vor Ort begleitet. Sie bedauert, dass mehrere Schutzanträge ausgebremst oder voreilig zurückgezogen wurden:
«Diese Konferenz der Internationalen Walfangkommission hätte ein historischer Erfolg zum 40. Jahrestag des Walfangmoratoriums werden können. Doch auch im 80. Jahr des IWC-Bestehens wird der weltweite Schutz der Wale von den immer gleichen Ländern ausgebremst. Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik – mehr als doppelt so gross wie die USA – hätte den Meeresschutz einen wichtigen Schritt vorangebracht und das Momentum für weitere Schutzmassnahmen geliefert.
Somit steckt in dieser Niederlage ein Auftrag: Bei der anstehenden ersten UNO-Hochseeschutzkonferenz im kommenden Januar müssen sich die Teilnehmer:innen umso stärker dafür einsetzen, dass mit dem neuen Abkommen ein globales Netz vollständig geschützter Gebiete entsteht.
Bei der Abstimmung in Hobart für das von Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragte Wal-Schutzgebiet im Südatlantik (South Atlantic Whale Sanctuary, SAWS) fehlten für die nötige Dreiviertelmehrheit (43 Stimmen) vier Stimmen. Wichtige Unterstützer-Nationen für den Walschutz wie Finnland und Luxemburg waren in diesem Jahr nicht vor Ort.
Neben den Angriffen auf das Moratorium durch die Walfang-Lobby hat auch die Schweiz eine kritische Rolle in Hobart gespielt. Trotz Zuspruch nahmen sie ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen vor gezielter Jagd vorzeitig zurück.
Die EU wiederum hat es verpasst, diesem Vorschlag mehr Rückendeckung und Unterstützung zu geben. Ihre eigens vorgeschlagenen Massnahmen zu Beifang, Schiffskollisionen und Strandungen konnten beschlossen werden, da sie unstrittiger waren und eben nicht gezielt den Walfang adressierten.
Auch wenn das Walfangmoratorium noch mit grosser Mehrheit verteidigt wurde, hat das Treffen nicht die erhofften und nötigen Fortschritte gebracht. Diese IWC hat leider gezeigt, dass unsere Meere weiterhin unter enormem Druck politischer Machtinteressen stehen.»
Bilder
Eine Auswahl an kostenfreien Wal-Fotos oder Video-Footage finden Sie in der Greenpeace-Mediendatenbank.
Kontakt
Für Einordnungen und Interviews Franziska Saalmann, Meeresbiologin Greenpeace Deutschland, [email protected], 0049 170 723 73 13,
Roland Gysin, Medienstelle Greenpeace Schweiz, [email protected], 044 447 41 17


