Macht die Staatengemeinschaft weiter wie bisher, dauert es 265 Jahre, bis
30 Prozent der Ozeane geschützt sind. Das steht in einer neuen Greenpeace-Studie. Zum heutigen Start der UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt in Armenien fordert die Umweltorganisation die teilnehmenden Staaten auf, bei
der Schaffung von Meeresschutzgebieten dringend vorwärts zu machen.

Die Lederschildkröte ist mehrere hundert Kilogramm schwer und rund zwei Meter lang. Riesige Fischfangschiffe fischen im Atlantik genau dort, wo die Wanderrouten der gefährdeten Tiere durchgehen. 

Eine neue Greenpeace-Studie mit dem Titel «Well connected» zeigt: 80 Prozent der Lebensräume, in denen Lederschildkröten einem mittleren bis hohen Beifangrisiko ausgesetzt sind, liegen ausserhalb vorgeschlagener Schutzgebiete. Der bisherige Schutzansatz bringt wenig. 

Im Atlantik gibt es keine vollständig geschützten Hochseegebiete. Industrielle Fischerei ist zumindest teilweise erlaubt. Das muss sich ändern. Grossflächige Schutzgebiete würden die Wanderrouten der Lederschildkröten schützen und das Sterberisiko dieser gefährdeten Art verringern. Schutzgebiete sind überlebenswichtig.

Die Greenpeace-Studie erscheint zum Auftakt der UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt (CBD COP17) in Armenien. Dort geht es unter anderem um die erzielten Fortschritte im Meeresschutz, darunter um den beschlossenen Schutz von mindestens 30 Prozent der Weltmeere bis 2030. Das ist das Minimum, um den Ozeanen und ihren Bewohner:innen eine Chance auf Erholung zum Beispiel vor Überfischung zu geben. 

Die Regierungen müssen dringend die Lücke zwischen Verpflichtungen und Taten schliessen. Die Greenpeace-Studie zeigt, dass es bei der derzeitigen Schutzrate 265 Jahre dauern würde, bis 30 Prozent der Ozeane vollständig geschützt sind.

Iris Menn, Meeresbiologin und Geschäftsleiterin Greenpeace Schweiz, sagt: «Die Studie offenbart, wie schleppend die Fortschritte der Regierungen beim Schutz unserer Ozeane sind. Ein Netz aus Schutzgebieten auf hoher See würde den Regierungen helfen, die globalen Ziele für den Meeresschutz zu erreichen und den mangelnden Fortschritt einzelner Nationen auszugleichen. Wenn sie das nicht tun, gibt es möglicherweise bald keine Tiere mehr, die es zu schützen gilt.»

Ein Netz für den Atlantik
Derzeit sind nur 3,5 Prozent der Weltmeere vollständig oder in hohem Masse vor zerstörerischen menschlichen Aktivitäten wie Überfischung oder Tiefseebergbau geschützt.

In der Studie «Well Connected» schlägt Greenpeace im Atlantik ein Netz von zusammenhängenden Schutzgebieten vor. Diese würden 31 Prozent der atlantischen Hohen See abdecken und in internationalen Gewässern Biodiversität-Hotspots miteinander verbinden. Zudem würden sie fast 45 Prozent der Gefahrenzonen für Buckelwale schützen, wodurch das Risiko von Schiffskollisionen erheblich verringert würde.

In der Studie hat Greenpeace 17 Gebiete bezeichnet, die im Rahmen des globalen Ozeanvertrags als vollständig geschützte Meeresschutzgebiete ausgewiesen werden sollten. Das würde die gesamte Schutzfläche stark vergrössern und auch Standorte abdecken, wo wandernde Arten den schlimmsten Bedrohungen ausgesetzt sind.

Die Schweiz hat den Ozeanvertrag unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert. Die Vernehmlassungsfrist für das neue Hochseeschutzgesetz lief am 6. Oktober ab. Das Gesetz ist die Grundlage für die Ratifikation.

Links
Greenpeace-Studie «Well-Connected» (Englisch)
Zusammenfassung «Ein Netz für den Atlantik» (Deutsch)

Kontakt

Iris Menn, Meeresbiologin und Geschäftsleiterin Greenpeace Schweiz, [email protected], 079 886 75 92

Roland Gysin, Medienstelle Greenpeace Schweiz, [email protected], 044 447 41 17