Ein Team von Greenpeace-Mitarbeitern beginnt heute in der Irischen See mit Untersuchungen der radioaktiven Belastungen durch die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Vorgesehen ist die Entnahme von Sediment- und Wasserproben im Einleitungsbereich flüssiger radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung. Ausserdem sollen radiologische Analysen vorgenommen werden, um das Ausmass der Strahlenbelastungen von Menschen, Tieren und Umwelt zu belegen.

Hamburg. Bereits im April hatte Greenpeace auf die hohen Belastungen von Tauben in der Region um Sellafield mit den Radionukliden Caesium 137 und Americium 241 hingewiesen. Die Verstrahlung betrug rund 300 000 Becquerel pro Kilogramm. Zum Vergleich: Pilze aus der Region um Tschernobyl dürfen ab einer Belastung von mehr als 1000 Becquerel pro Kilogramm nicht in die EU eingeführt werden. Inzwischen wurde die Bevölkerung im Gebiet um die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield vor den radioaktiven Atom-Tauben gewarnt. Nach dem Essen von sechs solcher Tauben hätte die entsprechende Person die höchstzulässige jährliche Strahlendosis aufgenommen. Deutschland gehört zu den Hauptlieferanten von Atommüll zur Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield, die von der Firma «British Nuclear Fuels Limited» (BNFL) betrieben wird. Zehn Prozent der abgebrannten Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken werden in Sellafield aufgearbeitet. Weitere zehn Prozent kommen in die deutschen Zwischenlager Gorleben und Ahaus. Der Rest geht zur Wiederaufarbeitung ins nordfranzösische La Hague. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass die Waggons und Castorbehälter der La-Hague-Transporte ebenfalls extrem radioaktiv kontaminiert sind. Greenpeace-Atomexperte Michael Kuehn: «Das gemeinsame Haus Europa wird auch durch deutschen Atommüll radioaktiv verseucht. In der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague gibt es erhöhte Leukämieraten bei Kindern, verstrahlten Strandsand, belastetes Meerwasser, radioaktive Krebse und Tauben. Die gefährliche, teure und überflüssige Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken im Ausland muss sofort eingestellt werden. Castortransporte haben zu unterbleiben. Der Atommuell muss an den Kraftwerken zwischengelagert werden.» Inzwischen wurden neue Fakten über die Menge der radioaktiven Einleitungen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield bekannt. Zwischen 1993 und 1997 wurden beispielsweise 6000 Billionen Becquerel (sechs Terabecquerel) des radiaoktiven Isotops Technetium 99 in die Irische See geleitet. Technetium aus Sellafield – mit einer Halbwertszeit von über 200 000 Jahren – lässt sich inzwischen auch in Hummern sowie in der Nordsee und im Nordostatlantik nachweisen. Bisher wurden etwa 600 Tonnen Atommüll aus Deutschland zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield gebracht. Davon sind erst ein Zehntel aufgearbeitet worden. Bis 2004 sollen weitere 400 Tonnen deutschen Atommülls nach Sellafield transportiert werden.

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