Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft

Die Schweiz versinkt im Abfall

Wir kennen es alle: unendliche Müllberge von Elektrogeräten, Möbeln, Kleidern und vielem mehr – häufig noch gut erhalten. Alleine Elektroschrott produzieren wir in der Schweiz jährlich 23,4 kg pro Kopf. Damit sind wir die drittgrössten Elektroschrott-Erzeuger:innen weltweit. Diese Wegwerfmentalität verbraucht enorme Ressourcen: Wir bräuchten rund drei Erden, würden alle Menschen weltweit so viel konsumieren wie wir!

Deshalb braucht es andere Ansätze. Eine besonders wichtige Lösung ist das Reparieren. Reparaturen ermöglichen es, die Lebensdauer von Gegenständen zu verlängern und die Ressourcen für einen Ersatz einzusparen. 


Die repräsentative Umfrage

Die Schweizer Bevölkerung will reparieren

Eine repräsentative Umfrage vom November 2021 zeigt, dass 76% der Befragten ihre Produkte reparieren lassen.

Was Reparaturen verhindert

Obwohl die Schweizer Bevölkerung bereit ist zu reparieren, hindern finanzielle und gesellschaftliche Fehlanreize oder technische Hürden daran. Die repräsentative Umfrage zeigt, dass 76% der Schweizer Bevölkerung Gegenstände nicht reparieren, weil es zu teuer ist und 72% weil die Geräte und Gegenstände sich nicht reparieren lassen. Unser Ziel ist es, der Bevölkerung den Zugang zu Reparaturleistungen zu erleichtern.


Das Recht zu Reparieren

Um diesen Hindernissen entgegenzuwirken, fordern wir «das Recht zu Reparieren»(auf Englisch: Right to Repair «R2R»). Denn diese Hürden zu überwinden ist nicht unmöglich, wie  verschiedene Ansätze weltweit zeigen. Diese reichen von der Reduktion der Mehrwertsteuer für gewisse Reparaturleistungen, über einen Reparaturindex für Produkte bis hin zu einer verlängerten Garantiezeit. 

In der EU ist seit März 2021 eine neue Bestimmung in Kraft, welche Hersteller:innen verpflichtet, während zehn Jahren bestimmte Ersatzteile und Werkzeuge für gewisse Geräte wie zum Beispiel Waschmaschinen, Fernseher und Kühlschränke bereitzustellen. In der Schweiz wurden für sechs Produktgruppen Anforderungen zur Ressourceneffizienz, wie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und von Reparaturanleitungen übernommen. 

Insgesamt betrachtet, hinkt die Schweiz bezüglich dem «Recht zu Reparieren» leider hinterher. Deshalb fordern wir die politischen Entscheidungsträger sowie die Hersteller und Händler von Produkten auf:

Reparierbare Produkte auf den Markt bringen

  • Anforderungen an das Ökodesign festlegen (modularer Aufbau, standardisierte Teile usw.)
  • der vorsätzlichen Irreparabilität den Kampf ansagen
  • Nutzer:innen vor geplanter Obsoleszenz schützen
  • Garantieleistungen ausbauen
  • Neue Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit dem Verkauf von Dienstleistungen oder der Vermietung von Produkten entwickeln

Zugang zu erschwinglichen Ersatzteilen und technischen Informationen bieten

  • Ersatzteile zugänglich machen – auch langfristig und zu einem erschwinglichen Preis
  • Den Zugang zu Reparatur- und Wartungsanleitungen, Fehlerbehebungs- und Diagnosetools, Konstruktionsplänen, in Produkte eingebetteter Open-Source-Software und allen anderen für die Reparatur benötigten Materialien und Informationen sicherstellen

Förderung einer Kultur der Reparierbarkeit

  • Ziele für die Reparaturrate festlegen und ihre Einhaltung überwachen
  • Reparaturen attraktiv, zugänglich und erschwinglich machen
  • Konsument:innen zum Kauf reparaturfähiger Produkte ermutigen
  • Als öffentliche Einrichtung oder als Unternehmen eine Vorbildfunktion übernehmen
Greenpeace-Freiwillige bei einem «Make Smthng Week» Event. Die «Make Smthng Week» wird international von Greenpeace-Freiwilligen veranstaltet, um in der Vorweihnachtszeit und rund um den «Black Friday» auf Konsumalternativen aufmerksam zu machen.
Bild aus einem Repair Café in Suhr, Schweiz
Logo von «R2R EU»

Mitglied von «R2R EU»

Wir sind Mitglied von «Right to Repair EU». Gemeinsam setzen wir uns für ein Recht zu Reparieren ein. Mehr Infos zu unseren Forderungen an die Politik und zur Petition findest du hier.

Mehr Infos zu «Right to Repair EU» findest du hier.


Eine längere Nutzung ist für unser Klima sinnvoll

Wenn wir Konsumprodukte wie Waschmaschinen, Smartphones, Kleider und Möbel länger nutzen trägt dies beträchtlich zum Klimaschutz bei – mehr als das Recycling. Eine Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen INFRAS zeigt: Wenn wir Konsumprodukte länger nutzen, spart das eine ziemliche Menge an CO2. Würden beispielsweise alle Kleider in der Schweiz drei Jahre länger getragen, könnten wir so viel CO2 einsparen, wie ein Auto ausstösst, das 186’000 Mal um die Erde fährt.

INFRAS schätzt, dass sich der Schweizer CO2-Fussabdruck um 1,8 bis 4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent reduzieren liesse, wenn wir alle Konsumprodukte in der Schweiz ein bis drei Jahre länger nutzen würden. Als Vergleich: Das PET-Recycling schafft jährlich Einsparungen von 137’000 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Wir brauchen eine echte Kreislaufwirtschaft! Wie?

Um die Nutzungsdauer von Konsumprodukten zu verlängern, brauchen wir eine echte Kreislaufwirtschaft. Diese sieht Recycling, Verbrennung und Deponierung als letzte Auswege, da dabei Energie und Rohstoffe verloren gehen.

Wichtiger sind das Teilen, Wiederverwenden, Reparieren und Wiederaufbereiten. Diese Strategien setzen bereits in der Produktions- und Nutzungsphase an und können so den Verbrauch an Primärrohstoffen, also neu gewonnen Rohstoffen, reduzieren (siehe Grafik rechts).

Kreislaufwirtschaft in ganzheitlicher Sicht

Vier Portraits zum Thema Reparieren

Engagierte Menschen, die sich für den Schutz unser Ressourcen einsetzen

Wir haben nach engagierten Menschen gesucht, die sich für den Schutz unserer Ressourcen einsetzen und sich mit Reparaturen sowie der gesamten Kreislaufwirtschaft auseinandersetzen. Dabei sind Portraits von diesen vier engagierten Persönlichkeiten entstanden:

  • Daniela Micard, Mitgründerin und Leiterin von Récrécréa
  • Delphine Klopfenstein Broggini, Nationalrätin, Präsidentin der Grünen in Genf, Vizepräsidentin von Pro Velo Schweiz, Vorstand von Pro Natura.
  • Felix Tenger, ehrenamtlich im Repair Café in Suhr tätig
  • Silke Langenberg, ETH-Professorin für Konstruktionserbe und Denkmalpflege

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