Wegschauen geht nicht: 20 Meter lang ist das Plastikmonster, das heute Nestlé heimgesucht hat. Greenpeace-AktivistInnen haben es zum Firmenhauptsitz in Vevey gebracht. Sie haben ihre Botschaft auch mit Bannern an der Gebäudefassade und auf dem anliegenden See verkündet: «Nestlé, stop single use». Einwegverpackungen müssen verschwinden.

Dichter Nebel hängt über dem Lac Léman, auf den die Nestlé-MitarbeiterInnen blicken. Ein ruhiger Dienstagmorgen, so scheint es. Bis um zehn Uhr ein imposanter Besucher anrollt. Ein Monster aus Plastikmüll, der grösstenteils von Nestlé stammt. Verpackungen, die vor kurzem noch im Meer vor den Philippinen trieben und deren Strände verschmutzten. Jetzt setzt sich die drachenartige Skulptur in seiner ganzen Länge von 20 Metern vor dem Eingang hin. Greenpeace-AktivistInnen begleiten es mit Bannern: «Nestlé, this is yours» steht auf einem. Nestlé ist einer der grössten Plastik-Verschmutzer weltweit. Allein letztes Jahr produzierte der Lebensmittelkonzern 1.7 Millionen Tonnen Plastik.

Die AktivistInnen tragen Fischernetze voller Nestlé-Petflaschen bei sich, die Sicherheitsbeamte ihnen entreissen. Und dann richten sich alle Blicke in die Höhe: Auf dem Dach des Glasgebäudes seilen sich vier AktivistInnen ab. In schwindelerregender Höhe hängen sie ein riesiges Banner an die Fassade: «Nestlé, stop single use» steht darauf. Die AktivistInnen am Boden klatschen, ein paar PassantInnen applaudieren mit ihnen und eine Autofahrerin hupt zustimmend. Jetzt ist es auch von weither ersichtlich. Nestlé muss endlich handeln.

Eine Überraschung kommt angeschwommen

Noch reagiert der Konzern mit Scheinlösungen. Auch der angekündigte Wechsel zu Wegwerfverpackungen aus anderen Materialien wird das Problem nicht lösen, sondern nur verschieben. «Papierverpackungen brauchen Zellstoff, dafür werden klimarelevante Urwälder abgeholzt und Monokultur-Plantagen angebaut. Auch Bioplastik verbraucht wertvolle Ressourcen, konkurriert die Lebensmittelproduktion und löst sich im Wasser zum Teil ebenfalls kaum auf», sagt Asti Roesle, Zero-Waste-Campaignerin bei Greenpeace Schweiz. Unsere Forderungen an Nestlé: mehr Transparenz und ein konkreter Aktionsplan, um Einwegverpackungen baldmöglichst zu eliminieren. An ihre Stelle müssen alternative Liefer- und Verteilungssysteme treten, die auf Wiederauffüllung und Wiederverwendbarkeit basieren.

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Greenpeace-AktivistInnen haben nicht nur Vevey aufgemischt: Heute fanden auch Aktionen an Nestlé-Niederlassungen in Kenia, Deutschland, Slowenien und Italien statt. Allein in der Schweiz sind 65 AktivistInnen aus sieben Ländern zusammengekommen. Sie hatten eine weitere Überraschung für den Plastikgiganten vorbereitet. Auf fünfzehn Kanus und Kajaks nähern sie sich der Hinterseite des Gebäudes. Mit dabei: Ein drachenartiger Kopf aus Nestlé-Plastikabfall. Der Nebel hat sich inzwischen gelegt. Ringsum sind jetzt die Berge ersichtlich. Und das schwimmende Banner ist klar und deutlich erkennbar. «Nestlé, stop single use».

Impressionen:

Greenpeace-Aktivisten übergaben heute der Geschäftsleitung von Nestlé im Schweizerischen Vevey ein besonderes Präsent...
...das Plastikmonster kehrt zu seinem Ursprung zurück!
Ein Ungeheuer vorm Nestlé-Hauptsitz: Das Plastikmonster besteht aus Einwegverpackungen, die Freiwillige an den Stränden der Philippinen gesammelt haben. Darunter sind viele, die das Nestlé-Logo tragen.
Davor reiste das Plastikmonster durch mehrere europäische Städte. Es war zu Besuch in Köln...
...Basel oder wie im Bild in Lausanne.
Am Hauptsitz angelangt, wurde es den Mitarbeitenden von Nestlé übergeben...
...gemeinsam mit den Forderungen nach einem Verzicht von Einwegverpackung in der Produktion.
Das Monster ist 20 Meter lang und 6 Meter hoch.
Einwegverpackung wirft einen langen, traurigen Schatten auf unsere Umwelt. Auf der ganzen Welt finden Proteste statt.
Vergangenen Donnerstag sprach die internationale Greenpeace-Geschäftsführerin Jennifer Morgan auf der Nestlé-Hauptversammlung vor den Aktionären und forderte den Konzern nachdrücklich auf, umweltschädliches Einwegplastik zu reduzieren.
In Italien seilten sich Aktivisten ab mit der Forderung an Nestlé, auf Einwegverpackungen zu verzichten.
In Kenia tauchte ein eigenes Monster auf...
...vor dem Hauptsitz von Nestlé in Nairobi.
In der Slovakei protestierten Aktivisten gegen Einwegverpackungen.
In Rotterdam reckte letzte Woche ein Monster seinen Kopf.
Auf den Philippinen ist das Plastikproblem besonders schlimm. Auch das Material vom Schweizer Monster stammt von dort.