Greenpeace-Aktivist:innen haben am Mittwochabend einen Film und Botschaften auf den Kühlturm des abgeschalteten Atomkraftwerks Gösgen im Kanton Solothurn projiziert. Sie prangern die jahrzehntelange Verschleierung der Sicherheitslücke im Speisewassersystem des AKW an und die damit verbundene Gefahr für die Bevölkerung. Wegen des Sicherheitsproblems produziert das AKW seit acht Monaten keinen Strom mehr.
«Sicherheitslücke seit 30 Jahren bekannt. Was wird noch versteckt?», «Atomkraft? Nie wieder!» – so lauten einige der Botschaften, die Greenpeace-Aktivist:innen auf den Kühlturm des AKW Gösgen projiziert haben. Ausserdem nutzten sie den Kühlturm als Leinwand für einen Film über das Polittheater der Atomlobby und ihrer Verbündeten.
«Im AKW Gösgen besteht seit der Inbetriebnahme 1979 eine gravierende Sicherheitslücke», sagt Lukas Bühler, Energieexperte bei Greenpeace Schweiz. «Seit drei Jahrzehnten ist dieses Sicherheitsproblem der AKW-Betreiberin und der Aufsichtsbehörde bekannt. Dennoch werden die Arbeiten zur Behebung erst jetzt durchgeführt. Es fragt sich, wie viele weitere versteckte Sicherheitsrisiken es in diesem Reaktor oder in den anderen Reaktoren in der Schweiz noch gibt?»
Das AKW soll in etwa einem Monat wieder ans Netz gehen. Doch es bleiben viele Fragen unbeantwortet:
- Warum durfte das AKW Gösgen bis Mai 2025 weiterlaufen, obwohl die Betreiberin nach der Meldung der Sicherheitslücke im März 2025 den Reaktor sofort hätte abschalten müssen, wie es die Kernenergieverordnung vorschreibt?
- Warum wurden – obwohl der Mangel seit März bekannt war – bis Ende Juni keine Informationen über die Art des Problems veröffentlicht?
- Warum dauerte es fast zwei Monate, bis bekannt wurde, wie lange das AKW stillgelegt wird – und fast drei Monate, bis die genaue Ursache dafür bekannt war?
- Wer kommt für den finanziellen Schaden auf? Allein der Produktionsausfall kostet rund eine halbe Milliarde Franken. Hinzu kommen Reparaturkosten im zweistelligen Millionenbereich. Dafür geradestehen muss die Eigentümerschaft – Axpo, Alpiq, CKW sowie die beiden städtischen Elektrizitätswerke EWZ (Zürich) und EWB (Bern), die sich alle grossmehrheitlich im öffentlichen Besitz befinden. Es bleibt offen, ob nicht letztendlich die Bevölkerung die Rechnung in Form höherer Strompreise wird bezahlen müssen.
«Gösgen zeigt, wie unzuverlässig die Atomenergie ist und welchen Gefahren wir seit Jahrzehnten ausgesetzt sind», sagt Greenpeace-Experte Lukas Bühler. «Trotz achtmonatiger Stilllegung blieben die Kerzen im Schrank. Das verdanken wir dem Aufschwung der erneuerbaren Energien, allen voran der Solarenergie. Das ist der Weg, den wir einschlagen müssen.»
Die Situation in Gösgen
Das AKW Gösgen steht seit Beginn der jährlichen Revision im Mai 2025 still. Die routinemässigen Wartungsarbeiten waren viele Monate im Voraus geplant. Nicht vorgesehen war jedoch, dass der Reaktor Ende Juni nicht wieder hochgefahren werden kann. Über Wochen informierten die Betreiberin, die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG (KKG), und die Aufsichtsbehörde, das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), nur lückenhaft über die Gründe. Erst Ende August wurde bekannt, dass das AKW bis Februar 2026 abgeschaltet bleibt. Der Grund: Ungedämpfte Rückschlagklappen im sogenannten Speisewassersystem könnten im Störfall zu einem Versagen der Reaktorkühlung führen. Die Rückschlagklappen müssen ersetzt werden.
Mitte September 2025 informierte das ENSI darüber, dass die Sicherheitslücke bereits 1998 identifiziert worden war. Die AKW-Betreiberin meldete die Schwachstelle erneut im März 2025. Durch den Einsatz neuer Berechnungsmethoden konnte nachgewiesen werden, dass die Sicherheitslücke möglicherweise zu einem sogenannten Auslegungsstörfall führen könnte, der eine Freisetzung von Radioaktivität zur Folge hätte. Die Sicherheitsmängel im Speisewassersystem bestehen seit der Inbetriebnahme der Anlage im Jahr 1979.
Weitere Informationen
Fotos und Videos der Projektion
Kontakte
- Lukas Bühler, Energieexperte, Greenpeace Schweiz, +41 76 406 70 23, [email protected]
- Yvonne Anliker, Mediensprecherin, Greenpeace Schweiz, +41 79 306 53 42, [email protected]
- Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, [email protected]


