Auch wenn der Mensch schon morgen keine Treibhausgase mehr produzieren würde, die meisten Gletscher sind verloren. Eine Visualisierung des Abschmelzens.

Die Publikation dieses Beitrages erfolgt mit der Genehmigung vom Tages-Anzeiger und den Autoren Mathias Lutz und Marc Brupbacher.

Die Schweizer Gletscher erreichten ihre grösste Ausdehnung während der kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Die gesamte Gletscherfläche betrug damals 1735 km² – exakt die Grösse des Kantons Zürich. Heute sind es nur noch 890 km². Innerhalb von 166 Jahren ist die Hälfte der Gletscherfläche der Schweiz geschmolzen.

<b>Beim Bundesamt für Raumentwicklung ARE ist eine Anzeige gegen die Kantone Aargau und Solothurn eingegangen. Absender: Die Allianz «Nein zu neuen AKW» und Greenpeace Schweiz. Die beiden Organisationen stellen fest, dass die im Aargau und in Solothurn laufenden Richtplanverfahren für neue AKW gegen Bundesrecht verstossen. Sie fordern vom ARE die Verfahren zu stoppen – wenn nötig durch den Bundesrat.</b>

<div>
	<p>In den Kantonen Aargau und Solothurn haben im Juni bzw. Juli 2010 Mitwirkungsverfahren zu raumplanerischen Fragen bezüglich der Standorte für ein neues AKW Beznau III bzw. ein neues AKW Gösgen II stattgefunden. Auch die Allianz «Nein zu neuen AKW» und Greenpeace Schweiz haben daran teilgenommen und festgestellt, dass das Vorgehen der beiden Kantone bundesrechtswidrig ist.</p>
<p>Die Grundlage für die kantonale Richtplanung bildet laut Kernenergiegesetz (KEG) das Vorliegen einer Rahmenbewilligung für ein neues AKW auf Bundesebene. Eine solche liegt aber frühestens 2013 vor. Eine vorgängige kantonale Standortentscheidung ist aufgrund der klaren Ordnung des KEG ausgeschlossen.</p>
<h4>AKW-Standorte schmackhaft machen</h4>
<p>In ihren dennoch aufgelegten Richtplanverfahren klammern die Aargauer und Solothurner Behörden die atom- und energierechtliche Diskussion aus, vermutlich um bei der Kantonsbevölkerung einen vorauseilenden positiven Standortentscheid zu erwirken.</p>
<p>«Es wundert nicht, dass die AKW-freundlichen Aargauer und Solothurner Behörden versuchen, der kantonalen Bevölkerung ein neues AKW schmackhaft zu machen. Doch auch sie müssen sich an die im Kernenergiegesetz festgelegten Abläufe halten. Gegenüber der Bevölkerung geht es auch um Fairplay. Eine Richtplanänderung durchführen zu wollen, einzig mit dem Ziel, die notwendige Debatte um neue Atomkraftwerke zu unterlaufen, entspricht dem sicher nicht», so Kaspar Schuler, Bereichsleiter Klima & Energie bei Greenpeace Schweiz und Vorstandsmitglied der Allianz «Nein zu neuen AKW».</p>
<p>Die Allianz «Nein zu neuen AKW» wehrt sich entschieden gegen dieses Vorgehen und hat daher zusammen mit Greenpeace Schweiz beim Bundesamt für Raumentwicklung ARE Anzeige erstattet. Sie fordern die zuständige Instanz auf, das Vorgehen der beiden Kantone aufsichtsrechtlich zu stoppen – nötigenfalls durch den Bundesrat. <br><br></p>
<h4>Die Allianz «Nein zu neuen AKW»</h4>
<p>Die Allianz «Nein zu neuen AKW» - bestehend aus 36 Organisationen - setzt auf die Zukunft und damit auf die umwelt- und sozialverträgliche Nutzung neuer erneuerbarer Energien und auf Stromeffizienz. Sie wird die Abstimmungskampagne gegen die Rahmenbewilligung für den Bau neuer AKW führen und eine Mehrheit der Bevölkerung mobilisieren, gegen neue AKW zu stimmen.<br>Weitergehende Informationen zur Allianz «Nein zu neuen AKW» und zu Risiken und Gefahren der Atomenergie finden Sie auf der Website <a href="http://www.nein-zu-neuen-akw.ch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.nein-zu-neuen-akw.ch.</a></p>
</div>

Auch die Eisdicke ging dramatisch zurück. Der Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich/Universität Freiburg schätzt das Eisvolumen für 1850 auf rund 130 km³. 2016 waren es noch 54 km³, also fast 60 Prozent weniger. «Die Schweizer Gletscher kann man nicht mehr retten», sagt Huss. Selbst mit den grössten Anstrengungen zur CO2-Reduktion würden 80 bis 90 Prozent der Eismassen bis ins Jahr 2100 verloren gehen. «Eine Verlangsamung der Erderwärmung kommt für die Schweizer Gletscher zu spät», so Huss. Auch Samuel Nussbaumer vom World Glacier Monitoring Service der Universität Zürich sieht keine Rettung: «Ich hoffe einzig darauf, dass wir wenigstens die höchstgelegensten Gletscher der Alpen zumindest in Bruchstücken erhalten können.»

Die Schweizer Gletscher schmelzen seit 1850 drastisch

<b>Zürich/Basel. Roche & Co. wollen Greenpeace aus dem Grenzacher Hirschacker-Projekt ausschliessen. Greenpeace ist bei der Planung und Durchführung von Grundwasseruntersuchungen bei der Chemiemülldeponie Hirschacker in Zukunft unerwünscht. Im Hirschacker liegen immer noch ca. 100'000 Tonnen giftiger Chemiemüll. Zudem wurden Bestimmungen der Teilsanierungs-Bewilligung verletzt.</b>

<div>
	<p class="bodytext">Planung und Durchführung von Grundwasseruntersuchungen bei der Chemiemülldeponie Hirschacker in Grenzach waren von Beginn an Bestandteil der Abmachung zwischen Greenpeace und Roche. Einmal mehr brechen Roche & Co ihr Wort: Lapidar teilen sie mit, «der massgebliche Sanierungsteil» bei der Chemiemülldeponie Hirschacker in Grenzach sei beendet und somit «auch die Gremienarbeit [...] abgeschlossen». Roche & Co. wollen Greenpeace offenbar ausschliessen, weil die Umweltschutzorganisation immer wieder schwerwiegende Mängel aufgedeckt hat.</p>
<p class="bodytext">So hat Greenpeace z.B. seit 2007 immer wieder die vereinbarten, systematischen Grundwasseruntersuchungen eingefordert, u.a. zum Schutz des Trinkwassers von Grenzach. Roche & Co. haben bis heute nicht mal eine Auswertung und nachvollziehbare Dokumentation der einzigen, systematischen Grundwasseruntersuchung vom Herbst 2007 vorgelegt.</p>
<p class="bodytext">Greenpeace ist der Auffassung, dass Roche & Co die Sanierungs-Bewilligung vom 12. Juni 2008 verletzt haben: Sie hätten den Erfolg der Teilsanierung vor der Verfüllung der Gruben mit Analysen aller Substanzen belegen müssen, die beim Aushub aufgetaucht sind. Das sind ca. 400 Schadstoffe. Vor dem Verfüllen der Gruben aber haben Roche & Co. nur 24 Schadstoffe gesucht: Roche & Co. wollten den gut sichtbaren, stinkenden und zum Teil krebsfördernden Chemiemüll keinesfalls ausgraben, sondern zuschütten und auch nicht dokumentiert haben. Das hat System: Roche & Co liessen gewisse Aussagen sogar in Protokollen nicht zu, um ihnen ungenehme Tatsachen nicht festhalten zu müssen.</p>
<p class="bodytext">Roche & Co. mussten 7% der bei der Teilsanierung ausgehobenen Menge in Sondermüllöfen verbrennen. Übertragen auf den nicht sanierten Teil der Deponie heisst dies: Im Hirschacker liegen noch ca. 100'000 Tonnen hochgiftiger Chemiemüll. Pikant: Diese Zahl bestätigt ein internes Papier der chemischen Industrie, das die Basler Zeitung am 20. März 2007 veröffentlicht hat. Der Hirschacker enthält also noch immer in etwa gleich viel Chemiemüll, wie ihn Roche, Novartis und BASF in Bonfol (JU) gerade für 350 Mio. Franken sanieren. Dies zeigt: Mit der Billig-Sanierung für 21 Mio. haben Roche & Co das Problem Chemiemülldeponie Hirschacker noch lange nicht gelöst.</p>
<p><strong>Greenpeace fordert:</strong></p>
<ul>
<li>Sofortige, systematische Untersuchungen des Grund- und Trinkwassers von Grenzach.</li>
<li>Gemeinsame Planung und Durchführung dieser Untersuchungen; sofortige Offenlegung der Resultate.</li>
<li>Sofortiges Ausarbeiten eines Konzepts für eine einmalige, sichere und definitive Sanierung des Hirschackers auf Kosten der Verursacher</li>
</ul>
<p class="bodytext"><a class="download-arrow" title="Startet den Datei-Download" href="https://www.greenpeace.ch/wp-content/uploads/2017/01/090610_Factsheet_Hirschacker_v12.pdf" target="_self" rel="noopener noreferrer">Factsheet mit detaillierten Angaben</a></p>
<p class="bodytext"><a class="download-arrow" title="Startet den Datei-Download" href="https://www.greenpeace.ch/wp-content/uploads/2017/01/091006_Schadstoffbilanz_HA.pdf" target="_self" rel="noopener noreferrer">Massenbilanz Hirschacker Teilsanierung 2008/2009</a></p>
<p class="bodytext"><strong>Weitere Informationen oder bei:</strong></p>
<p>Frantisek Hudec, Chemiemüllkampagne Greenpeace Schweiz, +41 78 645 55 98</p>
</div>
Die Veränderungen der fünf grössten Gletscher der Schweiz seit 1850.

1973 zählte die Schweiz 2150 Gletscher, heute sind es noch rund 1400. Damit sind nur schon in diesem Zeitraum 750 Gletscher verschwunden. Die meisten von ihnen waren klein und besassen nie einen Namen. Besonders bedauerlich: Alle Gletscher im Schweizer Nationalpark sind bereits komplett geschmolzen. 1973 gab es dort noch rund ein Dutzend – einzig der Vadret da Nuna hatte einen Namen.

<b>Siebzehn Freiwillige aus dem «SBW Haus des Lernens» in Frauenfeld installierten in der Woche vom 19. bis 23. Oktober 2009 zwei Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Stalles und des Wohnhauses der Junghennenaufzucht Benno Pfyl in Obdorf/Schwyz. Die Montage erfolgte im Rahmen des JugendSolarProjektes von Greenpeace und in Zusammenarbeit mit der Solarfirma Megasol.</b>

<div>
	<p class="bodytext">Die Schülerinnen und Schüler der Gruppe «Energy
Agents» des SBW Haus des Lernens meldeten sich freiwillig für die
Solarbauwoche in Obdorf/Schwyz. Unter fachkundiger Anleitung bauten
sie zwei Solaranlagen mit einer Fläche von total über 550m2 und
installierten dabei gut 400 Solarpannels. Die Energy Agents aus
Frauenfeld beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Energie,
Sparsamkeit und Klimawandel.</p>

<p>Die jugendlichen Freiwilligen aus Frauenfeld arbeiteten bei der
Montage der Anlage mit den Mitarbeitern der Firma Megasol zusammen
und wurden von diesen angeleitet. Die Anlage auf dem Stallgebäude
wird durch den Verkauf von Solarvignetten (<a href="http://www.solarvignette.ch/" title="www.solarvignette.ch" target="_blank" class="external-link-new-window" rel="noopener noreferrer">www.solarvignette.ch</a>)
finanziert. Pro Solarvignette wird Solarstrom im Gegenwert von 50
CHF produziert und ins Netz eingespeist. Damit kann ein Laptop ein
Jahr lang mit Solarstrom versorgt werden. Neu gibt es ab November
eine Solarvignette für Handys für fünf Franken in jedem
Swisscom-Shop zu kaufen.</p>

<p>Im Rahmen des Jugendsolar-Projektes lernten die siebzehn
Jugendlichen die Unterkonstruktionen auf den Schrägdächern zu
montieren, die Panels zu befestigen und zu verkabeln und die
Solaranlage an das Netz anzuschliessen. Die Jugendlichen erleben
durch die konkrete Arbeit sehr anschaulich, wie einfach es ist, auf
nachhaltige Weise Strom zu produzieren. Übernachtet haben sie
während der Bauwoche direkt auf dem Bauernhof.</p>

<p>Das JugendSolarProjekt von Greenpeace besteht seit 1998. In
diesem Zeitraum wurden bereits über 170 Solaranlagen unter
tatkräftiger Unterstützung von einigen tausend jugendlichen
Freiwilligen auf Schweizer Dächern installiert. Mit dem Projekt
verfolgt Greenpeace das Ziel, Jugendliche für die Möglichkeiten der
Solarenergie zu sensibilisieren und die Schweiz unabhängiger von
nicht erneuerbaren Energieformen zu machen.</p>

<p><a href="http://www.jugendsolarprojekt.ch/" title="www.jugendsolarprojekt.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">Weitere Informationen zum
JugendSolarProjekt</a></p>

<p class="bodytext"><a href="/switzerland/Templates/Planet3/Pages/de/presse/pressebilder/" title="Zu den Pressebildern" target="_self" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">Zu den Pressebildern</a></p>

<p><strong>Medienkontakt JugendSolarProjekt</strong></p>

<p>Samuel Steiner</p>

<p><img class="obfimg Eoi_1" src="https://www.greenpeace.ch/static/planet4-switzerland-stateless/2019/05/f49a6aa7-f49a6aa7-f4c8317698f24360bc6c258575bac3bf.png" alt=""><script type="text/javascript"><!--
document.write(dc('Eoi_1', 'E4_83_96_8B_CA_81_87_85_81_94_8A_81_81_96_83_CA_8C_87_A4_D6_94_97_8E'));//--></script></p>

<p>Tel.: 079 874 26 11</p>



<p class="bodytext"><strong>Weblinks zum Thema</strong></p>

<p><a href="http://www.jugendsolarprojekt.ch/" title="www.jugendsolarprojekt.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">www.jugendsolarprojekt.ch</a></p>

<p><a href="http://www.solarvignette.ch/" title="www.solarvignette.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">www.solarvignette.ch</a>          </p>

<p><a href="http://www.energy-agents.ch/" title="www.energy-agents.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">www.energy-agents.ch</a></p>

<p><a href="http://www.megasol.ch/" title="www.megasol.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">www.megasol.ch</a>  
            </p>

<p><a href="http://www.junghenne.ch/" title="www.junghenne.ch" target="_blank" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">www.junghenne.ch</a></p>

<p class="bodytext"> </p>
</div>
Drei Beispiele von bereits geschmolzenen Gletschern in der Schweiz.

Seit Beginn der Aufzeichnungen war die Gletscherschmelze noch nie so stark wie in den letzten Jahren. Die weltweit längste Messreihe der Gletscherschmelze (102 Jahre) auf dem Glarner Claridenfirn zeigt: Von den acht extremsten Schmelz-Jahren fanden sechs nach 2008 statt. 2016 verloren die Gletscher fast 1 km³ an Eisvolumen oder rund 900 Milliarden Liter Wasser. Die Dicke des Gletschereises nimmt im Moment (Stand 2017) durchschnittlich um etwa einen Meter pro Jahr ab, das Eis büsst rund ein Prozent seiner Fläche ein. Global schmolzen die Gletscher von 2001 bis 2010 zwei- bis dreimal so stark wie im Mittel des gesamten 20. Jahrhunderts.

Im Wallis sind die Gletscher am grössten, sie reichen am weitesten ins Tal und sind uns damit auch am nächsten. Der Schwund ist also dort am besten sichtbar, beispielsweise beim Rhone- oder Aletschgletscher. Das gilt aber auch für den Morteratschgletscher in Graubünden oder in Grindelwald (BE), wo der Gletscher vor 160 Jahren noch bis ins Dorf floss. Der Triftgletscher (BE) hat zwischen 2000 und 2015 zwei Kilometer an Länge verloren. In Bezug auf ihre Gesamtfläche schrumpfen grosse Gletscher etwa zwei- bis dreimal weniger schnell als die kleinsten. Diese haben seit 1850 fast 90 Prozent ihrer Fläche verloren, während die grossen Gletscher «nur» zwischen 15 und 40 Prozent eingebüsst haben.

Temperatur im Sommer ist zu hoch

Gletscher schmelzen im unteren Bereich im Sommer immer. Seit etwa 1850 verlieren sie aber an Masse. Damals war die sogenannte Kleine Eiszeit auf dem Höchststand. Die Gründe sind eindeutig: deutlich steigende Temperaturen. Zusätzlich beeinflussen auch Änderungen des Schneefalls sowie der Sonneneinstrahlung die Geschwindigkeit der Schmelze. Hauptsächlich kann allerdings die Temperatur während des Sommers verantwortlich gemacht werden. Gletscher zählen zu den besten natürlichen Klimaindikatoren und sind ein Schlüsselelement im Monitoring des Klimawandels.

Zum Vergleich: Der Rhonengletscher in den Jahren 2010 und 2018. (© www.GletscherVergleiche.ch)

Schon seit Jahrmillionen gehen die Gletscher zurück und stossen wieder vor, auch ganz ohne Mensch. Vor 20’000 Jahren war die Schweiz fast komplett von Eis bedeckt. Was allerdings in den letzten 150 Jahren aussergewöhnlich ist, ist die unglaubliche Geschwindigkeit der Erwärmung der Atmosphäre und damit des Gletscherrückgangs. Der Anstieg der Temperatur liegt weit jenseits dem in der Erdgeschichte Bekannten. Und: Der Temperaturanstieg korreliert mit den Emissionen von CO2 in die Atmosphäre, welche mit der Verbrennung von fossilen Energieträgern stark zugenommen haben. Der Mensch ist verantwortlich für den starken Gletscherrückgang.

Bis 2100 wird fast die gesamte Eisfläche in der Schweiz verschwunden sein. Den Aletsch-Gletscher wird es zwar noch geben, allerdings nur noch aufgeteilt in kleinere Teile in hohen Lagen. Leider können auch mit den günstigsten Szenarien bei starker CO2-Reduktion die allermeisten Gletscher in der Schweiz nicht mehr gerettet werden: Es dürften so oder so 4 von 5 verschwinden, auch wenn schon morgen der Ausstoss von Treibhausgasen gestoppt werden könnte. Im Falle eines Anstiegs der Sommertemperatur in der Schweiz um 5 Grad würden die Alpen Ende des 21. Jahrhunderts praktisch eisfrei werden. Schweizer Klimaforscher gehen davon aus, dass es in der Schweiz gegenüber der vorindustriellen Zeit bis Ende des Jahrhunderts im Jahresdurchschnitt 3 bis 5 Grad heisser sein wird, wenn der Anstieg der Treibhausgase nicht gebremst wird. «Natürlich hoffe ich, dass wir es schaffen, die Emissionen so zu reduzieren, dass wir wenigstens 20% der Gletscher bewahren können», so Glaziologe Matthias Huss.

Massnahmen gegen Gletscherschwund werden eingeleitet

Am Titlis oder beim Rhonegletscher werden die Gletscher teils mit Vlies-Tüchern abgedeckt, um die Sonneneinstrahlung abzudämpfen. Im Engadin denkt man darüber nach, die Gletscher künstlich zu beschneien. Solche Massnahmen sind zwar lokal effizient und sinnvoll. Man kann damit den Rückgang an einer kleinen Stelle aufhalten, allerdings niemals einen ganzen Gletscher retten. Die Kosten dafür übersteigen bei weitem den Nutzen.

Die Folgen des Gletscherschwunds sind bereits in verschiedenen Bereichen spürbar. Gletscher sind ein Touristenmagnet und ein wichtiges Identifikationsmerkmal der Schweiz. Wenn es keine Gletscher gibt, muss sich das Land neu präsentieren. Unsere Alpen bleiben schön, auch mit weniger Eis. Sie werden einfach anders.

Gletscher speichern Wasser im Winter und geben es im Sommer frei. Zudem speichern sie Wasser in kühlen, nassen Jahren und geben es in trockenen, heissen Sommern wieder frei. Sie haben damit eine zentrale Rolle in der Regulierung des Abflusses. Sind die Gletscher weg, fällt diese Funktion weg. Das wird einen Einfluss haben auf die Wasserverfügbarkeit in Alpenregionen, aber auch darüber hinaus, da die grossen Flüsse Europas in den Alpen entspringen und im Sommer massgeblich von den Gletschern gespeist werden.

Mit der Energiestrategie 2050 will die Schweiz auf Wasserkraft setzen. Fast alle Stauseen beziehen ihr Wasser von Gletschern. Auch in Zukunft werden sie gefüllt werden, doch das Wasser kommt zu anderen Zeitpunkten im Jahr. Wenn sich Gletscher zurückziehen, verändert sich auch die Landschaft. Das kann zu Problemen mit der Stabilität von Hängen führen. Neue Seen bilden sich. Diese können ausbrechen, besonders, wenn sie vom Eis gestaut werden.

Man geht davon aus, dass der globale Meeresspiegel bis 2100 um 0,3 bis 1 m steigen könnte. Die Gletscherschmelze liefert einen beträchtlichen Beitrag zu diesem Anstieg. Ein steigender Meeresspiegel betrifft uns in der Schweiz nicht direkt, aber es wird Millionen von Klimaflüchtlingen geben.

Aussagen wie «Die Gletscher in Norwegen wachsen» sind nicht mehr aktuell. Die kurze Wachstumsphase endete vor ein paar Jahren. Gletscher in Norwegen sind sehr stark von der Feuchtigkeit beeinflusst, die vom Ozean kommt. Die stieg aufgrund von veränderter Zirkulation der Luftmassen kurzfristig an. Das ist nun aber vorbei, und die Gletscher folgen wieder ihrem langfristigen Trend zu einem Verlust. Der Gletscherschwund ist ein globales Problem. Weltweit gibt es rund 200’000 Gletscher. 730’000 Quadratkilometer beträgt die totale Gletscherfläche der Erde – so gross wie Deutschland, Polen und die Schweiz zusammen. Dazu kommen die beiden Eisschilde in Grönland und der Antarktis, die zusammen gleich gross sind wie Russland. 70 Prozent des Süsswassers sind in Eis gespeichert.

Mathias Lutz und Marc Brupbacher sind Teil des Interaktiv-Teams des Tagesanzeigers in Zürich. Die Inspiration für den Gletscher-Vergleich der Schweiz gab ihnen ein Artikel der New York Times mit dem Titel Mapping 50 years of Melting Ice in Glacier National Park.

Das Original des oben stehenden Artikels mit zusätzlichen Grafiken findest du hier online im Tagesanzeiger.

Wenn du etwas gegen den Gletscherschwund in der Schweiz unternehmen möchtest, dann unterstütze die Gletscherinitiative!